Was Kunden eigentlich zahlen müssten

Penny: Discounter geht drastischen Schritt und will Kunden wachrütteln

Penny zeigt bei einer Aktion jeweils zwei Preise für Artikel. Ein drastischer Schritt, mit dem bei Kunden mehr Bewusstsein geschaffen werden soll.

  • Penny gehört als Discounter zu den günstigsten Lebensmittelhändlern in Deutschland.
  • Die Preise für viele Produkte müssten in Wahrheit aber viel höher liegen.
  • Eine neue Aktion soll nun mehr Bewusstsein der Kunden für die Umwelt und Landwirtschaft schaffen.

Berlin - Nudeln, Fleisch, Gemüse: Die alltäglichen Lebensmittel kosten in den meisten Discounter nur wenige Cent pro 100 Gramm. Doch sind die günstigen Preise auch fair? Und decken sie die Kosten für die Auswirkungen in Umwelt und Landwirtschaft ab?

Unternehmen

Penny

Zentrale

Köln

Gründung

1973

Günstige Discounter-Preise: Penny eröffnet "Nachhaltigkeitsmarkt" in Berlin

Offenbar nicht, wie eine Aktion von der Rewe-Gruppe nun belegen soll. Der Konzern eröffnet am heutigen Mittwoch (2. September) auf Zeit einen "Nachhaltigkeitsmarkt" in einer Penny-Filiale in Berlin. Das besondere: Neben den verlockend günstigen Preisen, soll hier auch der "wahre Preis" der Produkte für den Kunden deutlich gemacht werden.

Denn die Preise, die die Supermärkte angeben, entsprechen meist nicht den Kosten beziehungsweise Schäden, die in der Landwirtschaft und für die Umwelt tatsächlich entstehen, wie Der Westen berichtet. Doch wie funktioniert das?

So funktioniert der "wahre Preis" im Discounter Penny

Die Aktion geht auf eine Untersuchung des Wirtschaftsinformatikers Tobias Gaugler zurück. Dieser hat im Auftrage der Rewe-Gruppe, zu der auch Penny gehört, die "wahren Kosten" für insgesamt 16 Eigenmarken-Produkte errechnet. Dabei werden folgende Punkte berücksichtigt:

  • übliche Herstellungskosten
  • Auswirkungen der Treibhausgase, die bei der Produktion entstehen
  • Folgen der Überdüngung
  • Energiebedarf der Ware

Penny: Fleisch und Tierprodukte müssten im Discounter viel teurer sein

Und diese Auswirkungen sind nicht ohne: Besonders Fleisch und andere Tierprodukte müssten der Studie zufolge eigentlich viel teurer sein, um auch nachhaltiger zu sein. Der Preis für Fleisch aus konventioneller Aufzucht, bei Berücksichtigung der versteckten Kosten, müsste um gut 170 Prozent steigen. Milch müsste um 122 Prozent teurer sein und beispielsweise Gouda um 88 Prozent.

Bei Obst und Gemüse ist der Preis-Sprung hingegen geringer. Der Preis für Bananen bei Penny müsste etwa um 19 Prozent steigen, Kartoffeln und Tomaten müssten nur rund zwölf Prozent teurer sein (mehr Ratgeber auf RUHR24.de).

Bei Penny sollen Testweise zwei Preise für die Produkte des Discounters angezeigt werden.

"Wahrer Preis" bei Penny: Bio-Produkte müssten im Discounter nicht am Preis zunehmen

Geringer ist der Unterschied bei Bio-Produkten. Allerdings müsste auch der Preis für Biofleisch unter Berücksichtigung der "wahren Kosten" bei Penny und anderen Discountern um 126 Prozent zunehmen.

Für die Kunden ändert das, bis auf übergangsweise doppelte Preisschilder an den Produkten, nichts. Sie müssen bei Penny, die zukünftig auch auf lange Schlangen an der Kasse verzichten wollen, trotzdem weiterhin nur den bisherigen Preis zahlen. Was soll die Kampagne des Discounters dann überhaupt bezwecken?

Nachhaltigkeit im Discounter: Penny sieht sich als "Teil des Problems"

Rewe-Topmanager Stefan Magel sieht in der Kampagne einen ersten Schritt zu mehr Nachhaltigkeit. "Wir müssen dazu kommen, die Folgekosten unseres Konsums sichtbar zu machen", meint er. Nur so könne der Kunde eine bewusste Kaufentscheidung treffen. Gleichzeitig ist mittlerweile bekannt, dass vor allem Discounter wie Penny oder Aldi den Preis drücken. So wollte Aldi während der Skandale um Tönnies sogar noch den Fleischpreis senken.

Magel gibt auch zu: "Wir sind als Unternehmen in einem wettbewerbsintensiven Markt ohne Zweifel Teil des Problems." Er hoffe aber, Teil der Lösung zu werden. Wenn die Kunden des neuen "Nachhaltigkeitsmarktes" positiv auf die doppelte Preisaufzeichnung reagieren würden, könne er sich vorstellen, weitere Produkte in der Berliner Filiale mit einem doppelten Preis zu versehen und den Test auf weitere Märkte auszuweiten.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/Rolf Vennenbernd/dpa; Collage: RUHR24

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