Schlechterer Schlaf

Schlaf und Psyche während Corona: Wie sich die Pandemie auswirkt

Wir sind voll drin: in der zweiten Corona-Welle und im zweiten Lockdown (light). Das hat auch Auswirkungen auf unsere Psyche. Was helfen kann.

Dortmund – Jetzt ist es wieder so weit: Lockdown. Wenn auch nur ein kleiner Lockdown. Dennoch sind viele Menschen von den neuen Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus betroffen. Sei es nur, weil sie am Wochenende nicht mehr das Lieblingsrestaurant besuchen dürfen, oder weil der Besitzer des besagten Restaurants mindestens für November mit deutlich weniger Einnahmen rechnen muss. Diese Belastungen des Lockdowns und auch durch die Bedrohung eines potenziell tödlichen Virus kann die Psyche des Menschen erheblich belasten und hat somit auch Einfluss auf unseren Schlaf.

KrankheitCovid-19
Häufige SymptomeFieber, trockener Husten, Müdigkeit
Seltene SymptomeGliederschmerzen, Halsschmerzen, Durchfall

Coronavirus-Pandemie ist eine Belastung für die Psyche

Viele Menschen spüren diese neuartige Belastung wahrscheinlich schon seit einigen Monaten oder auch schon seit Beginn der Pandemie. Jeden Tag neue Meldungen zum Coronavirus, teilweise jede Woche neue Vorgaben der Landes- und Bundesregierung. Das zerrt an den Nerven.

Und das ist nicht nur ein Gefühl, Studien belegen, dass die Pandemie und die Bedrohung des Coronavirus Auswirkungen auf unsere Psyche haben. Unsicherheit, Angst und soziale Isolation haben psychische Folgen, das betonen auch Experten aus verschiedenen Ländern bei einem virtuellen Podiumsgespräch Ende September. Es wurde von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina gemeinsam mit der Südafrikanischen Akademie der Wissenschaften ASSAf organisiert.

Coronavirus-Krise: Zahl der Depressionen und Schlafstörungen steigt

Zwar können demnach noch keine Langzeiteffekte der Pandemie ausgemacht werden, doch erste Erhebungen würden zeigen, dass Depressionen, Angststörungen und andere psychische Erkrankungen vor allem im Lockdown zugenommen hätten. Gründe dafür sind vielfältig: Angst vor einer Coronavirus-Infektion, finanzielle Nöte, soziale Isolation. Das hat auch Auswirkungen auf unseren Schlaf.

Die Pandemie mit all ihren Unannehmlichkeiten und Auswirkungen auf unser privates Leben kann uns den Schlaf rauben. Davon sind besonders Menschen mit Corona-relevanten Vorerkrankungen betroffen. Sie machen sich teilweise große Sorgen um eine mögliche Ansteckung mit dem Coronavirus.

Wenn die Corona-Fallzahlen steigen, sinkt die Schlafqualität

„Da gibts ein deutlich höheres Angstniveau. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf den Schlaf“, sagt Direktor der Klinik für Pneumologie der Evangelischen Kliniken Essen-Mitte, Prof. Georg Nilius gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Aber nicht nur die Angst vor einer Ansteckung beeinflusst die Schlafqualität.

Wie eine Studie, veröffentlicht im Fachmagazin Sleep Medicine, zeigt, hatten 13,5 Prozent der Teilnehmer kurz nach dem Shutdown Mitte März von einer deutlich verschlechterten Schlafqualität und 7,2 Prozent von generellen Ängsten berichtet. Bei der Online-Studie haben 16.245 teilgenommen. Interessant: Die Bewertung des Schlafs hing laut Studie mit den Infektionszahlen zusammen. Als diese nachließen, bewerteten die Teilnehmer auch ihren Schlaf besser. Im Umkehrschluss sei es wahrscheinlich, dass nun, wo die Zahlen der Corona-Infektionen wieder steigen, auch die Ängste wieder zunehmen.

Tipps für seelisches Gleichgewicht in der Corona-Krise

Um mit der aktuellen Krisensituation, den steigenden Fallzahlen und neuen Maßnahmen besser umgehen zu können, hat die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN) ein paar Tipps parat. Denn laut DGPPN ist es in einer Krise entscheident, das seelische Gleichgewicht nicht zu verlieren.

  • Informieren – aber richtig: Es kursieren viele Nachrichten und auch Falschmeldungen rund um das Coronavirus in den Medien. Menschen sollten auf vertrauenswürdige Quellen zurückgreifen wie dem Robert Koch-Institut. Wichtig: Auch mal Medien-Pausen einlegen. Ständige neue Nachrichten über die Krise können Stress verursachen.
  • Ein positiver Alltag: Gerade, wenn der Alltag durcheinandergerät und gewohnte Tagesabläufe wegbrechen ist das eine Belastung für die Psyche. Feste Zeiten für grundlegende Routinen wie schlafen gehen oder essen helfen laut DGPPN innere Stabilität zu bewahren. Für das seelische Gleichgewicht sind positive Aktivitäten und Gewohnheiten Balsam: Gesundes Essen, ausreichend Schlaf, Bewegung und Aktivitäten die Spaß machen können helfen.
  • Austauschen: Wir sitzen derzeit alle im selben Boot. Glücklicherweise in einer Zeit, in der man auch mit ausreichend Abstand einander nah sein kann. Wenn persönliche Treffen nicht möglich sind, sollte auf jeden Fall Kontakt gehalten werden zu Freunden und Familie. Sei es per Nachricht, Anruf oder wie wäre es mal mit einem Brief? Ein Austausch über aktuelle Ängste nimmt einem oft die Last von den Schultern und reduziert Stress.
  • Negative Gefühle anerkennen: Gefühle wie Stress und Angst sind normal und sollten anerkannt werden. „Aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht sollte man diese Gefühle anerkennen und sich selbst zugestehen“, schreibt die DGPPN. Gleichzeitig ist es aber sinnvoll, sich auf positives zu konzentrieren. Das können Gedanken, Erlebnisse und Aktivitäten sein, die positive Gefühle auslösen. Dabei kann alltägliches sein wie Kaffee am Morgen oder ein Anruf bei der Familie.
  • Professionelle Hilfe suchen: Wenn es gar nicht mehr geht und die psychische Belastung nicht mehr auszuhalten ist, sollten sich betroffene unbedingt professionelle Hilfe suchen. Hausärzte, Ambulanzen der Kliniken und psychosoziale Beratungsstellen (etwa die Psychologische Coronahilfe der DGP) sind dafür die richtige Anlaufstelle für eine Beratung. Wie die DGPPN berichtet, werden derzeit auch Angebote der Telefon- und Video-Beratung ausgeweitet.

Wer versucht seinen Alltag strukturiert und positiv anzugehen könnte auch in der Nacht Glück haben. Besonders hilfreich ist es, immer zur selben Zeit schlafen zu gehen und aufzustehen. Sollten Schlafprobleme allerdings länger anhalten, kann auch in diesem Fall der Hausarzt konsultiert werden.

Rubriklistenbild: © Friso Gentsch/dpa

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