Kritik am Supermarkt

Rewe schafft Prospekt ab – Kunden sind sauer und prognostizieren düstere Zeiten

Dass Rewe ab Mitte 2023 keine Werbeprospekte in Papierform mehr verteilen will, erhitzt die Gemüter. In den sozialen Medien äußern viele ihren Unmut.

NRW – Mit seiner mutigen, aber doch sehr riskanten Entscheidung, ab Mitte 2023 keine Werbeprospekte mehr in Papierform zu verteilen, hat sich der Supermarkt-Riese Rewe nicht nur Freunde gemacht. Einige Kunden reagieren fassungslos auf diese Entscheidung und werfen dem Konzern unter anderem vor, bestimmte Kundinnen und Kunden nicht mehr erreichen zu wollen.

ReweZweitgrößer Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland
Gründung1927
SitzKöln

Facebook-Nutzer sehen das Ende des Papier-Prospekts als eine Form der Altersdiskriminierung

Das wird insbesondere dann deutlich, wenn man sich die Facebook-Kommentare unter der Rewe-Ankündigung einer papierlosen Prospekt-Zukunft anschaut. Zwar findet die Maßnahme vereinzelt auch Zuspruch, doch der Gegenwind überwiegt.

Ein Nutzer sieht beispielsweise „ältere Menschen ohne Internet“ oder „Haushalte, die keins haben“ von der Angebotsübersicht ausgeschlossen. Er gehöre zu den Menschen, die sich „Angebote immer lieber im Papier Prospekt“ anschauen und hoffe, dass andere auch so denken.

Verbraucher werfen Rewe vor, Menschen „in ihrer Selbständigkeit“ zu beschneiden

Auch andere Facebook-Nutzer sehen durch die Entscheidung, sich von Papier-Prospekten zu verabschieden, insbesondere ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger ohne Handy, Tablet oder Laptop in ländlichen Regionen, abgehängt. Ein User kommentiert daher etwas sarkastisch, dass Rewe offensichtlich „diese Kunden nicht mehr“ brauche, „weil man mit den Jungen genug“ verdiene.

Dass durch die Abkehr vom Papier-Werbeprospekt „immer mehr Menschen durch so eine Aktion in ihrer Selbständigkeit beschnitten“ würden, glaubt eine Nutzerin. Dabei denkt sie neben älteren auch an sehbehinderte Menschen.

Ältere Kundschaft könnte durch die Verabschiedung vom Rewe-Werbeprospekt abgehängt werden

Ein weiterer ist sich dahingehend sicher, dass betagtere Verbraucher bald schon nicht mehr zur Rewe-Kundschaft zählen könnten, um nach Schnäppchen Ausschau zu halten. Seiner Meinung nach sei es illusorisch, „dass jemand 1-2 Stunden in der Woche opfern wird, um in den Rewe zu gehen und durch jeden Gang, in der Hoffnung, dass es dort was im Angebot ist, was die Person braucht“.

Außerdem fand er es „immer sehr praktisch, am Sonntagmorgen die Prospekte nach Angeboten durchzublättern“. Der Rewe-Prospekt werde bald schon kein Teil mehr dieser liebgewonnenen Tradition sein. Eine Nutzerin bedauert das zeitnahe Ende des Rewe-Prospekts in Papierform ebenfalls und findet, dass man stattdessen zum Beispiel beim Verpackungsmüll sparen sollte.

Facebook-Nutzer prognostiziert düstere Zeiten für Rewe – Rückkehr zum Prospekt erwartet

Die von Rewe geplante zunehmende Digitalisierung der Werbung nerve sie ohnehin. Und ein User prognostiziert, ähnlich wie zahlreiche kritische Experten in einem Artikel der Lebensmittel Zeitung, düstere Zeiten für den Lebensmitteleinzelhändler.

Schließlich habe „die Online-Werbung nicht den Effekt wie Printwerbung“. Er selbst käme aus der Druckerbranche und glaube daher, dass Rewe „Kunden verlieren und dann doch wieder Prospekte drucken“ werde.

Andere Kommentierende nehmen Rewe die Absicht, die Umwelt durch weniger Papiermüll schützen zu wollen und wie angekündigt „jährlich 70.000 Tonnen CO2“ zu sparen, nicht ab. Der Vorwurf des „Greenwashings“ ist vielerorts zu vernehmen.

Auf Facebook machen Kritiker ihrem Unmut über das Ende des Rewe-Papier-Prospekts Luft.

Rewe versucht zu beschwichtigen – auch Kunden ohne Smartphone würden weiter informiert

Ein anderer User sieht die Arbeitsplätze der Prospektverteiler, darunter vor allem Rentner und Schüler, gefährdet, dank derer Taschengeld und Rente etwas aufgebessert werden können. Die Kritik ist an Rewe nicht spurlos vorbeigegangen, der Konzern versucht unter den Kommentaren zu beschwichtigen und die Entscheidung zu begründen.

Das wird durch die jeweiligen Antworten des Konzerns unter den Kommentaren deutlich. Immer wieder verteidigt der Konzern die Digitalisierung der Werbung und betont, man wolle seine Kundschaft ohne Smartphone oder Internetzugang auch weiterhin über die „Wochenangebote, beispielsweise in Tageszeitungen, im Radio, oder im Fernsehen, informieren“. Auf diesen Kanälen wolle Rewe seine Kommunikation „erweitern und intensivieren“.

Einige Nutzer stehen im Ende des Rewe-Papier-Prospekts einen Schritt in die richtige Richtung

Der Supermarkt-Riese erntet für seine Entscheidung aber nicht nur Unverständnis. Eine Nutzerin fordert ein allgemeines Ende der Papier-Prospekte, um dieser „sinnlosen Papierflut“ Einhalt zu gebieten. Ein Nutzer hofft, „dass das Beispiel Schule macht und immer mehr Supermärkte auf papiergebundene Werbung verzichten“. Und ein weiterer sieht in der Rewe-Entscheidung zumindest einen Schritt in die richtige Richtung.

Rubriklistenbild: © Horst Galuschka/Imago.

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