Größtes Tief seit Kriegsbeginn

Gaspreis sinkt wieder: Zahlen Verbraucher bald weniger?

Der Preis für Gas ist wieder auf das Niveau gesunken, das er vor Kriegsbeginn in der Ukraine hatte. Doch Verbraucher merken davon noch nichts. Warum?

Berlin/Dortmund – Am deutlichsten bekommen Menschen in Deutschland und ganz Europa die Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im eigenen Portemonnaie zu spüren.

Gaspreis sinkt kontinuierlich – auch der Strompreis wird weniger

Seit Kriegsausbruch am 24. Februar 2022 stiegen zunächst die Preise für die Energieträger Gas und Öl, da Russland als wichtiger Lieferant wegbrach. Dadurch setzte sich eine Spirale in Gang, die die Inflation in Deutschland auf deutlich über 10 Prozent hob und das Leben seitdem sehr viel teurer macht.

Im August und September 2022 erreichte der Preis für Gas seinen bisherigen Höchststand. Seinerzeit betrug der Großhandelspreis für eine Megawattstunde an der niederländischen TTF-Börse 346 Euro. Die Gründe dafür lagen in dem Ausbleiben russischer Gaslieferungen – auch aufgrund der Sabotage an der Pipeline Nord Stream 1 – sowie in der hohen Nachfrage bei gleichzeitig coronabedingt geringem Angebot.

Doch seitdem fällt der Gaspreis kontinuierlich. In der ersten Januarwoche 2023 fiel er somit erstmals wieder unter das Niveau vor Kriegsbeginn. Er beträgt derzeit 71,60 Euro pro MWh. Selbiges gilt auch für den Strompreis.

Gaspreis fällt: Das sind die Gründe für das größte Tief seit Kriegsbeginn

Die Gründe dafür liegen nach Einschätzungen der Bundesnetzagentur vor allem in den zuletzt milden Temperaturen – die Silvesternacht 2022/23 war zum Beispiel vielerorts ungewöhnlich warm.

Zudem soll zuletzt deutlich mehr Energie aus Windkraft gewonnen worden sein, was den Gaspreis weiter drückt, berichtet kreiszeitung.de. Die deutschen Gasspeicher füllen sich und sind mit knapp 90 Prozent Füllstand gut bestückt (mehr Service-News bei RUHR24).

So setzt sich der Gaspreis zusammen:

  • 1. Gasbeschaffung und Vertrieb (65,8 Prozent)
  • 2. Mehrwertsteuer (16 Prozent)
  • 3. Netzentgelte (10,9 Prozent)
  • 4. Erdgassteuer (3,6 Prozent)
  • 5. CO2-Preis (3,6 Prozent)
  • 6. Konzessionsabgabe (0,2 Prozent)

Gaspreisbremse und Tarifanpassungen: Wann Verbraucher die sinkenden Gaspreise zu spüren bekommen

Viele Verbraucher hoffen nun natürlich auf sinkende Preise ihrer Gasanbieter. Doch viele Gasversorger wollen ihre Preise nun sogar noch anheben.

Der Grund: Viele Versorger, besonders die örtlichen Grundanbieter, kaufen ihr Gas langfristig ein. Versorger mit überregionalen Tarifen hingegen orientieren sich am aktuellen Großmarktpreis. Deshalb waren zwischenzeitlich die sonst eher teuren Grundversorger-Tarife zum Teil deutlich günstiger für die Verbraucher.

Der Gaspreis sinkt – die Kosten für Verbraucher bleiben trotzdem hoch.

Allerdings steigen die Preise dieser Tarife dort nun an, während gleichzeitig der Großmarktpreis fällt, da Grundversorger nicht so kurzfristig auf Preisveränderungen reagieren können. In Zeiten, in denen Gas teuer ist, profitieren Verbraucher also. Ist das Gas jedoch günstig, haben Verbraucher in der Grundversorgung in der Regel das Nachsehen – wobei „günstig“ im aktuellen Fall relativ ist. Mitte 2021 lag der Preis für Gas noch bei rund 20 Euro pro MWh.

Gaspreis sinkt – Verbraucher spüren Entlastung frühstens im März 2023

Eine spürbare Entlastung dürfte ab März 2023 also erst die Gaspreisbremse der Bundesregierung bringen. Die deckelt 80 Prozent des Gasverbrauchs der Verbraucher bei 12 Cent je Kilowattstunde. Für die restlichen 20 Prozent hingegen gelten die üblichen Marktpreise. Experten zufolge sei es möglich, dass bis dahin der Gaspreis der Anbieter weiter ansteigt, da der Staat diesen Anstieg für den Verbraucher ausgleichen muss.

Ob der Gaspreis langfristig wieder sinkt, darüber sind Experten sich uneins, auch wenn Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) mit fallenden Preisen für 2023 rechnet. Um am Ende des Jahres eine möglichst geringe Gasrechnung zu haben, sollten Verbraucher daher in jedem Fall sparsam mit ihrem Gasverbrauch umgehen.

Rubriklistenbild: © Steinach, Michael Gstettenbauer/Imago, Collage: RUHR24