Schlimm für Städte und Kommunen

Pizzakarton-Chaos wegen Corona-Pandemie: eine überraschende Lösung soll her

Pizzakartons im Park werden zu einer echten Belastung für Städte. Jetzt wird ein Pfand gefordert.
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Pizzakartons im Park werden zu einer echten Belastung für Städte. Jetzt wird ein Pfand gefordert.

Einige Städte werden derzeit von einer Flut von Pizzakartons überschwemmt. Experten arbeiten bereits an einer Lösung. Es gibt eine Möglichkeit.

NRW - Seitdem der große Corona-Lockdown vorbei ist, werden öffentliche Parks und Grünanlagen besonders intensiv benutzt. Das hat leider auch einen Haufen Müll zur Folge. Eine große Last stellen Pizzakartons dar.

Parks sind voll mit Pizzakartons: Mülleimer quellen über

Denn viele nutzen die Parks nicht nur zum Spazieren oder um sich zu treffen, meist wird daraus auch ein Picknick. Gerade jetzt, wo Restaurants wegen der Pandemie noch immer nicht alle Sitz-Kapazitäten ausschöpfen dürfen, ist der Snack an der frischen Luft praktisch.

Beliebt ist dabei offenbar die Pizza, die meist im sperrigen Karton daherkommt. Dieser ist zwar meist aus recyclebarem Papier, wird aktuell aber zum echten Problem. Die Mülleimer in den Parks quellen gerade zu damit über. Viele Städte klagen über Verpackungen, die sich neben den Mülleimern stapeln. Ein ähnliches Problem stellt Müll von Grillzubehör im Park dar.

Flut von Pizzakartons in Parks ist zum Symbolbild für die Coronavirus-Pandemie geworden

Wie T-Online berichtet, schlagen die Kommunen wegen der Pizzakartons Alarm. Denn die Entsorgung von Verpackungsmüll aus den Abfalleimern und der umliegenden Natur kosten jährlich Millionenbeiträge. Die Pizzakarton-Flut sei "zu einem Symbol für den Anstieg beim Müllaufkommen in der Corona-Zeit geworden", teilt etwa die Stadt Nürnberg mit. Jetzt steht die Idee der Pfandlösung für Kartons im Raum.

Einer bundesweiten Studie zufolge machten Verpackungs- und Plastikmüll zuletzt fast die Hälfte des gesamten Straßenkehrichts aus – wohl auch wegen der vielen To-Go-Verpackungen. Weil ihre Zersetzung oft Jahrzehnte dauert, gelten Einwegprodukte und kunststoffhaltige Verpackungen als besonders umweltschädlich.

Umweltministerin fordert Lösung für Belastung durch Pizzakartons

Vor diesem Hintergrund könnten Inverkehrbringer solcher Verpackungen für Pizza oder auch Kaffee zukünftig zur Kasse gebeten werden, wie Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) kürzlich betont hat. Zustimmung erhält sie bereits vom deutschen Städte- und Gemeindebund.

Die Kostenumverteilung reicht Schulze zufolge allerdings nicht aus, um die Belastung für die Umwelt durch Kartons und andere Verpackungen zu reduzieren. Ebenso sei es nicht zielführend, Plastik durch Pappe zur ersetzen. "Die Alternative muss Mehrweg sein", so die Ministerin.

Kommt bald Pfand für Pizzakartons? Kommunen erhoffen sich weniger Müll

Eine Pfandlösung für Pizzakartons oder Kaffeebecher würde die Reinigung öffentlicher Plätze stark entlasten, heißt es von der Stadt Nürnberg. Sie fordert eine einheitliche Regelung für alle Städte und Kommunen. Hierfür müsste etwa das Verpackungsgesetz verändert und die Pfandpflicht ausgeweitet werden.

Auch die Pizza-Branche ist interessiert an ökologischen Fortschritten bei der Verpackung für die flachen Speisen. Eine Firma für Serviettenherstellung habe beispielsweise kürzlich einen biologisch abbaubaren Pizzakarton entwickelt. Noch sind derartige Verpackungsmaterialien aber für viele Gastronomen zu teuer (mehr aktuelle Nachrichten auf RUHR24.de).

Pfandlösung für Pizzakartons: Umweltministerium kann keine Vorgabe erlassen

Bei einer möglichen Einführung von Pfand auf Pizzakartons bestehen außerdem Bedenken wegen der Hygienestandards. Bei Pappe sind Essensrückstände nämlich nichts Ungewöhnliches. Eine Pfandregelung sei demnach möglicherweise sogar schlecht für's Geschäft.

Video: Pizza wie im Lieblingsrestaurant?

Aus Sicht des Bundesumweltministeriums ist eine Pfandpflicht für Pizzakartons auch nicht sinnvoll. Besonders in Zeiten des Coronavirus gebe es durch die oft starken Verschmutzungen der Behälter hygienische Einwände.

Verbindliche Vorgaben für eine entsprechende Herstellung könne das Bundesumweltministerium nicht erlassen. Nationale Gestaltungsanforderungen dieser Art würden den europäischen Binnenmarkt einschränken und seien europarechtlich nicht zulässig. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis eine Lösung im Gange ist.

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