Andere Länder handelten bereits

Droht ein Massen-Rückruf in Deutschland? Krebserregende Substanz in Produkten entdeckt

In Deutschland könnte eine wahre Rückruf-Welle auf uns zurollen. Andere europäische Länder haben es bereits vorgemacht und hunderte Produkte aus dem Verkehr gezogen.

Dortmund – Rollt ein Massen-Rückruf auf deutsche Supermärkte zu? In einem Verdickungsmittel, welches vielfach eingesetzt wird, wurde das krebserregende Ethylenoxid festgestellt.

ChemikalieEthylenoxid (kurz: EO)
BeschreibungFarbloses, hochentzündliches Gas mit süßlichem Geruch
FormelC2H4O
VerwendungDesinfektionsmittel für Nahrungsmittel, organische Dämmstoffe (Wolle, Pflanzenfasern), Textilfasern und medizinische Geräte

Rückruf in ganz Europa möglich: Krebserregendes Ethylenoxid in Verdickungsmittel gefunden

In den ersten europäischen Ländern wurden bereits vor einiger Zeit Produkte zurückgerufen, in denen der krebserregende Inhaltsstoff vermutet wird. Der Lebensmittelhersteller Mars hat nun auch in Deutschland nachgezogen und nimmt sein möglicherweise mit Ethylenoxid belastetes Eis auch hier vom Markt. Mehrere Sorten Eis sind davon betroffen: Snickers, Bounty, Twix und M&Ms.

Doch wie es aussieht, ist nicht nur der Hersteller Mars betroffen. Grund dafür ist Johannisbrotkernmehl, welches aus der Türkei importiert worden war. In dem Rohstoff ist das Mittel Ethylenoxid in einem zu hohem Anteil enthalten.

Rückruf in Deutschland: 361 Tonnen einer potenziell kontaminierten Zutat importiert

Ethylenoxid ist in Deutschland immer wieder der Grund für den ein oder anderen Rückruf – meist ist allerdings Sesam der Träger. In Deutschland ist der Einsatz von Ethylenoxid bereits seit 1981 verboten. In anderen Ländern ist die Chemikalie allerdings noch im Einsatz und wird als Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Sind Rückstände des Gifts in Lebensmitteln enthalten, ist das nicht ganz unbedenklich: Der Stoff steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

Und auch in der Europäischen Union gibt es Grenzwerte für den bedenklichen Stoff. Das verunreinigte Johannisbrotkernmehl sprengte diese Werte. Nicht nur Eis von Mars wird die kritische Zutat verwendet haben. Denn: Im vergangenen Jahr haben deutsche Unternehmen laut Lebensmittel Zeitung 361 Tonnen „Verdickungsstoffe aus Johannisbrot“ mit dem Herkunftsland Türkei importiert.

Ethylenoxid ist als Pflanzenschutzmittel in Deutschland nicht erlaubt, in anderen Ländern allerdings schon.

Rückruf in Europa: Bereits hunderte Produkte zurückgerufen – Deutschland lässt auf sich warten

In Frankreich, Belgien und Luxemburg wurden bereits hunderte Lebensmittel zurückgerufen. Die Behörden vor Ort stuften die Lebensmittel, welche die Zutat Johannisbrotkernmehl enthielten, für zu gefährlich ein. Erstmals haben Lebensmittelaufseher in Spanien schon im Juni auf die Rückstände des Begasungsmittels Ethylenoxid in Johannisbrotkernmehl aus der Türkei hingewiesen.

Zu den bereits zurückgerufenen Lebensmitteln in der EU gehören unter anderem Joghurt, Eiscreme, Salatdressings und Schokolade. Ob nun auch in Deutschland eine wahre Rückruf-Welle ausgelöst wird, bleibt bislang noch offen. Doch es gibt bereits öffentliche Aufrufe zum Rückruf (mehr News zu Rückrufen und Warnungen bei RUHR24).

Massenhaft Produkte mit eventuell kontaminierter Zutat weiterhin im deutschen Handel

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat die Verbraucherministerien der Länder aufgefordert, Rückrufe von mit Ethylenoxid belasteten Lebensmitteln durchzusetzen. Die Verbraucherschützer fordern: „Eiscremes, Konfitüren, Fleisch- und Backwaren, die mit Ethylenoxid belastetes Johannisbrotkernmehl enthalten, müssen öffentlich zurückgerufen werden.“ Zusätzlich hat foodwatch eine Petition erstellt, um weiter Druck aufzubauen.

Zwar befand ein Gremium der EU-Kommission laut Lebensmittel Zeitung Rückrufe von belasteten Lebensmittel für nötig, doch in Deutschland tut sich bisher allerdings wenig. Dabei könnte neben Mars-Eis auch Eis von anderen Marken betroffen sein.

Rückruf in Deutschland: Eis-Hersteller Unilever und Froneri sehen keinen Handlungsbedarf

Unilever, Hersteller von Langnese-Eis, teilte gegenüber der Lebensmittel Zeitung lediglich mit, dass alle Produkte auf dem Markt sicher für Verbraucher seien. Ob das kontaminierte Johannisbrotkernmehl verwendet wurde, bleibt offen. Auch der Eis-Hersteller Froneri verzichtet bislang auf einen Rückruf.

Dabei war laut eigenen Aussagen „kurzzeitig“ eine Zutat enthalten, die die Grenzwerte überschritten hätte. Doch den Angaben zufolge sei eine Belastung mit Ethylenoxid im fertigen Produkt nicht mehr existent. Froneri ist ein Eis-Hersteller der unter anderem Marken wie Milka, Daim, Schöller, Mövenpick oder Oreo beherbergt.

Auch wenn deutsche Behörden bislang anscheinend wenig Anlass sehen, auf die Lebensmittel-Hersteller Druck auszuüben und einen Rückruf zu fordern, ist es dennoch möglich, dass Hersteller allein aus Imagegründen die Offensive ergreifen und Produkte vorbeugend aus dem Verkehr ziehen. Gegenüber Chip meint ein Insider: „Das Thema wird uns sicher die nächsten Wochen beschäftigen.“

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch/dpa; Collage: RUHR24

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