Betrüger nutzen Sicherheitslücken

Klarna und PayPal: Kunden-Warnung der Verbraucherzentrale - Achtung bei Bezahlvorgängen im Internet

Im Internet mit Paypal und Klarna bezahlen funktioniert schnell und einfach. Aber die Verbraucherzentrale warnt jetzt die Kunden vor Betrügern.

  • Online shoppen ist bequem, aber nicht immer ohne Risiko.
  • Onlineshops bieten oft verschieden Zahlungsmöglichkeiten an – aber nicht alle sind sicher.
  • Besonders bei Paypal können Kunden schnell in die Falle laufen.

Dortmund - Online shoppen bringt so manche Vorteile mit sich: keine Menschenmassen, kein nerviges Schlangestehen und das Shopping-Gut wird einem sogar bis an die Wohnungstür geliefert. Bequem und einfach, aber auch sicher? Immer wieder gibt es perfide Betrugsmaschen via Paypal, jetzt gibt die Verbraucherzentrale Tipps zum sicheren Bezahlen.

Unternehmen

Paypal

Gründung

Dezember 1998 in Palo Alto, Kalifornien

CEO

Dan Schulman

Zentrale

San José, Kalifornien

Gründer

Elon Musk, Peter Thiel, Max Levchin, Ken Howery, Luke Nosek, Yu Pan

Online bezahlen: Polizei warnt vor Betrügern – Verbraucherzentrale hat Tipps

Erst vor einigen Wochen warnte das Landeskriminalamt Niedersachsen eindrücklich vor einer Betrugsmasche via Paypal, die zwar nicht neu ist, aber verstärkt aufgetaucht ist. Dabei konnten gutgläubige Nutzer gleich mehrere hundert Euro an die Betrüger verlieren.

Wer beim Online shoppen, bei dem man mit einigen Tipps richtige Schnäppchen machen kann, auf Nummer sicher gehen will, sollte beim Bestellprozess sorgfältig die Zahlmethode auswählen, denn meistens werden gleich mehrere Varianten angeboten. Die Verbraucherzentrale hat für die Kunden einen klaren Favoriten.

Bezahlen im Internet: Sicherheit ist bei Vorkasse nicht gegeben

Von einer Überweisung vor Erhalt der Ware, also per Vorkasse, rät die Verbraucherzentrale den Kunden dringend ab. Ist das Geld erst einmal überweisen, gibt es keine Möglichkeit es zurückzubekommen. Eine Rückbuchung ist nicht möglich. Die Zahlung per Vorkasse sollte nur für Beträge gewählt werden, deren Verlust man verschmerzen könne, heißt es bei der Verbraucherzentrale

Denn im Internet gibt es einige schwarze Schafe. Wenn man sich nicht sicher ist, wer hinter einem Onlineshop steckt, kann man nie zu 100 Prozent davon ausgehen, dass man die bestellte Ware auch bekommt. Wer an einen Betrüger gerät, hat sein Geld verloren.

Online shoppen und mit Kreditkarte zahlen: Geld zurück nicht so einfach

Die Zahlung per Kreditkarte ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits müssen Kunden bei dieser Zahlart persönliche Daten angeben sowie die Kreditkartennummer, Ablaufdatum und Prüfkennziffer. Wer im Besitz dieser Daten ist, kann damit online shoppen gehen – auch Betrüger

Andererseits ist der Inhaber der Kreditkarte geschützt. Denn: Werden die Daten der Kreditkarte missbraucht, bleibt der Händler auf den Kosten sitzen. Der Inhaber der Karte erhält den Schadensbetrag zurück.

Doch ein weiteres Problem bei der Zahlung der Kreditkarte ist der Widerruf oder Rücktritt. Will ein Kunde sein Geld zurück oder gibt es Streit über Gewährleistungsansprüche, muss das mit dem Händler geklärt werden. Das Geld kann nicht über das Kreditinstitut zurückgebucht werden. Dem ist es nämlich egal, ob mit dem Einkauf alles in Ordnung war oder eben nicht (mehr Service-Nachrichten bei RUHR24.de).

Bevor Verbraucher auf den Button klicken, sollten sie sich für die sicherste Zahlart entscheiden.

Zahlung per Nachnahme: Verbraucherzentrale ist nicht überzeugt

Bei der Zahlung per Nachnahme wird erst beim Erhalt des Pakets bezahlt, direkt bei der Übergabe an der Haustür. Zwar hält man dann sein Paket in den Händen, aber man kann sich immer noch nicht sicher sein, was sich darin befindet. Außerdem weist die Verbraucherzentrale darauf hin, dass diese Zahlart meistens mit Gebühren verbunden ist. 

Eine weitere Möglichkeit seine Waren zu bezahlen sind bekannte Online-Bezahldienste wie Paypal oder Klarna, welche auch recht beliebt sind. Doch die Verbraucherzentrale sieht das kritisch.

Paypal und Klarna: Verbraucherzentrale rät zur Vorsicht

Zwar müssen auf diesem Wege keine persönlichen Daten in den Shops angegeben werden, da diese nur bei den Bezahldiensten wie Klarna oder Paypal liegen. Dennoch rät die Verbraucherzentrale zur Vorsicht. Ihr Kritikpunkt an dieser Variante richtet sich besonders an das angebotene "Kauf auf Rechnung" innerhalb der Zahlungsdienstleister.

Dieser würde demnach die Sicherheit eines Rechnungskaufs suggerieren, obwohl diese in dem Fall nicht gegeben sei. Die Verbraucherzentrale meint, dabei würde es sich um eine Art Vorkasse handeln – das was man als Käufer eigentlich vermeiden sollte. 

Verbraucherzentrale zu Zahlung im Internet: Paypal und Klarna drohen schnell mit Mahnverfahren

Denn sollte der Händler die Ware nicht liefern, fordern die Bezahlinstitute trotzdem das Geld ein und weisen jegliche Haftung für die Lieferung der Ware von sich – oft sogar unter Androhung eines Mahnverfahrens.

Paypal und Klarna weisen dagegen darauf hin, dass offene Rechnungen ausgesetzt werden können, wenn Artikel nicht eintreffen. Dafür müssten Käufer lediglich den Kundenservice informieren.

Verbraucherzentrale kritisiert Klarna und Paypal

Klarna betont darüber hinaus, dass im Gegensatz zu einem Kauf per Vorkasse, der Kunde selbst entscheiden kann, wann die Rechnung beglichen werden soll. Demnach würde es sich nicht um einen Kauf per Vorkasse handeln, wie die Verbraucherzentrale den Bezahldiensten vorwirft.*

Weiterer Kritikpunkt der Verbraucherzentrale: Aus den Nutzungsbedingungen der Dienste sei oft nicht ersichtlich, welche Bedingungen für die einzelnen Zahlungsmethoden gelten. Kunden wissen nicht, worauf sie sich einlassen.

Paypal: Käuferschutz gilt nicht immer und hat Lücken

Auch die Stiftung Warentest sieht Sicherheitslücken bei Bezahldiensten wie Paypal oder Klarna. Allerdings warnen sie eher vor Betrügern mit ausgeklügelten Maschen, um den Nutzern das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Zwar wird der Käuferschutz in einem aktuellen Test der Stiftung Warentest positiv bewertet, dieser gilt in vielen Fällen bei Paypal und Klarna, zum Beispiel, wenn die Ware erheblich von der Artikelbeschreibung abweicht. Im Streitfall zwischen Verkäufer und Käufer entscheidet Paypal aber in Einzelfällen auch mal gegen den Käufer. Außerdem hat der Käuferschutz Lücken – das wissen Betrüger und nutzen sie aus. Beispielweise gilt der Käuferschutz nicht beim Kauf von Gutscheinen, Autos oder wenn eine persönliche Übergabe der Ware ausgemacht wurde.

Paypal scheint ein sicherer Bezahldienst zu sein, aber es gibt Lücken im Käuferschutz.

Paypal: Mit "Geld an Freunde und Familie senden" verzichten Kunden auf den Käuferschutz

Auch gilt der Schutz nicht, wenn eine Zahlung per P aypal-Sonderfunktion "Geld an Freunde und Familie senden" genutzt wurde. Mit dieser Funktion lässt sich kostenlos Geld versenden, dabei verzichtet man aber eben auch auf den Käuferschutz

Werden Kunden von einem Privat-Verkäufer dazu gebracht, das Geld per "Freunde und Familie" zu verschicken und die Ware ist fehlerhaft, sieht der Kunde sein Geld nie wieder. 

Ähnlich wie einige Kunden ihre Punkte bei Payback nie wieder sahen. Zuletzt ist es zu wahren Punktediebstahl bei Payback gekommen. Viele Kunden wunderten sich über ihr leergefegtes Payback-Punktekonto. Punkte im Wert von 50 oder sogar 100 Euro sind einfach futsch. Eingelöst, allerdings nicht von den Kunden. Das Unternehmen weist jedoch jegliche Schuld von sich - wieder zum Ärger vieler Kunden. 

Online bezahlen – das ist laut Verbraucherzentrale die sicherste Methode

Laut Verbraucherzentrale ist die Zahlung auf Rechnung die sicherste Methode. Denn bei dieser Variante zahlen Kunden erst dann, wenn sie die Ware auch wirklich erhalten haben. Hat man beim Einkauf daneben gelegen und die Ware gefällt nicht, muss nicht erst auf die Rückerstattung gewartete werden, außerdem müssen die eigenen Bankdaten erst gar nicht offenbart werden. Einziger Nachteil dieser Variante ist laut Verbraucherzentrale, dass Kunden die Kosten für die Rücksendung auferlegt werden können.

Ist ein Kauf per Rechnung nicht möglich, sollte die Wahl auf ein Lastschriftverfahren fallen. Zwar müssen hier die Bankdaten angegeben werden und der Betrag wird vom Händler sofort abgebucht. Allerdings haben Kunden die Möglichkeit den per SEPA-Lastschrift eingezogenen Betrag innerhalb von acht Wochen zurückbuchen zu lassen. Das ist beispielsweise möglich, wenn ein Artikel nicht geliefert wurde.

*Dieser Absatz wurde nachträglich hinzugefügt, da Klarna explizit darauf hingewiesen hat, dass es sich bei einem Rechnungskauf nicht um einen Kauf per Vorkasse handelt.

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa; Collage: RUHR24