Hersteller mit mieser Ausrede

Passierte Tomaten bei Öko-Test: Schimmelpilzgift sorgt für Ekel-Alarm

Passierte Tomaten im Glas
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Passierte Tomaten von Bio-Herstellern sind nicht immer empfehlenswert – Öko-Test hat eine eklige Entdeckung gemacht.

Spaghetti mit Tomaten-Sauce sind nicht nur klassisch italienisch, sondern auch lecker. Weniger lecker sind allerdings die Ergebnisse von Öko-Test zu passierten Tomaten.

Dortmund – Passata oder auch einfach passierte Tomaten sind die Grundlage für viele italienische Klassiker. Pizza, Spaghetti Napoli oder auch Lasagne: Ohne die rote Sauce will einfach kein italienischer Flair aufkommen. Doch so lecker sie sein mag, so eklig kann das sein, was sich in der Passata befindet. Öko-Test hat die Saucen getestet.

Verbraucher­magazinÖko-Test
Verkaufte Auflage112.783 Exemplare
ChefredakteurHans Oppermann

Passierte Tomaten im Test: Bio-Passata schneidet bei Öko-Test nicht gut ab

In der Regel kommen bei dem Verbrauchermagazin Öko-Test Bio-Produkte besonders gut weg. Anders ist das allerdings bei den passierten Tomaten – hier sind Bio-Produkte die großen Verlierer. Von den getesteten passierten Tomaten in Bio-Qualität fallen drei durch. Grund dafür sind bedenkliche Schimmelpilzgifte, die gefunden wurden. Sie zeigen an, dass in der Passata auch gammelige Tomaten gelandet sind.

Aber auch konventionelle Produkte sind von den Schimmelpilzgiften betroffen. In insgesamt jeder fünften Packung passierter Tomaten haben die Tester von Öko-Test bedenkliche Schimmelpilzgifte und somit schimmelige Tomaten gefunden. Dabei sind die verdorbenen Tomaten nicht nur unappetitlich, die Schimmelpilzgifte können auch gesundheitliche Folgen haben.

Passierte Tomaten im Öko-Test: Schimmel-Tomaten in der Passata werden zur Gesundheitsgefahr

In der aktuellen Ausgabe der Öko-Test (05/2021, Bezahlartikel) erklären die Tester, dass das Gift Alternariol (AOH) in Zellstudien das Erbgut geschädigt und eine östrogenähnliche Wirkung gezeigt habe. Die in dem Test noch häufiger festgestellte Tenuazonsäure (TEA) hat in Tierversuchen die Bildung körpereigener Proteine gehemmt, was zu Organschäden führen könne. 

Zwar gebe es bislang keine verpflichtenden Grenzwerte für Schimmelpilzgifte und bisher seien auch keine in Planung, aber Hersteller seien zumindest angewiesen, die Ursachen zu ermitteln. Gerade die Bio-Hersteller scheinen sich bereits bewusst darüber zu sein, wo das Problem liegt. Drei der vier besonders deutlichen Belastungen hat das Labor in Bio-Produkten gefunden.

Schimmel in passierten Tomaten gefunden: Bio-Landwirte versuchen sich zu rechtfertigen

Ein Hersteller erklärte, dass Bio-Landwirte keine Fungizide spritzen dürften, um die Schimmelpilzbelastung zu minimieren. Für die Experten von Öko-Test, die in der vergangenen Ausgabe Waschlotion näher betrachtet haben, ist das allerdings nichts weiter als eine Ausrede. Immerhin schaffen es 19 von 27 Bio-Landwirte, passierte Tomaten ohne Gammel-Früchte herzustellen. Verdorbene Tomaten müssten dann eben per Hand oder elektronisch aussortiert werden.

Was währen Spaghetti ohne eine Tomaten-Sauce? Doch bei einer Passata aus dem Supermarkt können Verbraucher nicht immer darauf vertrauen, dass ausschließlich frische Tomaten ins Glas oder in die Dose wandern.

Öko-Test prüft passierte Tomaten: Bio-Produkte können in zwei Fällen nicht überzeugen

Doch auch wenn einige passierte Tomaten eher nicht zu empfehlen sind, kann Öko-Test doch bei der Mehrheit gute Noten vergeben. Von 50 getesteten Passate bekommen immerhin 33 Produkte die Note gut oder sogar sehr gut. Unter den konventionellen 23 Produkten befinden sich zwei, die mit mangelhaft und ungenügend durchgefallen sind. Passierte Tomaten von insgesamt 27 Bio-Herstellern konnten in zwei Fällen** nicht überzeugen:

  • Rewe Bio Passata (mangelhaft): Alternariol (AOH) stark erhöht
  • Bio Zentrale Tomaten Passata (ungenügend): Tenuazonsäure (TEA) stark erhöht, Ergosterol stark erhöht (weist auf schimmelige Tomaten hin)

Video: Spaghetti-Sorten im Öko-Test – diese Produkte fallen durch

Passierte Tomaten im Test: Öko-Test hat einen weiteren Kritikpunkt

Und dennoch: Auch wenn in dem Tomaten-Test Bio-Produkte nicht überragend gut abschneiden*, rät Öko-Test zum Kauf von passierten Tomaten in Bio-Qualität. Damit würden Kunden und Kundinnen den Anbau ohne synthetische Pestizide und Kunstdünger unterstützen. Immerhin haben 15 Bio-Passate mit sehr gut oder gut abgeschnitten (mehr Testberichte bei RUHR24).

Woran allerdings alle Erzeuger von passierten Tomaten arbeiten müssen, sind die Sozialstandards. In nur knapp der Hälfte der getesteten Passate konnten die Hersteller ihre Bemühungen um faire Arbeitsbedingungen nachweisen. Reguläre Arbeitsverträge, gesetzlicher Mindestlohn, das Recht auf Gewerkschaften sind so gesichert. Einige Firmen haben erst gar keine Angaben dazu machen wollen, andere haben lediglich unzureichende Nachweise vorgelegt, die Öko-Test nicht gelten lässt. *24vita ist wie RUHR24 Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

**In einer früheren Version des Textes wurde auch das Testergebnis für „Campo Verde Tomaten passiert, Demeter“ aufgeführt. Öko-Test hat das Ergebnis allerdings überarbeitet und wird es nachreichen.

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