Schmerzmittel-Test mit Studenten

Heftige Nebenwirkungen auf die Psyche bei Paracetamol: Experten schlagen Alarm

Paracetamol ist ein beliebtes Schmerzmittel bei Kopfschmerzen. Eine neue Studie zu Nebenwirkungen des bekannten Wirkstoffs lässt aufhorchen.

Ohio/USA – Das Wetter erlebt einen Umschwung oder man hat mal wieder nicht genug getrunken – an solchen Tagen schleichen sich häufig Kopfschmerzen ein. Oft soll schnell Abhilfe geschaffen werden. Nicht selten greift man dann eine Tablette gegen die Schmerzen zurück. Diese kommt meistens in Form des Wirkstoffs Paracetamol daher.

Arzneistoff

Paracetamol

Wirkstoffklasse

Nichtopioid-Analgetikum; Antipyretikum

Löslich in

Wasser, Alkohole

Paracetamol gibt es in Deutschland ohne Rezept: Aber was macht das Medikament mit uns?

In Deutschland ist es eines der meistgekauften Medikamente: Jährlich gehen rund 13,4 Millionen Packungen Paracetamol-ratiopharm über die Ladentheke. Für viele ist das Medikament ein fester Bestandteil ihrer Hausapotheke und wird unter anderem bei Kopfschmerzen oder leichtem Fieber eingenommen.

Die Tabletten sind hierzulande für jedermann erhältlich. Es gibt die rezeptfrei in der Apotheke, wo man in der Regel nur einige wenige Hinweise zur Einnahme mit auf den Weg bekommt. Dann soll es den Schmerzen auch schon an den Kragen gehen. Aber was genau macht Paracetamol eigentlich mit uns? Nimmt es bloß Einfluss auf unsere körperlichen Beschwerden?

Paracetamol: Studie aus den USA untersucht Einfluss auf die Psyche

Forscher der Ohio State University fanden jetzt heraus, dass der Hauptwirkstoff Paracetamol eben nicht nur physische Schmerzen lindert. Laut der Studie beeinflusst die Einnahme des Präparats auch unsere Psyche. Wer ein paracetamolhaltiges Schmerzmittel einnimmt, sei bereit, öfter und höhere Risiken einzugehen.

Klingt irgendwie gruselig, doch das Ergebnis der Untersuchungen ist deutlich: Für ihre Studie befragten die Forscher 189 Studenten, wie sie das Risiko einer Situation einschätzen würden. Die Gruppe, die vor der Befragung die empfohlene Dosis Paracetamol eingenommen hatte, bewertete Bungee-Jumping, nachts alleine nach Hause laufen oder auch einen Karrierebruch mit Mitte 30 weniger risikoreich als die Probanden, die nur ein Placebo konsumiert hatten.

Paracetamol: Probanden der Studie gehen mehr Risiken ein

Des Weiteren führten die Forscher der Ohio State University ein Experiment durch: In einer Art Computer-Spiel sollen die Probanden per Mausklick einen Ballon aufblasen. Bei jedem Luftstoß verdienen sie virtuell Geld. Sie können jederzeit aufhören, das Geld "auf die Bank legen" und den nächsten Luftballon aufblasen. Platzt ein Ballon, verlieren sie das angesammelte Geld.

Folgendes stellte sich heraus: Die Studenten mit Paracetamol zeigten sich eher bereit, das Risiko einzugehen, dass der Ballon platzen könnte. Im Gegensatz zur Kontrollgruppe hatten sie überdurchschnittlich viel virtuell Luft in den Ballon gepumpt und auch mehr von ihnen platzen lassen. Die Probanden fühlten außerdem weniger negative Emotionen, die Menschen sonst davon abhalten, Risiken einzugehen. Insgesamt nahmen an der Studie über 500 Studenten teil.

Paracetamol nehmen viele bei Kopfschmerzen oder leichtem Fieber ein.

Forscher warnt vor Einfluss, den Paracetamol auf das Alltagsleben hat

Baldwin Bay, Neurowissenschaftler und Co-Autor der Studie, gibt anlässlich der Ergebnisse zu bedenken, welche Auswirkungen der Einfluss von Paracetamol auch auf unser Alltagsleben haben könnte. In diesem Zusammenhang spricht er von weitreichenden Konsequenzen: Wie oft nehme man beispielsweise eine Schmerztablette wegen anhaltender Kopfschmerzen ein und setze sich trotzdem ins Auto?

Gerade aufgrund der Freiverkäuflichkeit des Medikaments müsse man die Effekte auf die menschliche Psyche daher weiter untersuchen. Inwiefern die Einnahme des deutschen Präparats Paracetamol-ratiopharm Ähnliches beobachten ließe, ist allerdings fraglich.

Dosierung von Paracetamol in Deutschland anders als in den USA

Während in den USA meist Schmerzmittel mit 1000 Milligramm Paracetamol eingenommen werden, dürfen in Deutschland nur Präparate mit einer maximalen Dosierung von 500 Milligramm rezeptfrei verkauft werden.

Rubriklistenbild: © Oliver Killig, Patrick Pleul/dpa; Collage RUHR24