TikTok-Fauxpas

Rewe tritt in Corona-Fettnäpfchen – und liefert dann überraschende Erklärung

Ein Schichtmarathon einer Oktoberfest-Kellnerin sorgt nicht nur für Beifall. Ausgerechnet Rewe zeigt sich solidarisch mit der Aktion und erntet Kritik.

NRW – Abstand halten, an bestimmten Orten Maske tragen und in die Armbeuge niesen: Was in den dramatischsten Phasen der Corona-Pandemie vielen in Fleisch und Blut übergegangen ist, scheint im Angesicht von Bier, Party und lauter Musik auf dem Oktoberfest schnell wieder vergessen. Eine TikTok-Nutzerin setzt dem Ganzen jetzt die Krone auf – und bekommt dafür ungewöhnlichen Applaus von einem Lebensmittel-Giganten (mehr News zu Supermärkten und Discountern auf RUHR24).

Rewe GmbHZweitgrößter Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland
HauptsitzKöln
Gründung1927

Schärfere Corona-Schutzmaßnahmen sind Ländersache – Bürger sollen sich dennoch schützen

Die Corona-Pandemie ist nicht vorbei. Nicht umsonst gilt seit dem 1. Oktober bis voraussichtlich bis zum 7. April 2023 ein neuer Rechtsrahmen für die Corona-Schutzmaßnahmen. Zwar ist die Entscheidung über weitergehende Maßnahmen Ländersache, so zum Beispiel die Einführung einer Maskenpflicht in öffentlichen Innenräumen.

Doch nicht ohne Grund appellierte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann jüngst an die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger. Der Verzicht „auf eine zwingende, generelle Maskenpflicht in Innenräumen“ bedeute „nicht, dass es aktuell keine Risiken“ gebe.

Kellnerin auf dem Oktoberfest offenbart rücksichtsloses Verhalten in Zeiten der Pandemie

Scheinbar erweckt jedoch massiver Alkoholkonsum in illustrer Runde einen anderen Eindruck und vermittelt eine gewisse Sorglosigkeit. Dass Kellnerinnen auf den Wiesn einiges aushalten müssen, ist angesichts der zahllosen Maß Bier, die zu den durstigen Gästen gelangen müssen, offenkundig. Wer sich den Strapazen bereitwillig aussetzt, muss also einiges abkönnen.

Eine Kellnerin und Tiktok-Nutzerin ist über ihren erfolgreich absolvierten Schichtmarathon besonders stolz. Sie postete jüngst ein Video, in welchem sie auf ihre letzte Schicht auf dem Oktoberfest hinweist: „Oktoberfest 17/17 Tage geschafft!! bin so ready für mein Bett, es war für mich heute körperlich ein absoluter Kampf.. Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen.. but I did it !!“ 

Rewe spendet auf Tiktok Oktoberfest-Kellnerin Beifall für Schichtmarathon trotz Krankheit

Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen könnten Anzeichen einer Corona-Erkrankung sein. Und dadurch, dass sie trotz der genannten Symptome arbeitete, hat sie nicht nur sich, sondern vor allem auch die Gäste im Bierzelt der Gefahr einer potenziellen Infektion mit dem Corona-Virus ausgesetzt. Wie Merkur berichtet, äußerte der Virologe Streeck nach einem Wiesn-Besuch einen Verdacht zur Viren-Übertragung über Maßkrüge.

Einen metaphorischen Schulterklopfer für ihr Durchhaltevermögen via TikTok erhielt die Kellnerin von niemand geringerem als von Rewe. Mit den Worten „ruh dich aus, girl. Du kannst so stolz auf ich (sic!) sein!“ zeigte sich ein für die soziale Präsenz des Supermarktes verantwortlicher Mitarbeiter des Accounts „rewekarriere“ solidarisch mit der schwer Geschundenen.

Rewe kassiert auf Twitter Shitstorm für Solidarität mit umstrittenem Oktoberfest-Post

Dass die Dame augenscheinlich krank, dabei sogar mit potenziellen Corona-Symptomen gearbeitet und damit ein Risiko für sich und insbesondere andere Fest-Teilnehmer eingegangen ist, stößt insbesondere bei Twitter nun auf wenig Verständnis. Dort kommt der umstrittene Arbeitsnachweis gar nicht gut an.

Ein Nutzer schreibt dazu beispielsweise: „Also #rewekarriere findet so ein Verhalten toll. Was ist da los bei euch, @rewe_group? Ist das ein (verifizierter) Fake Account oder hat der Praktikant heute Dienst? Wie kann man so viel Rücksichtslosigkeit auch noch gutheißen?“

Rewe kassiert wegen eines Kommentars auf TikTok massive Kritik.

Supermarktkette Rewe rudert zurück – Kommentar war unabgestimmt und wurde gelöscht

Auch andere Nutzer sind mit der Entscheidung der Kellnerin, trotz offenkundiger Krankheitssymptome zu arbeiten, nicht einverstanden. Eine Nutzerin schreibt zum Beispiel: „Da wäre ne Erklärung echt nötig. Krank auf D‘Wiesn zu gehen ist an Rücksichtslosigkeit und ekelhaftem Egoismus nicht zu überbieten, aber das noch abfeiern … wow“. Einer anderen Twitter-Nutzerin fehlen schlichtweg die Worte.

Auf RUHR24-Anfrage machte Rewe eine eindeutige Kehrtwende und distanzierte sich von dem Kommentar. Es sei „ein unabgestimmter Kommentar“ gewesen, „weshalb er auch gestern gelöscht wurde“, erklärte der Konzern. Dass die Bemerkung in Abstimmung mit den Konzernoberen durchgegangen wäre, erscheint auch mehr als fraglich.

Rubriklistenbild: © Bihlmayerfotografie/Imago; Brigitte Saar/Imago; Collage: Julian Kaiser/RUHR24

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