Wird es einfacher?

Pfand: Neue Regel ab 2022 soll es Kunden deutlich einfacher machen

Verbraucher müssen sich ab 2022 auf Änderungen beim Flaschenpfand einstellen. Wird das System endlich einfacher?

Dortmund – In Deutschland besteht seit 2003 die Pfandpflicht. Bisher allerdings mit einigen Ausnahmen: Fruchtsäfte und Milchgetränke wie etwa Eiskaffees sind pfandfrei. Ab Januar 2022 gibt es bei der Pflicht allerdings einige Änderungen.

GesetzVerpackungsgesetz
GeltungsbereichBundesrepublik Deutschland
Inkrafttreten am1. Januar 2019

Pfand ab 2022 mit neuen Regeln: Das ändert sich konkret

Das wichtigste vorweg: Zukünftig sollen fast alle Getränke aus Einwegflaschen der Pfandpflicht unterliegen. Bisher hat der Inhalt der Flaschen darüber entschieden, wann Pfand gezahlt werden muss. Ab Januar 2022 bezieht die Pfandpflicht sich vor allem auf das Material der Verpackung, wie schon im Frühjahr 2021 beschlossen wurde.

So sieht die Regelung bisher aus:

  • Bei Einwegflaschen und Dosen liegt das Pfand bei 25 Cent.
  • Mehrwegflaschen aus Glas und Plastik haben ein Pfand von 15 Cent.
  • Für Bierflaschen gibt es in den meisten Fällen nur acht Cent. Anders ist es etwa bei Bierflaschen mit Bügelverschluss, auch hier liegt das Pfand bei 15 Cent.

Das System ist für Verbraucher allerdings teilweise verwirrend. So musste für Fruchtsäfte bisher beispielsweise kein Pfand gezahlt werden. Auch bei Eiskaffee kann es zu Verwechslungen kommen: Während die Verpackung mit Kuhmilch meistens recycelt werden kann, bekommt man bei Einwegflaschen mit Hafermilch-Cappuccino Pfand zurück.

Pfand: Pflicht wird ab 2022 ausgeweitet – doch es gibt Ausnahmen

Diese verwirrenden Details sollen ab 2022 wegfallen. Ab dann soll es keine Ausnahmen bei der Pfandpflicht mehr geben, wie es von der Bundesregierung beschlossen wurde. „Ab dem 1. Januar 2022 sollen Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff (bis zu drei Litern) grundsätzlich pfandpflichtig sein. Getränkedosen werden ebenfalls ausnahmslos pfandpflichtig“, heißt es dazu. Auch Wein und Spirituosen unterliegen demnach zukünftig der Pfandpflicht.

Pfandpflicht wurde zuletzt 2006 angepasst

Obwohl die Pfandpflicht 2021 volljährig wird und seit 18 Jahren besteht, gab es in den vergangenen Jahren kaum Änderungen. 2006 wurden die Regelungen zuletzt verändert. Ab dann mussten Einzelhändler alle Verpackungen, die sie im Sortiment haben, auch wieder zurücknehmen. Und zwar auch, wenn das Produkt nicht im eigenen Geschäft gekauft wurde.

Aber keine Regel ohne Ausnahme. Für Verpackungen mit Milchgetränken gibt es zunächst eine Sonderregelung. Hier soll die Pfandpflicht erst zum 1. Januar 2024 ausgeweitet werden, geregelt wird dies im Verpackungsgesetz, § 31.

Bei der Pfandsumme gibt es vorerst übrigens keine Neuerung. Die Preise bleiben zwischen 8 und 25 Cent gestaffelt. Aber wie wird bei den Flaschen überhaupt unterschieden?

Verbraucher müssen sich ab 2022 auf Änderungen beim Flaschenpfand einstellen. 

Pfand in Deutschland: So funktioniert das System

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Einweg- und Mehrweg-Varianten. Mehrwegflaschen werden nach der Benutzung gereinigt und wieder befüllt. Eine einzelne Mehrwegflasche kann so etwa 50 Mal verwendet werden, bevor sie schließlich auch recycelt wird. Einwegflaschen, beispielsweise aus PET, werden hingegen direkt recycelt (mehr Supermärkte-News bei RUHR24 lesen).

Welche Variante umweltfreundlicher ist, hängt von vielen Faktoren ab. So werden bei der Herstellung von Glas zwar viele Ressourcen benötigt. „Aber bei Mehrweg spielt das keine große Rolle, weil die Flasche viele Male verwendet wird“, so Gerhard Kotschik vom Umweltbundesamt gegenüber dem Portal My Homebook. Sogar Tetrapak kann nachhaltiger sein als Glas-Verpackungen. Grund hierfür können kürzere Transportwege sein.

Grundsätzlich rät Kotschik deshalb: „Wenn man sich umweltbewusst verhalten möchte, sollte man Mehrwegflaschen aus der Region verwenden.“ Ob ein Produkt aus der Region kommt, erkennt man an der Brauerei beziehungsweise dem Abfüller oder am Etikett.

Rubriklistenbild: © Lino Mirgeler/dpa; Collage: RUHR24

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