Neues Gesetz in Deutschland

Fingerabdruck auf Personalausweis: Warum Experten jetzt warnen

EIn Personalausweis und ein Fingerabdruck
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Ab sofort muss der Personalausweis in Deutschland verpflichtend zwei Fingerabdrücke enthalten.

Der Fingerabdruck wird jetzt auf neuen Personalausweisen gespeichert. Ob dies vor Betrug schützt, ist allerdings fraglich.

NRW – Ist das Portemonnaie geklaut, muss meist auch der Personalausweis ersetzt werden. Wer eine neue ID-Karte beantragen will, der muss dafür ab sofort Fingerabdrücke abgeben. Dies soll es den Kriminellen schwieriger machen, den Perso zu fälschen. Allerdings könnte nun genau das Gegenteil passieren.

ParlamentDeutscher Bundestag
ÄnderungFingerabdrücke im Personalausweis
Gültig seit2. August 2021

Fingerabdruck für Personalausweis jetzt Pflicht: Experten warnen vor Missbrauch und Betrug von Daten

Die Bundesregierung hatte diese Regel bereits im November 2020 beschlossen, seit Montag (2. August) gilt der Beschluss: Wer einen neuen Personalausweis benötigt, ist ab sofort dazu verpflichtet, die Abdrücke zweier Finger digital scannen zu lassen, üblicherweise die der beiden Zeigefinger. Zuvor war dies freiwillig.

Doch schon kurz nachdem das Gesetz aktiv ist, gibt es zahlreiche Gegenstimmen. Einige Experten befürchten sogar, dass dies ein gefundenes Fressen für Kriminelle sei. Normalerweise bedienen sich Betrüger mit perfiden Maschen, wie mit einem Virus auf Android-Smartphones, an den Daten der Nutzer. Doch nun könne dies auch „offline“ mithilfe des Personalausweises funktionieren.

Daher will laut Informationen von Deutschlandfunk Kultur die Dateschutzinitiative digitalcourage jetzt klagen. Denn „Fingerabdrücke seien reproduzierbar“, heißt es. Kriminelle könnten also die Abdrücke kopieren und für ihre Zwecke nutzen. So könne dadurch beispielsweise ein Handy gehackt werden, warnt Friedemann Ebelt von digitalcourage.

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Ist das Smartphone dann mithilfe des Fingerabdrucks entsperrt, kann das fatale Folgen haben. So können sich kriminelle beispielsweise Zugang zu Bankdaten verschaffen und dadurch das Konto plündern.

Auch zu Accounts in den sozialen Medien und auf Plattformen, wie Online-Shops können die Betrüger dann einfacher gelangen. Daher ist es nun umso wichtiger, sein Mobiltelefon richtig zu schützen.

Fingerabdrücke auf dem Perso: Gefahr bei biometrischen Daten für Bürger

Auch einige Politiker halten den Schritt, Fingerabdrücke im Personalausweis zur Pflicht zu machen, für kritisch. Der Fraktionsvorsitzende Konstantin von Notz (Bündnis 90/ Die Grünen) sieht in dem Beschluss große Gefahren für die Bürger. Schließlich kann man solche Daten nicht wie geknackte Passwörter einfach ersetzen.

„Gelangen die Daten missbräuchlich in falsche Hände, ergeben sich hieraus für die Betroffenen dauerhafte Risiken, da biometrische Daten praktisch unveränderlich sind“, warnt Konstantin von Notz gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Auch aufgrund von Identitätsdiebstählen sei dies „höchst bedenklich“. Dabei sollen die gespeicherten Fingerabdrücke eigentlich vor solchen Straftaten schützen. Denn die sind selbst bei eineiigen Zwillingen nicht identisch.

Ab sofort muss der Personalausweis in Deutschland verpflichtend zwei Fingerabdrücke enthalten.

Neben Fingerabdrücken gehört auch das Gesicht zu den bekanntesten biometrischen Daten und ist daher ebenfalls im Chip auf dem Personalausweis gespeichert, erklärt die Bundesregierung. Ein entsprechendes biometrisches Foto muss künftig digital vom Fotogeschäft oder einer Behörde übermittelt werden.

Personalausweis mit Fingerabdruck: Bundesregierung gibt Entwarnung vor Betrügern

Bedenken zur Sicherheit der eigenen Daten seien nicht notwendig. „Da der Chip aus der Nähe, mit maximal 10 Zentimetern Abstand, ausgelesen werden muss, ist es nicht möglich, die Daten im Chip ohne Ihr Wissen auszulesen“, heißt es offiziell vonseiten der Bundesregierung.

Dafür sei „ein spezielles Lesegerät notwendig“. Dieses gebe es „nur bestimmten staatlichen Stellen“. Dazu gehören Behörden, wie die Polizei, der Zoll und die Bürgerämter, die den Ausweis ausstellen. Woanders sei das Gerät nicht verfügbar.

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