Reisen wird einfacher

Einheitlicher EU-Impfpass kommt im Juni: Vorteile für unbeschwertes Reisen trotz Corona

Unbeschwert reisen – das ist derzeit nicht so einfach möglich. Um Erleichterung zu schaffen, soll es schon bald ein europaweit geltendes Impfzertifikat geben.

Deutschland – Passend zur anstehenden Urlaubssaison haben sich die EU-Mitgliedsstaaten und das EU-Parlament auf ein europaweit geltendes Impfzertifikat geeinigt, das gab das Europäische Parlament am Donnerstag (20. Mai) bekannt. Wie die Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) meldet, soll das Zertifikat nicht wie ursprünglich geplant „digitales grünes Zertifikat“, sondern „digitales EU Covid-Zertifikat“ („EU Covid-19 Digital Certificate“) heißen. Reisen soll damit wieder einfacher werden.

Europäisches ParlamentParlament der Europäischen Union
HauptsitzBrüssel, Belgien
Gründung10. September 1952

Digitales EU Covid-Zertifikat – Mitgliedsstaaten einigen sich nach wochenlangen Verhandlungen

Vor der vorläufigen Einigung auf ein gemeinsames Vorgehen hatten die Mitgliedsstaaten der EU wochenlang verhandelt. Strittig war, wozu das Zertifikat genau berechtigen soll.

Jetzt hat sich das EU-Parlament in wichtigen Punkten durchgesetzt. Die Reisefreizügigkeit soll wieder erleichtert werden. Denn in den einzelnen Ländern gibt es bislang die verschiedensten Dokumente, um nachzuweisen, dass man getestet, genesen oder geimpft ist.

Digitales Impfzertifikat soll Reisen EU-weit erleichtern

Das soll mit dem neuen Impfzertifikat übersichtlicher werden. Mit Vorlage des Nachweises sollen EU-Bürger dann die Möglichkeit haben, innerhalb der EU zu reisen – und zwar ohne zusätzliche Auflagen wie Corona-Tests oder sogar Quarantäne.

Ebenso wie Geimpfte, Getestete und Genesene in Deutschland nach Vorlage entsprechender Nachweise wichtige Grundrechte zurückerhalten, bekommen EU-Bürger also mit dem digitalen Nachweis mehr Reisefreiheit zurück.

Laut AFP-Bericht nannte die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides die Einigung einen „wichtigen Schritt, um Freizügigkeit in der EU so sicher wie möglich wiederherzustellen“. Die Regelung schaffe für die Bürger wieder „Klarheit und Gewissheit“ (Infos zum Coronavirus in NRW auf RUHR24).

Digitaler Impfausweis: Quarantänepflicht nur noch in Härtefällen möglich

Wie das EU-Parlament erklärt, dürfen die einzelnen Mitgliedsstaaten dann grundsätzlich keine zusätzlichen Reisebeschränkungen wie Quarantäne oder Tests mehr verhängen, „es sei denn, sie sind notwendig und verhältnismäßig, um die öffentliche Gesundheit zu schützen“.

Um solche zusätzlichen Maßnahmen zu rechtfertigen, müsse sich ein Land dann aber auf die Einschätzung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) berufen. Die Schutz-Maßnahmen müssten den übrigen Mitgliedstaaten und der Kommission dann auch spätestens 48 Stunden im Voraus mitgeteilt werden.

Mit anderen Worten: Nur in Härtefällen – wie beispielsweise extrem hohe Inzidenzen oder im Falle einer besorgniserregenden Mutation des Coronavirus – können die Mitgliedsstaaten auch weiterhin individuelle Reisebeschränkungen festlegen.

Einchecken per Smartphone – digitales EU-Zertifikat kommt als QR-Code aufs Handy

Das EU-weite digitale Impfzertifikat soll jeder Impfling bequem auf sein Smartphone erhalten, erklärt das Bundesgesundheitsministerium. Dazu erhält jeder Geimpfte eine Impfbescheinigung als Barcode, der abgescannt und lokal auf dem Handy gespeichert wird.

Das Impfzertifikat liegt dann entsprechend als QR-Code auf dem Smartphone vor. Nutzer sollen das Zertifikat hier über eine kostenlose App steuern können. Es soll in Deutschland zum Beispiel über die CovPass App oder die Corona-Warn-App (CWA) digital genutzt werden. Auch eine App, die ausschließlich der Anzeige des Zertifikats dient, wird hierzulande derzeit von IBM entwickelt. Daneben soll der QR-Code auch ausgedruckt und in Papierform mitgenommen werden können.

Digitales EU-Impfzertifikat: QR-Code wird nach der Impfung ausgegeben – diese Infos enthält er

Das EU-Impfzertifikat wird bei den Impfärzten oder in den Impfzentren ausgestellt. Laut Informationen des Handelsblattes soll in Deutschland bereits ab Juni bei der zweiten Impfung oder bei einem Test ein QR-Code ausgegeben werden (in der App gespeichert oder als Ausdruck), der als digitales EU-Zertifikat gilt. Wer bereits vollständig geimpft ist, soll sich den Nachweis beim Arzt oder im Impfzentrum nachträglich ausstellen lassen können.

Das Bundesgesundheitsministerium erklärt hierzu, dass derzeit „verschiedene Möglichkeiten geprüft“ werden, um auch nachträglich digitale Impfnachweise zu erstellen. Grundsätzlich solle die Ausstellung dann dort erfolgen, wo man geimpft worden ist. Wenn möglich, sollten die QR-Codes dabei automatisch per Post zugesandt werden. 

Das Impfzertifikat soll dabei die folgenden Informationen enthalten:

  • Name und Geburtsdatum des Geimpften
  • Impfstatus
  • Nachweis einer durchgemachten Covid-19-Infektion
  • Nachweis über einen negativen Corona-Test
  • Ergebnis eines Antikörpertests (gilt derzeit in Deutschland nicht als Nachweis, in anderen Ländern wie Österreich schon)

Neues Impfzertifikat – das gilt in Sachen Sicherheit und Datenschutz

Zugleich soll es eine Prüf-App zur Prüfung des Impfzertifikats geben. Damit soll der Impfstatus ähnlich wie ein Barcode eines Flug- oder Bahntickets gescannt werden können. Wie AFP berichtet, soll über eine Plattform sichergestellt werden, dass die Echtheit europaweit überprüft werden kann.

Das Europäische Parlament betont, dass persönliche Daten nicht von den Zielländern gespeichert würden – auch werde es keine zentrale EU-Datenbank dafür geben. Die Liste der Stellen, welche die Daten empfangen, solle zudem öffentlich gemacht werden, sodass die Datenschutzrechte gewahrt würden.

Digitales EU Covid-Zertifikat soll Ende Juni eingeführt werden

Die Einigung muss noch von den Mitgliedstaaten angenommen werden. Das Parlament will darüber abschließend bei seiner Juni-Plenarsitzung (7. bis 10. Juni) entscheiden. Dass es hier noch zu Änderungen kommt, gilt aber laut dpa als unwahrscheinlich.

Weiter heißt es bei der dpa, der CDU-Gesundheitspolitiker und EU-Abgeordnete Peter Liese habe erklärt, dass die Einführung des Impfzertifikats für den 1. Juli geplant sei. Dabei erhielten die Mitgliedstaaten noch eine sechswöchige Übergangsfrist.

Die EU-weite Anerkennung des digitalen EU Covid-Zertifikats würde damit dann Mitte August verpflichtend. Aktuell geht das Bundesgesundheitsministerium aber davon aus, dass er in Deutschland Ende Juni eingeführt werden kann.

Bleibt trotz zusätzlichem digitalen Nachweis weiter gültig – der gelbe Impfausweis.

Corona: digitaler EU-Impfausweis wird nicht zur Pflicht

Wichtig zu wissen: Das digitale EU-Impfzertifikat soll lediglich Erleichterung bieten, es wird für Bürger nicht zur Pflicht. Als Nachweis für den Impfstatus behält der gelbe Impfpass in Papierform weiter seine Gültigkeit.

Die Bundesregierung erklärt hierzu: „Der digitale Impfnachweis ist lediglich ein freiwilliges und ergänzendes Angebot.“ Auch Reisende sollen den gelben Impfpass weiter vorzeigen können.

Rubriklistenbild: © Jaime Reina/dpa

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