Bekannte Marken enttäuschen

Nagellackentferner im Test 2021: Öko-Test deckt Lüge über Produkte auf

Öko-Test Nagellackentferner
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Öko-Test hat Nagellackentferner unter die Lupe genommen.

Öko-Test stellt in seiner aktuellen Ausgabe Nagellackentferner auf den Prüfstand. Drei bekannte Marken fallen dabei durch: Sie enthalten kritische Schadstoffe.

Deutschland – Nagellackentferner ist eines dieser Kosmetik-Produkte, bei dem viele Verbraucherinnen nur wenig Zeit in die sorgfältige Auswahl investieren – anders als bei teuren Cremes oder Make-up. Das Einzige, auf das oftmals geachtet wird, ist, ob die Produkte „acetonfrei“ sind. Denn Nagellackentferner ohne Aceton gelten als weniger schädlich. Dass dem gar nicht so ist, sondern vielmehr andere Stoffe bedenklich sind, zeigt der aktuelle Test von Öko-Test.

Öko-TestVerbrauchermagazin
SitzFrankfurt am Main
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Nagellackentferner im Test: Im Labor wurden die Produkte auf Schadstoffe geprüft

Für den großen Nagellackentferner-Test hat das Verbrauchermagazin aus Frankfurt am Main insgesamt 20 Produkte eingekauft. Drei der Produkte enthielten Aceton, die weiteren waren als „acetonfrei“ ausgelobt.

Die Preisspanne zwischen den Entfernern ist dabei enorm: Das teuerste Mittel kostet rund 10 Euro je 100 Milliliter, das günstigste für die gleiche Menge lediglich 40 Cent (weitere Testberichte auf RUHR24).

Im Labor wurden die Nagellackentferner auf kritische Stoffe hin analysiert. Geprüft wurde beispielsweise, ob sie bedenkliche Lösemittel, allergieauslösende Duftstoffe, Moschusverbindungen oder Phthalate enthalten.

Öko-Test: Nagellackentferner sind niemals „pflegend“

Erstes wichtiges Fazit der Tester: Nagellackentferner sind niemals „pflegend“. Dementsprechende Werbeaussagen seien falsch, kritisiert das Verbrauchermagazin. Daher sollten sie grundsätzlich nur selten verwendet werden.

Der Grund dafür ist eigentlich ganz einfach: Um Lacke von den Fingernägeln zu entfernen, müssen die Entferner Lösemittel enthalten. Solche Lösemittel entfetten und schädigen die Nagelhaut und können beim Einatmen auch die Atemwege reizen.

Öko-Test stellt klar: Acetonfreie Entferner sind nicht hautschonender

Wer häufig Nagellackentferner verwende, laufe daher Gefahr, sich eine Nagelbettentzündung einzufangen, so die Experten. Dabei sei es aus dermatologischer Sicht egal, ob es sich um Lösemittel wie Ethylacetat und Alkohol oder aber Aceton handele.

Daher sollten sie immer mit Vorsicht verwendet werden. Denn entgegen der verbreiteten Meinung seien acetonfreie Entferner keinesfalls hautschonender.

Die Tester decken auf: „Acetonfrei“ heißt nicht in jedem Fall auch ohne Aceton

Apropos acetonfrei: Auch wenn es für die Haut laut Expertenmeinung keinen Unterschied macht, sollten als „acetonfrei“ ausgelobte Produkte natürlich auch kein Aceton enthalten. Das ist aber scheinbar nicht selbstverständlich, wie Öko-Test aufdeckt.

Denn die Prüfer finden tatsächlich in drei beliebten Nagellackentfernern Aceton, obwohl es anders auf der Verpackung ausgewiesen ist. Darunter sind zwei günstige Eigenmarken sowie ein teures Produkt aus der Parfümerie.

Video – Nagellackentferner: Für diese 5 Dinge kannst du ihn auch noch verwenden

Nagellackentferner bei Öko-Test: Drei Viertel sind „sehr gut“

Obwohl Öko-Test zu einer vorsichtigen Verwendung der Mittel rät (ob mit oder ohne Aceton), ist das Gesamtergebnis aber überraschend gut: Drei Viertel aller getesteten Produkte enthalten von den Prüfern die Bestnote „sehr gut“.

Öko-Test begründet diese Bewertung damit, dass die Produkte solche hautreizenden Lösemittel enthalten müssen, um überhaupt zu funktionieren. Negativ auf das Testergebnis wirken sich daher nur weitere Problemstoffe aus – nicht aber Aceton.

Bedenkliche Schadstoffe – diese drei Kosmetikmarken versagen im Test

In drei Produkten finden die Prüfer derart bedenkliche Schadstoffe, dass sie mit „mangelhaft“ durchfallen. Bei allen handelt es sich um große, beliebte Kosmetik-Marken – das sind die großen Testverlierer:

  • Produkt: Artdeco Nail Polish Remover Acetone Free; Anbieter: Artdeco; Preis pro 100 ml: 5, 27 Euro; Parfüm/ätherische Öle: ja; bedenkliche und/oder umstrittene Inhaltsstoffe: Toluol, Benzophenon-1; Gesamturteil: mangelhaft
  • Produkt: Douglas Nourishing Nail Polish Remover; Anbieter: Douglas; Preis pro 100 ml: 9,99 Euro; Parfüm/ätherische Öle: ja; bedenkliche und/oder umstrittene Inhaltsstoffe: Dibutylphthalat, Diisobutylphthalat, Diethylhexylphthalat; Gesamturteil: mangelhaft
  • Produkt: Maybelline Jade Acetonfreier Nagellackentferner; Anbieter: Maybelline ; Preis pro 100 ml: 1,96 Euro; Parfüm/ätherische Öle: ja/enthält Eugenol, Geraniol, künstlichen Moschusduft; bedenkliche und/oder umstrittene Inhaltsstoffe: Benzophenon-1; Gesamturteil: mangelhaft
  • Alle Verlierer und Gewinner im Test gibt es bei Öko-Test (Bezahlartikel).

Nagellackentferner-Test: Schadstoffe in Produkten von Artdeco und Maybelline

Der letzte Platz geht demnach an Maybelline: Das Produkt des Labels enthält einen kritischen Moschusduft. Dieser kann sich im menschlichen Fettgewebe anreichen und gefährdet auch die Gewässer. Ebenso bemängelt Öko-Test bei diesem Nagellackentferner, dass er Benzophenon-1 enthält. Der Stoff gilt als hormonell wirksam, in Tierversuchen war er außerdem krebserregend. Auch viele Sonnencremes enthalten Benzophenon.

Benzophenon-1 ist ebenso einer der Problemstoffe, den die Tester im Produkt von Artdeco nachweisen. Hier finden sie zudem auch das bedenkliche Lösemittel Toluol. Dieses steht im Verdacht, die Fortpflanzung zu gefährden.

Nagellackentferner: Douglas-Produkt enthält gefährliche Weichmacher

Das Douglas-Produkt fällt hingegen wegen Phthalaten durch – bestimmten Weichmachern, die als bedenklich gelten. Der Entferner enthält sogar drei besonders kritische dieser Weichmacher, wie die Prüfer erklären – Dibutylphthalat (DBP), Diethylhexylphthalat (DEHP) und Diisobutylphthalat (DIBP).

Sie gelten als fortpflanzungsgefährdend und sind nach Angaben von Douglas wohl über die Verpackung in den Nagellackentferner gelangt, wie Öko-Test berichtet. Für das Frankfurter Verbrauchermagazin ist dieses aber eine nicht akzeptable Ausrede: „Wie wäre es mit einer anderen Verpackung?“, so die provokante Frage der Tester.

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