Supermarkt wird erpresst

Rewe nimmt leere Regale in Kauf – Marken fliegen wegen hohen Preisen raus

Die Streitigkeiten um höhere Preise im Supermarkt nehmen kein Ende. Rewe zeigt sich schlagfertig und kämpft für niedrige Lebensmittelpreise.

Dortmund – Das Jahr 2023 beginnt für Verbraucher weniger positiv. Denn weiterhin sind Lücken in den Supermarkt-Regalen und knackige Preiserhöhungen zu erwarten. Vor allem Hersteller von bestimmten Markenartikeln fordern von den Lebensmittelhändlern höhere Preise. Rewe will diesen Weg nicht mitgehen und fasst eine folgenschwere Entscheidung.

Rewe geht Preiserhöhungen nicht mit: Durch Streit mit Pepsi könnte ein Getränk aus den Regalen fliegen

Wie der Rewe-Chef Lionel Souque erahnen lässt, sind die Streitigkeiten um die Preise für Lebensmittel noch nicht beendet. Laut eigener Aussage liegen Rewe zu Beginn des Jahres bereits Preisforderungen in Höhe von etwa einer Milliarde Euro vor, wie die Lebensmittelzeitung berichtet.

Vor allem große Markenhersteller wie Mars, Nestlé und Pepsi verlangen von Supermärkten und Discountern mehr Geld für ihre Produkte. So könnten Kunden bei Rewe künftig keine „Rockstar“-Energydrinks mehr finden, denn der Markenhersteller Pepsi habe dem Einzelhändler zum Jahresanfang eine knackige Preiserhöhung aufgetischt.

Rewe-Chef Souque kontert in einem Interwiew mit dem Tagesspiegel konsequent: „Und mal ehrlich: Wer braucht schon „Rockstar“? Es gibt doch genug andere Energydrinks“. Die Reaktion beweist, dass Rewe auch weiterhin keine ungerechtfertigten Preise akzeptieren werde und den hartnäckigen Kurs gegenüber den Herstellern weiterführt.

Kunden könnten also beim Einkaufen wieder vermehrt vor leeren Regale stehen. Das betreffe insbesondere Produkte von internationalen Nahrungsmittelfirmen, weshalb in Deutschland die Eigenmarken von Edeka, Lidl und Co. an Beliebtheit gewannen.

Rewe bleibt bei Preisforderungen von Nestlé standhaft: „Jetzt bestellen wir nicht mehr“

Neben Pepsi streitet Rewe zudem erneut mit dem Lebensmittelkonzern Nestlé um die Lebensmittelpreise. Im Zuge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine wurden wichtige Rohstoffe für Pflanzenöl knapp und teuer.

Rewe kämpft gegen Preiserhöhungen der Lebensmittelkonzerne – mit Folgen für Kunden.

Zwar haben sich die Preise nun wieder normalisiert, dennoch stehen die Lebensmitteleinzelhändler erneut vor Konflikten. Denn der weltgrößte Lebensmittelhersteller wolle die Preise laut Souque nicht wieder absenken.

Auch wenn die Rohstoffpreise für Öl heute auf dem gewöhnlichen Niveau liegen, verlangt Nestlé für Produkte der Marke „Thomy“ immer noch die höheren Preise. Für Rewe nicht gerechtfertigt. Der Supermarkt macht deswegen kurzen Prozess: „Jetzt bestellen wir Thomy nicht mehr“, so der Rewe-Chef. Betroffen sind davon Produkte wie Senf, Mayonnaise und andere Soßen.

Rewe kämpft gegen Preiserhöhungen: Supermarkt will sich „nicht erpressen lassen“

Trotz der Preis-Streitigkeiten müssen Verbraucher keine Lebensmittelknappheit befürchten. Denn Rewe bezieht seine Waren beispielsweise von rund 10.000 verschiedenen Lieferanten. Nur mit einer geringen Anzahl habe der Supermarkt gegenwärtig Diskussionen.

Sich gegen die Preisforderungen der Lebensmittelkonzerne zu stellen, stellt für Rewe trotzdem keine einfache Entscheidung dar. „Ja, uns tut das weh, wir wollen uns ja einigen“, gibt Souque im Interview mit dem Tagesspiegel zu. „Aber wir müssen denen zeigen, dass wir uns nicht erpressen lassen“, fügt er an.

Doch das hartnäckige Vorgehen zeigte bereits 2022 Erfolg. Etwa die Hälfte der Preiserhöhungen habe Rewe verhindern können. Ob das in diesem Jahr ebenfalls gelingt, bleibt abzuwarten.

Rubriklistenbild: © Kay-Helge Hercher

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