Nur eins „sehr gut“

Olivenöl kassiert Schock-Ergebnis im Test: Produkte dürften gar nicht verkauft werden

Öko-Test hat Olivenöl untersucht – mit erschreckenden Ergebnissen. Lediglich ein einziges Öl kann in dem Test überzeugen.

Dortmund – Verbraucher und Verbraucherinnen haben es im Supermarkt aktuell wahrlich nicht einfach. Da ist Sonnenblumen- und Rapsöl ohnehin schon knapp und jetzt kassiert die beliebte Alternative Olivenöl auch noch eine so schockierendes Testergebnis von Öko-Test.

VerbrauchermagazinÖko-Test
HauptsitzFrankfurt am Main
Chefredakteur und GeschäftsführerHans Oppermann

Olivenöl im Öko-Test: Fast alle Öle fallen gnadenlos durch

Sind Sonnenblumen- und Rapsöl mal wieder ausverkauft, greifen Verbraucher und Verbraucherinnen gerne zum geschmackvollen Olivenöl, immerhin kann dieses auch vielfältig in der Küche verwendet werden. Doch scheint zumindest laut Öko-Test gar nicht immer die beste Alternative zu sein.

Im aktuellen Test des Verbrauchermagazins rasseln so gut wie alle Olivenöle gnadenlos durch. Dabei hat Öko-Test 19 Olivenöle der Güteklasse „nativ extra“ getestet. Darunter waren neun Bio-Olivenöle. Im Einkaufswagen sind Eigenmarken der Supermärkte, Discounter und Bio-Läden gelandet, aber auch die bekanntesten Olivenöl-Marken wurden getestet.

Öko-Test untersucht Olivenöl: Zu viel Mineralöl – der Geschmack passt auch nicht

Für den aktuellen Öko-Test (5/2022) hat das beauftragte Labor die Olivenöle auf folgende Punkte hin untersucht:

  • Verunreinigungen durch Mineralölbestände (etwa durch Schmieröl)
  • Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK, können beim starken Erhitzen während der Herstellung oder Behandlung der Öle entstehen)
  • Weichmacher (können sich etwa aus ungeeigneten Schläuchen während Herstellung und Abfüllung herauslösen)
  • Pestizide
  • Sensorik

Und die Tester wurden fündig. So sehr, dass so gut alle Olivenöle einfach durchgefallen sind. Was ist passiert? Öko-Test hat zwei Hauptkritikpunkte: Zum einen wurde eine teils extrem hohe Belastung mit Mineralöl festgestellt, zum anderen passte der Geruch und Geschmack teilweise einfach nicht. Auch in einem anderen Test wurde Olivenöl bewertet, wie Costa Nachrichten berichtet.

Olivenöl im Test: Handelsübliche Öle können fast nie überzeugen

Beides war teilweise laut der Sensorik-Prüfer komplett fehlerhaft. Teils schmeckte es ranzig – so sehr, dass die Öle eher in die Qualitätsklasse „lampant“ gehören. Lampantöl darf in Deutschland allerdings gar nicht erst als Speiseöl verkauft werden. Die Europäische Kommission schreibt dazu: „Oliven-Lampantöl ist nicht für die Vermarktung im Einzelhandel bestimmt. Es wird raffiniert und für industrielle Zwecke verwendet.“

Teils schmeckte das Olivenöl auch stichig oder schlammig. Wenn Experten einen stichigen oder schlammigen Eindruck feststellen, hat das meist mit schlechten Erntebedingungen oder mangelnder Reinigung der Maschinen zu tun. Ein ranziger Geschmack lässt sich auf Fehler bei der Lagerung zurückführen (mehr Testberichte bei RUHR24).

Auch wenn das nicht auf alle Olivenöle zutrifft, findet sich keines, welches den allerhöchsten Geschmackskriterien entspricht. Das können handelsübliche Olivenöle in der Regel nicht schaffen, dafür müssten Verbraucher und Verbraucherinnen viel tiefer in die Tasche greifen.

Olivenöl im Öko-Test – das Ergebnis schockt.

Olivenöl im Test: Teils krebserregende Stoffe im Öl gefunden

Doch das waren längst nicht alle Probleme im Olivenöl-Test. Denn bis auf ein einziges getestetes Öl fanden die Tester in allen Produkten Mineralölbestandteile. Die können sich auf unterschiedlichen Wegen in das Lebensmittel schmuggeln: über Schmieröle in Erntemaschinen oder beispielsweise auch über Maschinen in der Produktion des Olivenöls.

Bei den festgestellten Rückständen sind laut Öko-Test vor allem zwei Stoffe bedenklich. Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) können teilweise krebserregend sein. In gut einem Drittel der Produkte wurde es festgestellt. Außerdem ist fast jedes getestete Öl mit den gesättigten Kohlenwasserstoffen MOSH/MOSH-Analoge verunreinigt. MOSH kann sich im Körper anreichern. Welche Folgen das hat, ist bislang noch nicht bekannt.  

Olivenöl-Test: Das sind die einzigen Testsieger bei Öko-Test

Das hört sich alles wenig appetitlich an. Doch welches Olivenöl können Verbraucher und Verbraucherinnen dann überhaupt noch kaufen? Das sind die Gewinner im Öko-Test:

  • Rapunzel Kreta Olivenöl Nativ Extra: Preis pro Liter: 21,98 Euro, keine Mineralölbestandteile, Note: Sehr gut
  • Mani Bläuel Natives Olivenöl Extra Selection, Naturland: Preis pro Liter: 17,98 Euro, leicht erhöhte Mineralölbestandteile, Note: Befriedigend
  • Fiore Natives Olivenöl Extra: Preis pro Liter: 6,65 Euro, leicht erhöhte Mineralölbestandteile, Note: Befriedigend

Mit dem miesen Ergebnis sind allerdings nicht alle Hersteller einverstanden. Einer der bekanntesten Olivenöl-Hersteller hat bereits angekündigt, gegen das Ergebnis von Öko-Test gerichtlich vorzugehen. Der beauftragte Anwalt des Herstellers drohte bereits mit „einstweiligen Maßnahmen gegen die Veröffentlichung“ und „erheblichen Schadensersatzansprüchen“.

Rubriklistenbild: © Panthermedia/Imago

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