Werbeprospekt aufs Smartphone

Rewe bietet als erster Supermarkt neuen Service per Whatsapp

Wer statt eines Papier-Prospekts gerne auch auf dem Handy nach Angeboten stöbert, wird die neue Maßnahme von Rewe wohl begrüßen. Das steckt dahinter.

NRW – Nachdem Rewe kürzlich in einem überraschenden wie mutigen Schritt das Aus seines Werbeprospektes in Papierform ab Mitte 2023 verkündet hat, treibt der Supermarkt-Riese die Digitalisierung seiner Werbung munter voran. Nun sollen Schnäppchenjäger auf einem neuen Weg über Angebote informiert werden.

Rewe GmbHzweitgrößter Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland
Gründung1927
HauptsitzKöln

Rewe kündigt das Aus seines Prospekts in Papierform ab Mitte 2023 an – neuer Service kommt

Wer Sonntags gerne den Werbeprospekt von Supermärkten und Discountern wie Rewe, Edeka und Aldi durchstöbert, musste kürzlich eine bittere Pille schlucken. Schließlich entschied sich Rewe, seinen Kundinnen und Kunden den Prospekt in Papierform nicht mehr anbieten zu wollen. Ganze 25 Millionen dieser Print-Handzettel seien laut Rewe jede Woche verteilt worden, berichtet die Lebensmittelzeitung (LZ).

Über das Aus der Papier-Prospekte reagierten viele Verbraucher auf Facebook mit Verärgerung. Ihr Argument: Rewe seien insbesondere ältere Kundinnen und Kunden, die keinen Internetzugang haben, egal. Die Handelskette versuchte, die Lage zu beruhigen.

Kundschaft reagiert teils verärgert über Prospekt-Aus – Rewe versucht, zu beschwichtigen

Zwar wolle Rewe die Digitalisierung seines Angebots weiter vorantreiben, zeitgleich aber auch weiterhin über die „Wochenangebote, beispielsweise in Tageszeitungen, im Radio, oder im Fernsehen, informieren“, erklärte der Konzern auf Facebook seiner teils verärgerten Kundschaft.

Dennoch ist der Ausstieg aus der Papierwerbung von Rewe ein durchaus gewagter Schritt. Laut der Schwarz-Gruppe, zu der auch Lidl gehört, handele es sich dabei gar um „eine echte Zeitenwende“. Entsprechend abwartend reagiert die Konkurrenz.

Rewe setzt auf Digitalisierung und will Kundschaft via Whatssapp über Angebote informieren

Nun kündigte Rewe laut der LZ ein weiteres Alternativ-Angebot an. Der digitale Werbeprospekt solle bereits jetzt auch per Whatsapp an die interessierte Kundschaft verschickt werden. Diese müssten dem Angebot allerdings explizit zustimmen.

Dass sich Rewe ausgerechnet Whatsapp für den neuen Werbe-Service ausgesucht hat, kommt nicht von ungefähr: Denn laut einer Online-Studie von der ARD und dem ZDF nutzten in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen den Messenger-Dienst.

Whatsapp gehört für viele Verbraucher längst zum Alltag – Rewe will davon profitieren

Waren es 2018 noch rund 65 Prozent, die Whatsapp täglich nutzten, belief sich die Zahl 2021 bereits auf 70 Prozent. Insbesondere jüngeren Nutzerinnen und Nutzern im Alter zwischen 14 und 29 Jahren (91 %) bietet der Messenger längst eine alltägliche Kommunikationsplattform. Auch der überwiegende Teil der Gruppe der über 50-Jährigen (61 %) gab an, Whatsapp täglich zu nutzen.

Dank der vor zwei Jahren von Whatsapp eingeführten „Promotional Messages“ können Unternehmen ihre Kundschaft selbst proaktiv anschreiben. Laut der LZ sei das Format unter dem Namen „Business-Initiated messages“ auch hierzulande verfügbar. Das Interesse deutscher Unternehmen an den Werbenachrichten soll seit der Einführung „deutlich zugenommen haben“, berichtet die LZ.

Whatsapp mit zunehmender Bedeutung als Werbekanal – Rewe schreibt Kunden an

Rewe ist damit laut der LZ der erste Lebensmitteleinzelhändler, der seine Kundschaft über den weit verbreiteten Messenger erreichen und die Reichweite seines Handzettels auf diesem Weg mitunter digital kompensieren will.

Unter rewe.de/whatsapp können sich interessierte Rewe-Kunden registrieren und jeden Sonntag auf dem Smartphone auf Schnäppchenjagd gehen. Dafür müsse laut der LZ der eigene Standort geteilt werden, damit die nächstgelegenen Rewe-Filialen angezeigt werden können.

Kundschaft muss Prospekt-Abo über Whatsapp zustimmen – Tests machen Rewe Hoffnung

Wer „Start“ an den Rewe-Chat sendet, erhält fortan den Werbeprospekt, mittels der Nachricht „Stop“ wird das Abo beendet. Dass die Handelskette mit dem neuen Angebot zahlreiche, vor allem jüngere Kunden erreichen kann, sollen vorherige Tests bewiesen haben. Schließlich hätte man so „großes Kundeninteresse“ verzeichnet, erklärt Rewe stolz.

Im Rahmen der Tests wurden die Zahl der Anmeldungen für den Service, die Zahl der Öffnungen sowie die Verweildauer der Verbraucher gemessen, die sie beim Stöbern nach neuesten Angeboten in Anspruch genommen haben. Von der Kooperation mit dem zu Facebook gehörenden Meta Konzern verspricht sich Rewe viel.

Rewe setzt statt Papier-Prospekten künftig auch auf „Promotional Messages“ über Whatsapp.

Rewe strebt mehr Nachhaltigkeit durch Digitalisierung an – Erfolg bleibt abzuwarten

Das Thema Nachhaltigkeit, das man unter anderem mittels Digitalisierung angehen wolle, sei der Handelskette sehr wichtig. Man habe dank des Angebots über Whatsapp laut eigener Aussage „einen weiteren guten Weg gefunden“, um der Kundschaft „regionale Angebote und relevante Informationen auf eine leicht zugängliche Art und Weise“ zu bieten, erklärt Bastian Tassew, Head of CRM & Owned Media von Rewe.

Ob Whatssapp allerdings den Werbeeffekt der wegfallenden Papier-Prospekte kompensieren kann, bleibt abzuwarten. Sollte dies gelingen, wird das System sicherlich Schule machen und auch die Handelskonkurrenz könnte in diesem Fall wohl erwägen, seine Kundschaft über den beliebten Messenger-Dienst aktiv anzuschreiben.

Rubriklistenbild: © Illia Uriadnikov/Imago; Michael Bihlmayer/Imago; Collage: Julian Kaiser/RUHR24

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