Statt Butter oder Margarine

Produkt-Neuheit: Rama überrascht mit neuem Aufstrich – und erntet Kritik

Butter Brot Messer
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Butter gilt als vielseitig, doch es gibt sinnvollere Alternativen.

Daran sind schon Beziehungen zerbrochen: Butter oder Margarine? Für diesen Streitpunkt hat Rama jetzt eine Lösung – allerdings erntet das Unternehmen Kritik.

NRW – Margarine oder Butter – bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Die einen meinen, Butter sei ungesund, die anderen finden, Margarine schmeckt nicht. Um Butter- und Margarine-Anhänger wieder zu vereinen, hat Rama nun ein neues Produkt auf den Markt gebracht.

UnternehmenUpfield Holdings
Gründung1871
HauptstandortAmsterdam, Niederlande
Marken (unter anderem)Rama, ProActiv, Becel, Violife

Rama bringt begehrtes neues Produkt auf den Markt

Über dieses neue Produkt freuen sich wahrscheinlich nicht nur Butter-Freunde, die gesünder leben wollen, oder Margarine-Fans, denen der Butter-Geschmack fehlt. Besonders Veganer und Veganerinnen dürften sich nach dem buttrigen Geschmack sehnen, den sie aufgrund der tierischen Inhaltsstoffe vermeiden.

„Die 100% Pflanzliche“ heißt der neue Aufstrich von Rama. Das Versprechen: „Sie schmeckt und lässt sich verwenden wie herkömmliche Butter, nur dass sie zu 100% pflanzlich ist.“ Zwar ist Rama bereits erprobt, wenn es um rein pflanzliche Aufstriche geht, allerdings fehlte immer der begehrte Buttergeschmack.

Rama bringt Neuheit in die Regale der Supermärkte – das gab es bisher nicht

Dass Rama sich in veganen Alternativen versteht, ist nicht verwunderlich, wenn man sich das Mutterunternehmen ansieht. Upfield Holdings ist laut eigener Aussage weltweit der größte Hersteller von pflanzlichen Konsumgütern. Neben Rama und anderen bekannten Pflanzenaufstrichen zählt auch die Marke „Violife“ zum Portfolio des Konzerns. „Violife“ produziert veganen Käse in verschiedenen Sorten, am Stück, in Scheiben oder auch zum Streichen.

Eigentlich könnte gerade für Veganer dieses neue Produkt von Rama ein Grund zur Freude sein. Denn wenn man durch die Kühlregale der Supermärkte streift, ist das Angebot an veganen Alternativen wie dem neuen Müller Milchreis zwar groß, doch Margarine mit Buttergeschmack ist eine absolute Neuheit in deutschen Supermärkten.

Rama bringt neues Produkt raus – Kunden wollen es nicht kaufen

Doch die Freude ist getrübt. Neben positiver Resonanz in den Sozialen Netzwerken gibt es auch Kritik am neuen Produkt von Rama. Denn in dem neuen Brotaufstrich ist Palmöl verarbeitet – für einige Kunden ein No-Go und somit Grund, den Aufstrich nicht zu kaufen.

  • Eine Nutzerin kommetiert einen Instagram-Post von „Veganfooddeutschland“ wie folgt: „Dank dem Palmöl kommt die gar nicht in Frage“
  • Auch für eine andere Nutzerin kommt der Aufstrich nicht infrage: „Da ich Palmöl boykottiere leider nichts für mich.“
  • Eine Nutzerin führt aus: „Da esse ich doch lieber weiterhin ganz oldschool stinknormale deutsche Margarine mit Sonnenblumen/Raps/...Öl wie ich es schon als Kind tat. Da kaufe ich lieber Milch direkt beim Bauern mit artgerechter Tierhaltung, den ich jederzeit besuchen kann, dessen Kühe ich täglich sehe, als für Monokulturen, Brandrodungen, Artensterben, hohen Co2 Ausstoß, Ausbeutung von Mensch, Tier und Umwelt, massivste Umweltzerstörung, Menschenrechtsverletzungen ... usw in anderen Erdteilen direkt mitbeteiligt und mitverantwortlich zu sein. [...]“

Einige Kommentatoren verweisen darauf, dass für Palmöl Regenwald abgeholzt und den dort lebenden Affen der Lebensraum geraubt wird. Was ist dran an der Kritik? Immerhin gibt Rama an, „RSPO zertifiziertes nachhaltiges Palmöl“ zu nutzen.

Rama verarbeitet zertifiziertes Palmöl und erntet Kritik

Der „Roundtable of Sustainable Palm Oil“ (RSPO) wurde 2011 ins Leben gerufen, um die in die Kritik geratene Palmölproduktion nachhaltiger zu machen, berichtet Utopia. Denn wo Palmölplantagen errichtet wurden, mussten Regenwald, Tiere und auch indigene Völker weichen.

Nicht nur Rama verwendet für seinen Pflanzenaufstrich Palmöl, auch andere Unternehmen verwenden die umstrittene Zutat.

Aus diesem Grund hat die Umweltschutzorganisation WWF gemeinsam mit Bauern, Händlern und Produzenten (die Gewinne durch Palmöl erzielen) den RSPO gegründet. Gemeinsam wurden 2011 Mindeststandards vereinbart und 2018 verschärft. Dazu zählt unter anderem, das Verbot von Brandrodung und das Verbot von Rodungen besonders schützenswerter Gebiete. Außerdem sind Unternehmen dazu angehalten, Menschenrechte zu respektieren, Kinder- und Zwangsarbeit sind untersagt, Einschüchterungsversuche gegenüber Aktivisten und Enteignungen werden nicht toleriert.

Palmölhersteller halten sich wohl nicht immer an Vorgaben – Label ist kritisch zu betrachten

Der „Rettet den Regenwald e.V.“ kritisiert, dass das RSPO-Labe lediglich dazu diene, „Palmöl wieder hoffähig“ zu machen. Denn das Label würde nicht einmal die Rodung von Regenwäldern verbieten – lediglich die Abholzung von Primär- und Wäldern mit besonderem Schutzwert. Außerdem seien die meisten der sozialen Aspekte allgemeine Grund- und Menschenrechte, deren „Einhaltung selbstverständlich sein sollte“.

Auch Utopia sieht Schwachstellen in dem Palmöl-Label, da es immer wieder Hinweise darauf geben würde, dass Unternehmen, die das Label tragen, sich nicht an die Regeln halten würden und weiterhin große Regenwaldflächen roden würden. Generell seien Zertifizierungen für Palmöl eher kritisch zu betrachten – auch wenn es ein Bio-Siegel ist.

Video: Kleinere Packung, identischer Preis – Rama-Sorte „Mogelpackung des Monats“

Wie die Produzenten des Palmöls, welches Rama verwendet, es mit den Vorgaben hält, ist schwer nachzuvollziehen. Ein Sprecher der Upfield-Gruppe, zu der Rama gehört, bekräftigt gegenüber RUHR24 allerdings, dass das verwendete Palmöl nachhaltig und verantwortungsvoll beschafft wurde. „Darüber hinaus sind wir uns der Notwendigkeit bewusst, Wälder und Biodiversität zu schützen sowie die Auswirkungen unserer Lieferkette auf den Klimawandel zu minimieren und die Menschenrechte zu respektieren.“ Außerdem wolle Upfield dazu beitragen, den Wandel im Palmölsektor voranzutreiben.

Menschen, die auf eine bewusste Ernährung setzen, Umwelt und Tiere schonen wollen sowie auf Palmöl verzichten möchten, können weiterhin zur normalen Margarine greifen, denn Palmöl ist nicht immer ein Muss auf dem Brot.

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes fehlte die Stellungnahme von Upfield/Rama im vorletzten Absatz. Diese wurde am 17. März nachträglich hinzugefügt.