Neue Filiale in NRW

Rewe schafft Kasse ab – und stellt Kunden vor Herausforderung

Anmelden, Einkaufen, Rausgehen: So lautet das Motto des ersten Rewe-Marktes, der Bezahlen ohne Kasse ermöglicht. Er wurde jetzt in Köln (NRW) eröffnet.

Köln – Rewe prescht vor: Als erster deutscher Lebensmitteleinzelhändler bietet die Kette in der Kölner Filiale an der Zeppelinstraße ab sofort einen hybriden Einkauf an. Die Kunden haben die Wahl, ob sie klassisch an der Kasse bezahlen möchten oder aber per Smartphone.

LebensmitteleinzelhändlerRewe GmbH
SitzKöln (NRW)
Gründung1927

Rewe „Pick&Go” – neues System ermöglicht Einkaufen ohne Kassiervorgang

„Pick&Go” nennt der Einzelhändler sein neues Konzept. Von außen lassen lediglich Datenschutzhinweise sowie die neuartige Eingangsschranke erkennen, dass es sich um ein innovatives Einkaufssystem handelt.

Und so funktioniert das Ganze: Wer „Pick&Go” nutzen möchte, meldet sich mit seinem Smartphone zunächst am Eingang über die entsprechende „Pick&Go”-App per QR-Code an. Wie die Supermarktkette erklärt, können Kunden nun ganz normal einkaufen – also ihre gewünschten Waren wie gewohnt in den Einkaufswagen legen.

Das Besondere: Zum Schluss können die teilnehmenden Kunden dann ganz einfach aus dem Markt spazieren – ohne Warten an der Kasse und ohne Kassiervorgang. Die Rechnung erscheint dazu im Anschluss automatisch in der „Pick&Go”-App. Weiter erklärt Rewe, Reklamationen könnten Kunden in den ersten 24 Stunden nach Kauf in der App erledigen. Danach könne man sich an den Kundenservice wenden (weitere News zu Supermärkten und Discountern auf RUHR24).

Bezahlen ohne Kasse bei Rewe – Kunden-Daten werden beim Einkaufen erfasst

Das Bezahlen ganz ohne nerviges Warten an der Kasse klingt wirklich praktisch, ruft aber auch Datenschutzbedenken hervor. Denn um diesen automatischen Kassiervorgang zu ermöglichen, werden während des Einkaufs mittels Kamera- und Sensortechnologie die Einkäufe erfasst und dann nach Verlassen des Marktes abgerechnet.

Rewe versichert, die Bildaufnahmen der Kunden würden „datensparsam verarbeitet“ und dienten zudem lediglich den genannten Zwecken. Das System erfasse zudem nur solche Daten, die erkennen ließen, welche Produkte entnommen oder zurückgelegt würden. Kunden werden dabei also nicht etwa ausspioniert. So erklärt Rewe, es gäbe keine Gesichtserkennung und das System könne Kunden nach einem Besuch im Markt auch nicht wiedererkennen.

Anmeldung per QR-Code auf dem Smartphone: Rewe eröffnet in Köln ersten hybriden Supermarkt.

Was das System aber sehr wohl erkenne, sei, welche Gruppe gemeinsam einkaufe und wer danach die Rechnung bekomme und den Einkauf bezahlen muss. Anika Vooes, Projektleiterin aus dem Bereich Research & Innovation bei REWE digital erklärt dazu: „Das System erfasst jeden Nutzer als fortlaufende Nummer und deren Skelettmerkmale. Jede Armbewegung beim Griff ins Regal wird als Aktion erkannt und bewertet.“

KI statt Kassierer – Rewe und Aldi führen Einkaufen ohne Bezahlvorgang ein

Wie Rewe mitteilt, sei der Markt in der Zeppelinstraße europaweit der erste Supermarkt, der hybrides Einkaufen dieser Art ermögliche. Das System wurde zuvor fünf Monate lang von Rewe-Mitarbeitern getestet. Mehr als 300 Mitarbeiter hatten „Pick&Go” dazu in mehr als 3000 Einkaufen auf den Prüfstand gestellt.

Auch der Discounter-Riese Aldi will ab Anfang 2022 das Einkaufen ohne Kasse testen. In einem Markt in Utrecht in den Niederlanden wird die erste Aldi-Filiale eröffnet, die komplett ohne Kassierer auskommt. Sowohl Aldi als auch Rewe arbeiten dazu mit Trigo Vision Ltd. zusammen, einem auf Computer-Vision-Technologie spezialisierten Unternehmen.

Trigo entwickelt für Einzelhandelsgeschäfte KI-gestützte Infrastruktur. Ob sich das System weiter durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Das hängt wohl auch davon ab, ob es von den Kunden in der Kölner Filiale angenommen wird.

Kassenloses Bezahlen in Supermarkt und Discounter: Werden Mitarbeiter überflüssig?

Sowohl Rewe als auch Aldi betonen übrigens, dass Mitarbeiter durch die neue Einkaufsmöglichkeit nicht überflüssig würden. So gibt Rewe an, Kunden könnten sich weiterhin mit Fragen persönlich an das Personal wenden.

Aldi erklärt sogar, dass in der Filiale ohne Kasse mehr Mitarbeiter als üblich eingestellt würden. Der Discounter lässt dabei allerdings offen, ob es sich um Einzelhandelskaufleute oder Technik-Spezialisten handelt.

Rubriklistenbild: © Stephan Ortmanns

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