Getränk hat es in sich

Radler: Bier bei Öko-Test liefert schockierende Ergebnisse

Radler kann eine herrliche Sommer-Erfrischung sein – aber auch eine ziemliche Kalorienbombe.
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Radler kann eine herrliche Sommer-Erfrischung sein – aber auch eine ziemliche Kalorienbombe.

Achtung bei Radler. Das süße Sommergetränk hat es nämlich in sich – drei Flaschen können eine Mahlzeit ersetzen. Und das ist noch nicht alles.

  • Plopp, zisch, ahhh – das könnte der Sound eines Radlers sein. Besonders im Sommer ist das Biermischgetränk beliebt.
  • Doch Verbraucher sollten beim Griff zur Radler-Flasche aufpassen, denn hier verbergen sich einige Kalorien.
  • Und genau das kritisiert Öko-Test: viel Zucker und wenig Transparenz.

Dortmund/Frankfurt am Main - Es ist wahrscheinlich der Inbegriff des Sommers: Im Park sitzen, die Sonne genießen und ein kühles Radler schlürfen – schöner kann ein lauer Sommerabend doch gar nicht sein. Doch laut Öko-Test ist nicht jede Radler-Sorte zu empfehlen. Neben zu viel Zucker gibt es weitere Mängel.

Magazin

Öko-Test

Verkaufte Auflage

106.876 Exemplare

Verlag 

Öko-Test AG

Chefredakteur

Hans Oppermann

Radler bei Öko-Test: 50 Sorten des Biermischgetränks kamen unter die Lupe

Dabei ist das in Flaschen abgefüllte Radler noch gar nicht alt. Erst seit dem Jahr 1993 darf Radler in Flaschen verkauft werden. Vorher mussten Biermischgetränke laut Biersteuergesetz frisch vom Wirt zubereitet werden. 

50 Radler-Sorten hat sich Öko-Test (Ausgabe 08/2020) geschnappt und untersucht. Darunter befinden sich klassische Biersorten, aber auch vier Bio-Radler haben es in den Einkaufswagen geschafft. Im Test wurden die Radler auf Schwermetalle, Keime und Glyphosat untersucht. Auch Zuckergehalt und Deklaration von Alkoholgehalt wurden getestet. Nicht zu vergessen: der Geschmack!

Radler ist eine Zuckerbombe – dafür gibt es von Öko-Test Punktabzug

Die gute Nachricht vorweg: 18 der 50 getesteten Radler schnitten mit der Note "gut" ab. Der Grund dafür, warum keines der Biermischgetränke besser abgeschnitten hat, liegt am ordentlichen Zuckergehalt. Denn die Mischung aus Bier und Zitronenlimonade liefert so viel Zucker wie die WHO nach ihren strengen Richtlinien einem Erwachsenen für den ganzen Tag zugesteht.

Öko-Test (Bezahlartikel) ist der Meinung, zuckerarm trinken ist die bessere Alternative. Dementsprechend haben die Tester die Radler auch bewertet. Jedes Radler, das mehr als 2,5 Prozent Zucker enthält, hat von Öko-Test automatisch eine Note Abzug erhalten. Radler, die doppelt so viel Zucker enthalten haben dementsprechend doppelten Notenabzug bekommen.

Radler im Test mit 12 Stück Würfelzucker

Besonders das "Pfungstädter Natur Radler, naturtrüb" (Note: ausreichend) schlägt mit ordentlich viel Zucker zu Buche. Satte 7,1 Gramm verbergen sich pro 100 Milliliter. Das sind fast 12 Stück Würfelzucker in einer 0,5 Literflasche des Naturradlers

Zwar sind fünf der getesteten Radler mit Süßstoffen statt Zucker versehen, aber auch das wird von Öko-Test, die jetzt auch Rasierschaum getestet haben, kritisiert. Zwar nehmen Verbraucher so weniger Kalorien mit dem Radler zu sich, allerdings findet trotzdem eine Gewöhnung an den süßen Geschmack statt (mehr Service-Artikel bei RUHR24.de).

Ein Radler besteht aus 50 Prozent Bier und 50 Prozent Zitronenlimonade. 

Radler hat bis zu 225 Kalorien – das ist ungefähr ein halber Muffin

Problematisch an dem Zuckergehalt sind die damit einhergehenden Kalorien, die zu Buche schlagen. Ein halber Liter Radler bringt bis zu satte 225 Kalorien mit sich, wie die Experten von Öko-Test, die auch schon Apfelmus untersucht haben, berichten. Das ist besonders problematisch, wenn das nirgends verzeichnet ist. Rund die Hälfte der Radler haben keine Nährwertangaben aufgedruckt. 

In zwei Fällen fehlt sogar eine Zutatenliste. Das ist tatsächlich erlaubt, da alkoholische Getränke mit 1,2 Volumenprozent oder mehr keine Angaben zu Nährwerten oder Zutaten machen müssen. Allerdings nur noch bis 2022, denn ab dann sollen europaweit alle verpackten Biergetränke mit Zutaten- und Kalorienangaben versehen werden.

Öko-Test untersucht Radler: fünfmal Spuren von Glyphosat gefunden

Ähnlich kritisch wie der viele Zucker ist wohl das gefundenen Glyphosat zu bewerten. Fünfmal hat das Labor Spuren des umstrittenen Pestizids gefunden. Darunter im "Wernesgrüner Radler" (Note: befriedigend) und in dem "Perlenbacher Radler" von Lidl (Note: ausreichend).

Generell gilt das Ackergift laut Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation als wahrscheinlich krebserregend beim Menschen. Aber die festgestellten Spuren im Radler sind laut Öko-Test nicht gesundheitsschädlich.

Die Tester kritisieren den Einsatz von Glyphosat vor allem wegen der negativen Auswirkung auf die biologische Artenvielfalt. Positiv zu verzeichnen ist aber, dass Glyphosat deutlich weniger bei Radler als bei Pils im vergangenen Jahr festgestellt wurde. Und bis 2022 soll Glyphosat dann auch vor dem endgültigen Aus stehen.

Video: Mikroplastik in Mineralwasser nachgewiesen – Teile aus Plastikflaschen landen im Getränk

Viele Radler-Sorten versuchen mit Begriffen wie "Naturradler", "natürlich" oder "naturtrüb" ein grünes Image aufzubauen. Dabei steckt in den Radlern nicht immer wirklich viel Natur, wie die Hersteller versprechen. Öko-Test-Redakteurin Birgit Hinsch meint, dass Verbraucher von einem Naturradler Zutaten natürlicher Herkunft erwarten. "Zusatzstoffe gehören aus unserer Sicht nicht dazu."

Öko-Test kritisiert die Bezeichnung "Naturradler" wenn Zusatzstoffe im Spiel sind. Denn oft kommen Stabilisatoren oder Antioxidations- oder Konservierungsmittel zum Einsatz. Auch die Bezeichnung "naturtrüb" klingt vielversprechend, allerdings beschreibt dieser Begriff lediglich das Aussehen des Radlers.