Ende des Bonussystems

Rewe trennt sich von Payback – neuer Kunden-Service schon in den Startlöchern

Bei Rewe und Penny könnte die Payback-Karte bald schon nutzlos werden. Die Verhandlungen zwischen dem Bonussystem und dem Händler sind anspruchsvoll.

Update, Dienstag (24. Januar), 9.22 Uhr: Dortmund – Jetzt ist es fix: Rewe und Penny trennen sich endgültig von dem Punkte-Sammelsystem Payback. Kunden, die das Bonusprogramm nutzen, haben aber noch etwas Zeit. Payback soll erst Ende 2024 auslaufen.

Rewe trennt sich von Payback – neuer Kunden-Service schon in den Startlöchern

Man habe die Zusammenarbeit um zwei weitere Jahre verlängert, danach werde man andere oder eigene Wege gehen, so eine Rewe-Sprecherin gegenüber der Lebensmittel Zeitung. Laut DPA-Informationen will der Supermarkt ein eigenes Bonusprogramm aufbauen. Damit habe man einen viel direkteren Zugriff auf die Kundendaten und größere Möglichkeiten für eine Individualisierung seiner Angebote erhalten als bisher, so die Begründung des Konzerns.

Erstmeldung, Freitag (23. Dezember), 07.36 Uhr: „Haben Sie eine Payback-Karte?“ An diese Frage an den Kassen von Rewe und Penny haben sich viele Kundinnen und Kunden über die Jahre mit Sicherheit längst gewöhnt. Doch aktuell wird über die Zukunft der Zusammenarbeit zwischen der Rewe-Group und dem Bonusprogramm Payback verhandelt – der Ausgang hat zweifelsfrei auch Auswirkungen auf die Kundschaft.

Payback und Rewe verhandeln über Zukunft – Mögliches Ende steht im Raum

Denn laut der Lebensmittelzeitung (LZ) stehen „die Zeichen zwischen Rewe und Payback auf Trennung“. Damit würde eine seit 2014 andauernde Ära zu Ende gehen, von der sowohl Rewe und Penny als auch Payback auf ganz unterschiedliche Weise profitiert haben (mehr Service-News auf RUHR24).

Auf der einen Seite kann das Bonusprogramm bei jedem Einkauf das Konsumverhalten der Besitzerinnen und Besitzer analysieren. Im digitalen Zeitalter sind derartige Daten für Marktforschungszwecke ein echtes Faustpfand. Nicht ohne Grund warnen Kritiker Payback-Kunden davor, ihre Daten zu günstig zu verramschen, berichtet Utopia.

Payback schnappt sich Kundendaten, Rewe steigert dank Bonussystem den Umsatz

Auf der anderen Seite versprechen sich Partnerunternehmen wie Rewe oder Penny durch die Kooperation mit Payback mehr Kunden – in der Vergangenheit stieg der Umsatz. Denn wer im Besitz der kleinen, blauen Karte ist, könnte im Zweifel lieber bei Händlern einkaufen, die beim Einkauf nach der Payback-Karte fragen. So können Kunden Geld sparen und Punkte abstauben. Diese sind bekanntlich gegen Prämien unterschiedlichster Art einlösbar.

Doch angesichts der Summen, die Rewe an Payback dafür zahlen muss, zieht der Handelsriese nun eine Beendigung der Zusammenarbeit in Erwähnung. Nach Angaben der LZ liegen die Kosten für Rewe mindestens bei 150 Millionen Euro pro Jahr – zu viel aus Sicht der Rewe-Group.

Rewe zahlt jährlich rund 150 Millionen Euro an Payback – eigene Apps liefern Daten

Schließlich sind die Daten, die Payback über seine Kundschaft ermittelt, für Rewe nur sehr beschränkt nutzbar. Längst hat der Handelskonzern über seine Rewe- und Penny-App eigene Möglichkeiten, derartige Daten zu erheben. Sollte es tatsächlich zu einem Ende der Partnerschaft kommen, könnte sich die Handelskette verstärkt auf seine eigenen Apps stützen.

Die Folge sind entsprechend zähe Verhandlungen. Wie die LZ berichtet, plane die Rewe-Group „einen sanften Ausstieg“ und wolle den Vertrag um maximal zwei Jahre verlängern. Payback poche hingegen auf eine Vertragsverlängerung um fünf Jahre.

Die beiden Parteien müssen sich allerdings in absehbarer Zeit einigen. Schließlich läuft der aktuell gültige Vertrag bereits Ende 2023 aus.

Unterschiedliche Vertragslaufzeiten gefordert – Verhandlungen zwischen Rewe und Payback

Die beiden Unternehmen geben sich laut der LZ bewusst „partnerschaftlich“, die Verhandlungen sollen sich bereits in der abschließenden Phase befinden. Dennoch scheint es hinter den Kulissen weniger harmonisch zuzugehen.

Payback soll sich laut Insidern bereits „nach Ersatz im Lebensmittelhandel“ umschauen. Allerdings setzen, abgesehen von Aldi, andere Supermärkte und Discounter wie Lidl, Kaufland oder Edeka bereits auf andere Programme, um ihre Kundschaft an sich zu binden.

Die Rewe-Group und Payback verhandeln aktuell über eine weitere Zusammenarbeit – mit offenem Ende.

Payback und Rewe-Group haben in der Vergangenheit von Kooperation profitiert

Die Auswahl ist also überschaubar. Dem Management von Payback wird sicherlich auch bewusst sein, dass rund 12 Millionen Payback-Karten allein von Rewe kommen. Penny zähle laut der LZ mehr als 5 Millionen Payback-Kunden. Bei einem Ende der Partnerschaft mit Rewe könnten Teile der Kundschaft im schlimmsten Fall wegfallen.

Nach Angaben der LZ stiegen die Verkaufszahlen sowohl bei Rewe als auch bei Penny allerdings deutlich an, als der Konzern die Payback-Karte vor mehr als acht Jahren eingeführt hatte. Die Abhängigkeit ist also nicht einseitig, beide Seiten haben in der Vergangenheit von der Kooperation zweifelsfrei profitiert.

Wann die Verhandlungen abgeschlossen sein werden, steht derweil noch nicht fest. Man darf gespannt sein, ob die Frage nach der Payback-Karte an den Kassen von Rewe und Penny auch noch nach 2023 weiter gestellt wird.

Rubriklistenbild: © C. Hardt/Future Image/Imago; Rüdiger Wölk/Imago; Collage: Sabrina Wagner/RUHR24

Mehr zum Thema