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Prospekte aus Papier sind wohl bald Geschichte – Aldi hat eigene Pläne

Anders als Rewe reagieren Discounter eher zögerlich, wenn es um die Abschaffung der gedruckten Papierprospekte geht. Aldi geht seinen eigenen Weg.

NRW – Mit seinem mutigen und zugleich riskantem Vorstoß, ab Mitte 2023 keine Werbeprospekte mehr in Papierform zu verteilen, hat Rewe ein echtes Beben in der Lebensmittelbranche ausgelöst. Andere Supermärkte und Discountern wie Edeka, Aldi und Lidl halten vorerst an den beliebten Handzetteln fest – wenngleich sowohl Aldi Nord als auch Aldi Süd auf mehrere Pferde setzen.

AldiUnternehmensgruppe aus den beiden Discount-Einzelhandelsketten Aldi Nord und Aldi Süd
Hauptsitz Essen
Gründung 1961

Jährlich landen rund 28 Millionen Werbeprospekte in Papierform in deutschen Briefkästen

Der Abschied von klassischen Werbeprospekten und Katalogen in Papierform scheint sich wohl branchenübergreifend früher oder später durchzusetzen. Nachdem bereits der Möbel-Gigant Ikea sowie die Otto-Tochter Manufactum die Produktion ihrer Kataloge eingestellt haben, läutete auch Rewe das Ende seines Papier-Werbeprospekts ein.

Die Zahl der laut DPA jährlich rund 28 Milliarden verteilten Papier-Prospekte wird sich in den kommenden Jahren daher wohl deutlich reduzieren. Nicht zuletzt, weil mittlerweile so gut wie jedes Handelsunternehmen, wie beispielsweise Penny, auch digitale Prospekte anbietet und damit andere Zielgruppen erreicht.

Aldi Süd hält am beliebten Handzettel fest, setzt allerdings auch auf Digitalisierung

Auf RUHR24-Nachfrage gab Aldi-Süd entsprechend an, sich bereits jetzt „verstärkt im Bereich des digitalen Handzettels, sei es auf der Webseite, in der Kunden-App oder auf den bekannten Prospektportalen“ zu engagieren. Das bedeute allerdings nicht das Ende des nach wie vor beliebten Handzettels, der zum allwöchentlichen und gemeinschaftlichen Stöbern nach Angeboten und Rabatten einlädt.

Schließlich erwarteten laut Aldi-Süd „gerade in der aktuellen Zeit gezielt die Prospekt-Zustellung, um sich zu informieren, wo sie die günstigsten Lebensmittel in bester Qualität kaufen können“. Eine zeitnahe Abkehr vom klassischen Werbeprospekt ist also nicht in Sicht.

Aldi Nord will Kundschaft „langfristig an die digitale Nutzung“ heranführen

In dieselbe Kerbe schlägt auch Aldi Nord. Auf Nachfrage stellte der Discounter-Riese klar, dass man seine Kundinnen und Kunden ebenfalls verstärkt über digitalisierten Handzetteln auf der Homepage, der Aldi-App sowie den bekannten Prospektportalen ansprechen wolle. Dadurch plane man seine Kundschaft „langfristig an die digitale Nutzung heranzuführen“.

Außerdem würden „immer mehr Handzettel, z. B. für Aktions- und saisonale Waren sowie für Bio-Produkte, für die ausschließliche digitale Verwendung konzipiert und nicht in die Filialen oder Haushalte gebracht“, versicherte Aldi Nord. Dadurch, „dass immer mehr Kundinnen und Kunden die digitalen Angebote nutzen“, könne man auch neue Zielgruppen erschließen, ist sich der Konzern sicher.

Aldi Süd und Aldi Nord halten weiter an gedruckten Prospekten fest – fördern jedoch gleichzeitig auch die Digitalisierung ihrer Werbung.

Aldi-Schwesterkonzerne bleiben Papier-Prospekt treu und betonen Nachhaltigkeitsgedanken

Die Gefahr, dass Aldi Nord bald schon keine klassischen Prospekte aus Papier verteilen könnte, bestehe aber nicht. Der beliebte Handzettel wird auch weiterhin in den Briefkästen landen, auf denen sich kein Werbeverweigerungs-Schild befindet.

Allerdings plane Aldi Nord eine langfristige „Reduzierung gedruckter Auflagen“. Auf diesem Weg wolle man wie der Schwesterkonzern aus dem Süden auch weiterhin auf Nachhaltigkeit setzen und die Kundenmagazine wie bisher „ausschließlich auf FSC-zertifiziertem Papier“ drucken lassen.

Wie die Natur- und Umweltschutzorganisation WWF erklärt, handelt es sich beim „Forest Stewardship Council“ (FSC) um ein „internationales Zertifizierungssystem für Waldwirtschaft“. Die damit gekennzeichneten Holz- und Papierprodukte stammen aus Wäldern, „die nach besonderen ökologischen und sozialen Kriterien bewirtschaftet werden“.

Rubriklistenbild: © Gottfried Czepluch, CHROMORANGE/Imago; Collage: Sabrina Wagner/RUHR24

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