Uneinigkeiten im Konzern

Rewe knickt bei Werbeprospekten ein – Grund zur Freude für Kunden

Die Rewe-Märkte wollen Print-Prospekte zum 1. Juli 2023 komplett einstellen. Doch im Unternehmen gehen die Meinungen auseinander.

Dortmund – Sind gedruckte Werbeprospekte in Zeiten der Umweltkrise ein überflüssiges Relikt vergangener Tage? Diese Frage hatte Rewe im Sommer mit einem klaren „Ja“ beantwortet. Zum 1. Juli des kommenden Jahres wolle man sämtliche Handzettel einstellen und auf die Digitalisierung setzen, hieß es in einer Pressemitteilung des Konzerns.

Rewe Grouprund 3700 Filialen deutschlandweit
HauptsitzKöln
Gründungsjahr1927

Keine Print-Prospekte mehr von Rewe – Konzern will Vorreiter sein

„Wir wollen die Kunden aller Altersklassen moderner und zielgerichteter über diejenigen Medien erreichen, die sie tatsächlich nutzen“, hatte Lionel Souque, Vorstandsvorsitzender der Rewe Group, der Deutschen Presse-Agentur (DPA) erklärt. Der Kölner Konzern hatte die Entscheidung gegen gedruckte Prospekte als erste Supermarkt-Kette bekannt gegeben. Dieses Vorhaben könnte nun ins Wanken geraten (mehr News zu Supermärkten und Discountern auf RUHR24).

Der Grund dafür ist simpel: Der Konzern hat den selbstständigen Kaufleuten freigestellt, ob sie der Linie des Rewe-Konzerns folgen. Dies ergaben Recherchen der Lebensmittelzeitung. Über 2.000 der deutschlandweit rund 3.700 Märkte sind in Händen von Einzelhändlern, die somit selbst entscheiden können, ob sie Kundinnen und Kunden weiterhin gedruckte Prospekte anbieten.

Rewe knickt bei Werbeprospekten ein – Kunden freuen sich

Zu einer Anfrage der Lebensmittelzeitung äußerte sich die Rewe Group nicht. Dem Vernehmen nach sei man in der Kölner Zentrale aber überzeugt, die Skepsis der selbstständigen Unternehmer bis zum Stichtag im Sommer 2023 noch umkehren zu können.

Einer von ihnen ist Lutz Richrath, der im Aufsichtsrat sitzt und dem obersten Kontrollgremium angehört. Rewe Richrath zählt insgesamt 16 Märkte im Raum Köln und ist mit rund 181 Mio. Euro Jahresumsatz der zweitgrößte Kaufmannsbetrieb der Rewe Group. Ob er der Konzernlinie folgen oder weiterhin gedruckte Prospekte anbieten wird, gab Richrath noch nicht bekannt.

Rewe will gedruckte Prospekte abschaffen – Kunden setzen auf Gewohnheit

Nach Umfrageergebnissen des Instituts für Handelsforschung (IFH) lesen rund 90 Prozent der in Deutschland ansässigen Menschen zumindest gelegentlich Werbeprospekte. Gut 75 Prozent gaben dem IFH an, dies sogar jede Woche zu tun. Für die Kaufleute der Rewe Group demnach eine Möglichkeit, die Gewohnheiten der Konsumenten auch weiterhin zu befriedigen.

Der Supermarkt Rewe möchte Vorreiter sein und setzt ab sofort auf digitale Prospekte

Mit dem Verzicht auf gedruckte Werbeprospekte wollte das Unternehmen Rewe einen Schritt in Richtung Zukunft machen. Durch die gänzliche Einstellung ab 1. Juli 2023 sollen „mehr als 73.000 Tonnen Papier, 70.000 Tonnen CO₂, 1,1 Millionen Tonnen Wasser und 380 Millionen kWh Energie“ eingespart werden, hieß es in der Pressemitteilung des Unternehmens vom Juli dieses Jahres. Bereits 2018 hatten das Versandhaus Otto und die Baumarktkette Obi ihre Kataloge eingestellt. Zwei Jahre später folgte der schwedische Möbelgigant Ikea.

Rewe setzt auf Digitalisierung – Lob von Umweltexperten

„Die milliardenfache Herstellung gedruckter Werbung führt zu Unmengen unnötigen Abfalls, verschwendet Ressourcen und heizt massiv den Klimawandel an“, sagte die Deutsche Umwelthilfe dem WDR und lobte das Vorhaben von Rewe. Hinzu kommt der Aspekt, dass auch die Papierkosten aufgrund der Inflation zuletzt deutlich gestiegen sind.

Die Supermarkt-Ketten Edeka, Lidl und Aldi wollen vorerst an gedruckten Werbeprospekten festhalten, da der Verzicht ein zu hohes Risiko sei. „Gerade in der aktuellen Zeit erwarten viele Kunden gezielt die Prospekt-Zustellung, um sich zu informieren, wo sie die günstigsten Lebensmittel in bester Qualität kaufen können“, verteidigte etwa Aldi Süd die Print-Prospekte.

Zur Rewe Group gehören auch der Discounter Penny Deutschland sowie die österreichische Supermarktketten-Tochter Billa. Beide wollen im Gegensatz zum Mutterkonzern weiterhin an gedruckten Werbeprospekten festhalten.

Rubriklistenbild: © Michael Gstettenbauer/Imago; B. Leitner/blickwinkel/McPHOTO/Imago; Collage: Sabrina Wagner/RUHR24

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