Handel vs. Hersteller

Preisanstieg bei Aldi und Rewe: Eigenmarken werden jetzt richtig teuer

Dass die Preise für Lebensmittel steigen, ist in den aktuellen Krisenzeiten nichts Neues. Die sonst so günstigen Eigenmarken sprengen aber den Rahmen.

NRW – Beim Gang durch die Regale von Supermärkten und Discountern wie Aldi, Edeka und Rewe werden wohl den meisten Verbrauchern die gestiegenen Preise für Lebensmittel aufgefallen sein. Dass Markenartikel generell teurer sind als Eigenmarken, war in den letzten Jahren ein scheinbar unumstößliches Marktgesetz. Doch die Verhältnisse kippen – Händler und Hersteller geben sich gegenseitig die Schuld daran.

Rewezweitgrößter Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland
Gründung 1927
SitzKöln

Preise von Eigenmarken bei Aldi, Rewe und Edeka steigen schneller als bei Markenprodukten

Die aktuellen Krisenzeiten, die von Inflation und explodierenden Energiepreisen geprägt sind, bringen auch den Lebensmitteleinzelhandel durcheinander. Wie die Lebensmittel Zeitung (LZ) berichtet, verteuern sich private Labels mittlerweile schneller als Markenprodukte.

Diese Beobachtung haben Experten der LZ gemacht, als sie die eingescannten Kassenbons der Preis-App Smhaggle ausgewertet haben. Mittels dieser App sollen Kunden „die besten Preise“ finden und „nie wieder zu viel“ bezahlen, so die Macher. Gelingen soll dies, indem Kunden in der App einen Einkaufszettel erstellen und sich die günstigsten Preise in der Nähe anzeigen lassen.

Verteuerung von „Gut & Günstig“- und „Ja“-Produkten fällt extrem aus

Bei der Analyse der Preise für Marken- und Eigenprodukte werden die LZ-Mitarbeiter das ein oder andere Mal wohl ungläubig den Kopf geschüttelt haben. Schließlich hätten „Edeka und Rewe von Januar bis August die Preise ihrer Eigenmarkenprodukte im Preiseinstiegssegment „Gut & Günstig“ respektive „Ja“ um knapp 100 Prozent stärker verteuert, als das bei den ebenfalls im Preis gestiegenen Markenprodukten der Fall war“.

Während bei Edeka die Preise für Markenprodukte zwischen Januar und August dieses Jahres um 12,8 Prozent stiegen, müssen Kunden bei „Gut & Günstig“-Ware nun 24,1 Prozent mehr bezahlen. Die Preise für Markenprodukte bei Rewe stiegen im selben Zeitraum um 11,8 Prozent, „ja“-Produkte hingegen um 23,8 Prozent. Auch bei Aldi Süd zogen die Eigenmarkenpreise gegenüber denen der Markenprodukte im ähnlichen Rahmen an, berichtet die LZ.

Händler und Hersteller geben sich gegenseitig die Schuld an Preiserhöhungen

Bei den etwas teureren Mehrwerteigenmarken „Rewe Beste Wahl“ (18,7 Prozent) und „Edeka“ (18,9 Prozent), inklusive der Bio-Eigenmarken, stiegen die Preise laut der LZ um 50 Prozent mehr als die Preise der Markenprodukte. Schaut man sich das Gesamtsortiment von Rewe und Edeka an, so wird deutlich, dass beide bei rund 50 Prozent ihrer Produkte den Preis angezogen haben.

Wie die LZ berichtet, toben in der Lebensmittelbranche „seit Monaten heftige Preisverhandlungen“. Schließlich werde der Handel „der Industrie vor, sie erhöhe die Preise über Gebühr – und betreibe Preistreiberei zum Wohle der eigenen Renditen“. Demgegenüber erklärten die Hersteller, dass die Preise der Handel mache.

Eigenmarken wie „ja“ von Rewe sind im letzten halben Jahr deutlich teurer geworden.

Hoher Gewinn durch Eigenmarken lässt Preise explodieren – Werbeoffensive der Händler

Sven Reuther, Gründer und CEO der Smhaggle-Betreibergesellschaft My-Valueshopping, hat für die unterschiedlichen Preiserhöhungen, die teilweise sogar heimlich geschehen, gegenüber der LZ eine Erklärung parat: „Die Preise der wesentlich margenträchtigeren Eigenmarkenprodukte wurden offensichtlich bei allen untersuchten Händlern zum Ziel der Renditesteigerung überproportional erhöht.“

Angesichts dieser Strategie verwundert es nicht, dass große Handelsketten wie Aldi, Rewe und Edeka jüngst besonders viel Werbung für Eigenmarken geschaltet haben. Wie die LZ beobachtet hat, tauchen schließlich immer häufiger und immer mehr Eigenmarken „auf den Front- und Innenseiten der Handzettel auf“.

Bei der in Krisenzeiten sparwilligen Kundschaft hätten Eigenmarken laut der LZ nach wie vor einen guten Ruf. Denn obwohl hier die Preise am drastischsten erhöht wurden, brächten Produkte von „ja“ oder „Gut & Günstig“ immer noch einen „beachtlichen Preisvorteil“ gegenüber Markenware mit sich.

Rubriklistenbild: © MiS/Imago; Manfred Segerer/Imago; Collage: Sabrina Wagner/RUHR24

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