BfR warnt

Pflanzen im Zimmer: Nach übler Entdeckung – Gesundheitsgefahr bei Blumen droht

Bunte Schnittblumen
+
Schnittblumen können mit Pestiziden verunreinigt sein.

Pflanzen und frische Schnittblumen werden vor Schädlingen geschützt. Aber was machen die eingesetzten Mittel mit der Gesundheit? Das BfR warnt.

Dortmund - Wer selbst Pflanzen zu Hause hat, hatte vielleicht auch schon Probleme mit Schädlingen. Vor dem Verkauf werden Schnittblumen und Zimmerpflanzen vor ihnen geschützt. Und nicht immer sind die Methoden unbedenklich. Wie schädlich sind die Pestizide wirklich für die Gesundheit?

NameBundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
AufsichtsbehördeBundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
GründungNovember 2002

Pestizide auf Pflanzen und Schnittblumen: Eine Gefahr für die Gesundheit?

Das hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer aktuellen Untersuchung zusammengefasst. Als Grundlage haben Recherchen und bereits gesammelte Daten und Studien anderer Institutionen gedient.

Das BfR ist laut eigenen Angaben konkret der Frage nachgegangen, inwiefern „mögliche gesundheitliche Risiken durch Pflanzenschutzmittelrückstände auf Schnittblumen aus europäischer Produktion sowie anderer Exportländer“ bestehen. Und zwar sowohl für Kunden als auch für Floristen.

Immer wieder werden Rückstände von Pflanzenschutzmitteln beziehungsweise Pestizide nachgewiesen. Wie das BfR erklärt, ist das zunächst nichts Ungewöhnliches. Denn viele dieser Mittel sind in Deutschland, Europa und gängigen Exportländern für Pflanzen und Schnittblumen zugelassen. „Ihr Einsatz zählt zur gärtnerischen Anbaupraxis“, schreibt das BfR.

Pflanzen und Schnittblumen: Höchstmenge von Pestiziden nicht festlegt

Problematisch ist jedoch, dass es in der Europäischen Union (EU) keine rechtlichen Regelungen bezüglich der Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gibt. Die Höchstmenge von Rückständen ist also nicht gesetzlich festgelegt. Allerdings sieht die Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 vor, dass in Zulassungsverfahren die wahrscheinliche Anwender-Exposition gegenüber dem Pflanzenschutzmittel zu bewerten ist.

Was bedeutet das genau? Exposition beschreibt in diesem Fall, in welcher Menge ein Kunde oder Florist Pestiziden ausgesetzt ist. Bei einer Expositionsschätzung werden unter anderem die Dauer und das Ausmaß eines möglichen Kontaktes zu behandelten Pflanzen berücksichtigt. So lässt sich ermitteln, inwiefern die Pflanzenschutzmittel sich etwa auf die Haut übertragen können. Bei Bienenwachstüchern warnt das BfR derzeit ebenfalls vor Pestiziden.

Video: Grüne Oase: 5 Zimmerpflanzen, die bei Stress Abhilfe schaffen

Deshalb sind Pestizide auf Pflanzen, Schnittblumen und Lebensmitteln gefährlich

Aber warum sind Pestizide überhaupt ein Problem? Grundsätzlich ist „Pestizid“ ein Übergriff für viele Stoffe. Wie der Bund berichtet, ist die Liste von möglichen Gefahren breit gefächert: chronische Hauterkrankungen, Fruchtbarkeits- und Erbgutschäden sowie Krebs können durch Pestizide ausgelöst oder begünstigt werden. Nicht nur gesundheitlich sind die Stoffe umstritten. Pestizide gelten auch als gefährliche Umweltgifte.

Der Bund hat 2012 eine Stichprobe zu Pestizidrückständen in Schnittblumen, in diesem Beispiel Rosen, gemacht. Das Ergebnis damals: die Blumen aus acht von zehn Berliner Geschäften enthielten bedenkliche Pestizide. Darunter alleine elf verschiedene, die teils stark krebserregend und hormonell wirksam seien.

Bund hat 2012 bereits Rosen auf Pestizide untersucht.

Auch Greenpeace hat in einer Studie 2014 ermittelt, dass Pflanzen aus Supermärkten, Gartencentern und Baumärkten zu mehr als 97 Prozent Rückstände von Pestiziden aufweisen. Zu 14 Prozent wurden sogar Pestizide eingesetzt, die gar nicht in der EU zugelassen sind. Kommt das BfR Jahre später zu einem ähnlichen Ergebnis?

Floristen und Kunden eher nicht durch Pflanzen und Schnittblumen gefährdet

Nein. Das BfR geht in seinem Recherche-Vergleich von einem realistischen aber schlimmstmöglichen Fall („realistic worst case“) der Exposition aus. Bei Pflanzen und Schnittblumen könnte das ein Florist sein, der während einer achtstündigen Schicht im Gewächshaus Blumen berührt und Pestizide einatmet. Kunden sind dieser möglichen Gefahr weniger ausgesetzt, auch wenn sie Pflanzenfans sind. Ihre Exposition ist also geringer.

Das BfR kommt zu dem Ergebnis, dass die Pestizide und Pflanzenschutzmittelrückstände auf Zierpflanzen kein Grund zu Sorge sind. Das gelte auch für Stoffe, die mittlerweile nicht mehr in der EU zugelassen sind. Allerdings geht das Institut für Risikobewertung in seiner Schlussfolgerung auch davon aus, dass Floristen und Kunden im näheren Umgang mit Pflanzen Handschuhe tragen und sich regelmäßig die Hände waschen (mehr Warnungen und Rückrufe bei RUHR24).

Schnittblumen können aber gerade für Asthmatiker und Allergiker zum großen Problem werden, wie 24vita.de* berichtet.

Pflanzen und Schnittblumen ohne Pestizide kaufen - geht das?

Wer sich bewusst für nachhaltige Pflanzen und Schnittblumen ohne Pestizide entscheidet, hat laut dem Nachhaltigkeitsmagazin Cradle Mag in Deutschland noch keine große Auswahl. Für Bio-Pflanzen können verschiedene bekannte Label bei der Orientierung helfen, wie etwa:

  • Bioland,
  • Demeter,
  • Naturland,
  • das EU-Biosiegel.

Aber Vorsicht im Label-Dschungel: viele sind frei von Herstellern erfunden. Bei Schnittblumen ist die Auswahl noch begrenzter. Hier kommt aber häufig das Fairtrade-Siegel zum Einsatz. Dieses soll garantieren, dass strenge soziale und ökologische Standards eingehalten werden. *24vita.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Mehr zum Thema