Umstrittene Regel

Plastikverbot seit Juli: Alternativen aus Papier und Bambus – Nabu warnt vor Blenderei

Verpackungsmaterial aus Plastik ist seit Juli 2021 teilweise verboten. Doch welche Alternativen gibt es? Und sind sie wirklich umweltfreundlicher?

Dortmund – Seit dem 3. Juli sind viele Einwegprodukte aus Plastik verboten. Doch es gibt Alternativen aus scheinbar nachhaltigeren Materialien. Aber sind sie wirklich besser? Der Naturschutzbund warnt.

VereinNaturschutzbund Deutschland (Nabu)
SitzBerlin
GründerinLina Hähnle

Verbot von Einweg-Plastik im Juli 2021: Was genau ist nicht mehr erlaubt?

Betroffen von dem EU-Verbot sind Essensbehälter und Getränkebecher aus styroporähnlichen Materialien, wie sie häufig beim Take-Away-Service verwendet werden. Außerdem verboten sind:

  • Luftballonstäbe
  • Strohhalme und Trinkhalme
  • Einweggeschirr aus Plastik
  • Einweggbesteck
  • Wattestäbchen
  • Rührstäbchen

Diese Produkte aus Plastik dürfen EU-weit nicht mehr in Umlauf gebracht werden. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet, dürfe aber noch abverkauft werden, was sich in Lagern und Betrieben befindet. Das Plastikverbot ist übrigens nicht die einzige Änderung im Juli 2021.

Hintergrund ist – verkürzt erklärt – weniger Müll zu produzieren und die Umwelt zu schützen. Laut der EU-Kommission gehören die verbotenen Produkte zu den am häufigsten gefunden Gegenständen aus Plastik an europäischen Stränden. Das Plastik zerbröselt langfristig im Wasser zu winzigen Teilchen. Fische und Vögel fressen dieses Mikroplastik und sterben daran. Auch Menschen nehmen beim Verzehr von Fisch kleine Plastikteilchen auf.

Plastikverbot seit dem 1. Juli: Viele Produkte bleiben erlaubt

Vieles bleibt aber auch erlaubt: Etwa klassische weiße Plastikbecher oder mit Kunststoff beschichtete Becher. Auch Einwegbehältnisse, die nicht aus Styropor sind, bleiben erlaubt. Sie kennt man beispielsweise von transparenten Sushiboxen. Das Argument hier: Für diese Produkte gibt es laut Bundesregierung keine ökologisch sinnvolleren Alternativen.

Die Einwegprodukte müssen aber zukünftig ein spezielles Label tragen, das vor Umweltschäden durch Plastik warnt und Verbraucher über die richtige Entsorgung informiert.

Verbraucherschützer sehen jedoch auch die Alternativen zu Plastik aus Papier, Bambus oder anderen Materialien kritisch. Sie hätten teilweise eine ähnlich schlechte Umweltbilanz wie Plastikprodukte. Und auch der Naturschutzbund (Nabu) warnt.

Wegen Plastikverbot: Nabu warnt vor Alternativen aus Papier und Co.

„Verbraucher dürfen sich nicht von Greenwashing blenden lassen“, sagt Katharina Istel vom Nabu gegenüber dem RND. Beispielsweise Plastik-Alternativen aus Bio-Kunststoffen seien zwar nicht aus Erdöl herstellt, dafür aber schlecht kompostierbar.

Papier wiederum erhöht den Druck den auf Abholzung der Wälder und Aluminium, welches ebenfalls zugelassen bleibt, verbraucht viel Energie und wertvollen Rohstoff.

Es gibt aber auch noch Alternativen aus Palmenblättern oder Zuckerrohr, auch Bagasse genannt. Letzteres wäre ohne Verwendung als Einwegteller ohnehin schon ein Abfallprodukt – es müssen dafür nicht extra Bäume gefällt werden. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) warnt hier allerdings auch vor gesundheitsgefährdenden Stoffen.

Alternative nach dem Plastikverbot: Was wirklich nachhaltig ist

Seit einigen Jahren wird auch wiederverwendbares Geschirr aus Bambus angeboten. Die Stiftung Warentest hat 2019 allerdings herausgefunden, dass nicht alle dieser Produkte ausschließlich aus Bambus bestehen. Einige enthalten auch Kunststoff, also Plastik. Verbraucher würden laut Stiftung Warentest durch ein falsches Öko-Versprechen getäuscht.

Außerdem sei Bambusgeschirr nicht für heiße Speisen geeignet, weil sie schädliche Stoffe enthalten, die sich lösen können (mehr Testberichte bei RUHR24).

Gibt es überhaupt eine Alternative nach dem Plastikverbot, die wirklich umweltfreundlich ist? Istel empfiehlt, am besten grundsätzlich auf Einwegartikel zu verzichten und ausschließlich Mehrwegbehälter oder -geschirr zu benutzen. Für Unterwegs sind beispielsweise Glasbehälter oder Edelstahl geeignet.

Plastikverbot ab dem 3. Juli: Einweggeschirr könnte ganz verschwinden

„Edelstahl muss allerdings sehr oft benutzt werden, damit es eine ökologischere Alternative ist, denn der Rohstoff verbraucht sehr viel Energie bei der Herstellung.“ Eine Alternative: Der Kunststoff Polypropylen braucht weniger Energie, ist leicht, kommt ohne Weichmacher aus und ist auch bei heißen Lebensmitteln stabil, berichtet die Verbraucherzentrale NRW.

Verbrauchern steht es offen, für welche Alternative zum Einwegplastik sie sich entscheiden. Bei der Gastronomie sieht das anders aus. Denn bis spätestens 2023 sind Restaurants, Caterer und mehr EU-weit verpflichtet, Mehrwegverpackungen als Alternative zu Einwegbehältern anzubieten. Bis dahin braucht es bei Verpackungen wohl weitere Konzepte.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa