Ukraine-Krieg hat weitere Folgen

Mayonnaise bei Rewe wird knapp – leere Regale bei Soßen

Im Kartoffelsalat oder bei Grillen ist sie Pflicht: Mayonnaise. Doch die könnte jetzt knapp werden. Kunden standen bereits vor leeren Regalen bei Rewe.

Dortmund – Verbraucher und Verbraucherinnen haben es in den letzten Monaten nicht leicht gehabt. Eine Knappheit in den Regalen von Supermärkten und Discountern jagt die nächste. Zwar kann der Durst nach Sonnenblumenöl inzwischen wieder gestillt werden, doch schon bahnt sich das nächste Problem an.

SupermarktRewe
Gründung1927
Mitarbeiterzahl140.000
SitzKöln, Deutschland

Mayonnaise wird aktuell knapp – ihre Zutaten stammen zum Großteil aus der Ukraine und Russland

Nicht nur Speiseöl war in den letzten Monaten heiß begehrt und immer wieder ausverkauft. Die Liste der Produkte, die in diesem Jahr knapp waren, ist lang. Neben Tomatenkonserven und Fischstäbchen stehen inzwischen auch Parmesan und Risotto auf der Kippe.

Und weil gerade die Speiseöl-Krise einen langen Rattenschwanz nach sich zieht, könnte nun das nächste Produkt knapp werden: Mayonnaise. Denn dieses vor allem beim Grillen beliebte Produkt besteht gleich aus zwei Produkten, die hauptsächlich aus der Ukraine und Russland importiert werden.

Speiseöl- und Senf-Mangel kann nicht „ad-hoc durch andere Länder ausgeglichen“ werden

Bereits im März hatte die Kulinaria Deutschland, die die Interessen von rund 130 mittelständischen Unternehmen der Lebensmittelindustrie vertritt, auf eine mögliche Knappheit von Mayonnaise hingewiesen. Mayonnaise besteht in der Regel zu großen Teilen aus Sonnenblumenöl, Senf rundet den Geschmack ab.

Dem Verein zufolge stammt fast 80 Prozent der importierten Senfsaat aus Russland (51,9 Prozent) und der Ukraine (27,6 Prozent). Der Bedarf an Sonnenblumenöl wird zu 94 Prozent über Importe gedeckt – zu einem großen Teil aus diesen beiden Ländern.

„Es ist mit akuten Rohstoffengpässen und Lieferausfällen zu rechnen, die nicht ohne Weiteres aufgefangen werden können. Schließlich handelt es sich um Naturprodukte, die angebaut, gepflegt, geerntet und exportiert werden: Ein solches Volumen ist nicht ad-hoc durch andere Länder auszugleichen“, erläutert Stefan Durach, Präsident von Kulinaria Deutschland, im März in einer Pressemitteilung.

Kunden fürchten Mayo-Hamsterkäufe in Supermärkten und Discountern

Und jetzt, fünf Monate nach der bösen Vorahnung, stehen Kunden und Kundinnen unter anderem bei Rewe erneut vor leeren Regalen. Die Mayonnaise-Auswahl ist erheblich ausgedünnt. Gähnende Leere statt fettiger Sauce.

Ein Twitter-User befürchtet aktuell Mayonnaise-Hamsterkäufe. Er war bereits in zwei Läden und stand anscheinend vor fast leeren Regalen.

Mayonnaise-Mangel in Supermärkten – Alternative bringt weiteres Problem mit sich

Doch der Sonnenblumenöl-Mangel ist nicht das einzige Problem an der Mayo-Knappheit. Denn zwar könnten Hersteller auf andere Öle umsteigen, wie Sojaöl oder Rapsöl, allerdings kommt der Idee ein weiterer Mangel in die Queere. Denn Papier für neue Etiketten ist knapp.

Eine Sprecherin des Lebensmittelverbandes Kulinaria erklärt gegenüber 24RHEIN, dass die Etiketten bereits für Monate vorgedruckt sind – und auf denen ist eben Sonnenblumenöl in der Zutatenliste aufgeführt. Eine neue Etikettierung sei allein wegen des weltweiten Papiermangels kaum möglich. Aktuell würde der Verband versuchen, eine flexiblere Handhabung zur Kennzeichnung mit dem Bundesministerium zu erreichen.

Ob dann Mayonnaise verkauft wird, die laut Etikett mit Sonnenblumenöl hergestellt ist, aber Rapsöl beinhaltet, oder ob mit kleineren Sonderetiketten gearbeitet wird, ist aktuell noch ungewiss.

Leere Regale bei Rewe – droht jetzt die Mayo-Knappheit?

Mayo-Zutat Senf wird knapp – auch andere Hersteller kämpfen mit Problemen bei der Ernte

Auch Senf könnte noch zum Problem werden. Zwar hätten die Hersteller dem Bericht zufolge Senfsaaten in ihren Silobeständen, die die Senfproduktion sichern würden. Doch wie lange die Vorräte halten würden, könne derzeit nicht gesagt werden.

Auf Senf selbst müssen wir wohl nicht verzichten, doch Kulinaria-Verbandsmanager Markus Weck prognostiziert steigende Preise für die gelbe Sauce. Denn zwar könnten andere Länder in der Senfsaat-Herstellung einspringen, aber auch die hätten aktuell Probleme in der Herstellung. Kanada zum Beispiel kämpfte im vergangenen Jahr mit einer Dürre und konnte nur 50 Prozent der Ernte einfahren.

Mayo-Mangel bei Rewe, Kaufland oder Aldi jetzt Dauerzustand? Lidl und Kaufland äußert sich

Ist nun mit einem ernsten Mayo-Mangel in deutschen Supermärkten und Discountern zu rechnen oder handelte es sich bei den leeren Regalen um eine Ausnahme? Auf eine Anfrage von RUHR24 hat sich Rewe bisher noch nicht geäußert, auch Edeka und Aldi bleibt uns noch ein Statement schuldig (Stand: 19. August). Bisher äußerte sich nur die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, auf eine Anfrage.

Darin heißt es, dass es aktuell lediglich bei einzelnen Produkten bei Kaufland und Lidl zu Lieferverzögerungen kommen könne. Die Warenversorgung sei allerdings auch mit Alternativen sichergestellt. Außerdem sollen Logistikzentren mit ausreichend Lagerbestände gefüllt sein. Ob Kunden vermehrt zu bestimmten Produkten greifen, lässt die Schwarz-Gruppe offen. Da generell keine Informationen zu Kunden-Verhalten veröffentlicht werden.

Rubriklistenbild: © Victoria Maiwald/RUHR24

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