Warnung

Rückrufe in Deutschland: Sesam ist häufig der Grund - das steckt dahinter

Rückrufe von Lebensmitteln aufgrund von Sesam gibt es häufig. Wir erklären, was der Grund für dieses Problem ist.

Nordrhein-Westfalen – Die in dem Produkt enthaltenen Sesamsamen können Rückstände des Pflanzenschutzmittels „Ethylenoxid“ enthalten: So oder so ähnlich lauten viele Produktrückrufe. Aber warum ist das so?

ChemikalieEthylenoxid (kurz: EO)
BeschreibungFarbloses, hochentzündliches Gas mit süßlichem Geruch
FormelC2H4O
VerwendungDesinfektionsmittel für Nahrungsmittel, organische Dämmstoffe (Wolle, Pflanzenfasern), Textilfasern und medizinische Geräte verwendet

Rückrufe in Deutschland: Sesam ist häufig der Grund

Allein in den letzten Wochen gab es zahlreiche Rückrufe in Deutschland. Einmal war es ein Salat bei Lidl, einmal ein Knabber-Spaß von Lorenz und einmal ein Snack von Aldi. WA.de* berichtet derweil über einen aktuellen Rückruf bei Action. Unterschiedliche Produkte, gleicher Rückruf-Grund: Immer enthält das Produkt Sesam und immer können bei den Samen Rückstände des Pflanzenschutzmittels Ethylenoxid nachgewiesen werden.

Auch in der Liste der monatlichen Lebensmittel-Warnungen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ist häufig folgende Beschreibung als Grund für die Verunreinigung zu finden: „Nicht zugelassene Substanz Ethylenoxid in Sesamsamen aus Indien“.

Rückrufe von Lebensmitteln: Sesam häufig mit Ethylenoxid belastet

Das Problem: In Deutschland ist der Einsatz von Ethylenoxid seit 1981 im Lebensmittelbereich verboten. So heißt es in der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung im deutschen Gesetz: „Pflanzenschutzmittel, die aus einem in Anlage 1 aufgeführten Stoff bestehen oder einen solchen Stoff enthalten, dürfen nicht angewandt werden.“ In Anlage 1 zu finden, ist auf Platz 26 das besagte Ethylenoxid.

Ethylenoxid ist als Pflanzenschutzmittel in Deutschland nicht erlaubt, in anderen Ländern allerdings schon.

In anderen Ländern, wie zum Beispiel in Indien, ist die Chemikalie allerdings noch erlaubt und kommt unter anderem als Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft vor. Im Zuge des internationalen Handels lässt sich das giftige Gas – insbesondere bei importierten Produkten – auch in Deutschland finden.

So zum Beispiel bei Sesam. Die gesunden Samen werden kaum oder gar nicht in Deutschland und Europa angebaut. Zu den größten Sesamproduzenten zählen vielmehr der Sudan oder Indien. Länder, in denen der Einsatz von Ethylenoxid noch erlaubt ist (mehr Ratgeber und Service-Themen auf RUHR24.de).

Rückruf von Lebensmittel: Pflanzenschutzmittel ist in Deutschland verboten

Ethylenoxidgas tötet Bakterien, Schimmel und Pilze ab, weshalb es in der Landwirtschaft als Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommt. Auch kommt die Chemikalie als eine Art Desinfektionsmittel vor – beispielsweise beim Transport von Gesundheitsprodukten und wärmeempfindlichen Materialien.

Lange Zeit wurde Ethylenoxid auch für die Sterilisation von Gewürzen verwendet. Aufgrund des Verbotes wird diese Methode in Deutschland allerdings nicht mehr praktiziert. Die Substanz kommt wenn dann nur noch als Zwischenprodukt bei der Herstellung anderer Chemikalien vor. Denn das Gas ist für den Menschen nicht ganz ungefährlich.

Rückruf: Ethylenoxid könnte zur Gefahr für die Gesundheit sein

Eythlenoxid gilt prinzipiell als giftig und verursacht laut dem Institut für Arbeitsschutz Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und sogar Bewusstlosigkeit. Die Symptome treten vor allem dann auf, wenn man direkt mit dem Gas in Kontakt kommt.

Aber auch Rückstände in Lebensmitteln, wie zum Beispiel in Sesam, sind nicht ganz unbedenklich. So steht das Gift im Verdacht, krebserregend zu sein, wenn man es über die Nahrung aufnimmt. Deshalb kommt es auch immer wieder zu Rückrufen von Produkten (mehr Rückrufe und Warnungen auf RUHR24.de).

Ein Grund für das Bundesamt für Verbraucherschutz einen Höchstgehalt für Ethylenoxid festzulegen, der vorsieht wie hoch die Verunreinigung des Produktes maximal durch das Gift sein darf. In Deutschland liegt dieser Wert bei 1 Milligram pro Kilogramm. *WA.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Andrea Warnecke/dpa, Collage: RUHR24.de

Mehr zum Thema