Nur eine Sorte überzeugt

Öko-Test: Katastrophale Ergebnisse für Gewürze lassen Tester verzweifeln

Das Kurkuma-Gewürz gilt als preisgünstige Alternative zu Safran, um beispielsweise Reis einzufärben. Doch die Test-Ergebnisse von Öko-Test schockieren.

NRW – Noch vor einigen Jahren war es eher eine Randnotiz, mittlerweile erfreut es sich immer größerer Beliebtheit: Das Gewürz Kurkuma darf in vielen Haushalten nicht fehlen, wenn es darum geht, Fisch, Eintöpfen, Geflügel oder orientalischen Gerichten eine extra Note Schärfe und Bitterkeit zu verleihen. In Form der Kurkuma-Latte soll das Gewürz besonders gesund sein und sogar Krankheiten heilen können. Die Experten von Öko-Test haben sich das Trendgewürz mal zur Brust genommen – und ihre schockierenden Ergebnisse sollten alle Kurkuma-Fans aufhorchen lassen.

GewürzKurkuma, Curcuma oder Kurkume, Gelber Ingwer, Safran-, Gelb- oder Gilbwurz(el)
Wissenschaftliche BezeichnungCurcuma longa
FamilieIngwergewächse (Zingiberaceae)

Öko-Test: 21 Kurkuma-Sorten untersucht – nur eine kann wirklich überzeugen

Beim Test von 21 Sorten Kurkuma-Pulver, darunter 11 Produkte in Bio-Qualität, konnten die Tester wohl ihren Augen kaum trauen. Ganze 18 Produkte sind bei Öko-Test durchgefallen, nur eine Kurkuma-Sorte konnte die Experten überzeugen. Laut Öko-Test habe man deshalb „wenig Anlass, die Produkte hochzuloben.“

In allen getesteten Kurkuma-Produkten, die sich preislich zwischen 47 Cent und 9,98 Euro pro 50 Gramm bewegen, habe man gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe, kurz MOSH, gefunden. Selbst beim Testsieger seien Spuren festgestellt worden, in den anderen Pulver-Sorten befänden sich gar erhöhte, überwiegend sogar stark erhöhte Anteile an Mineralöl. „Stark erhöht“ bedeuten Werte über 4 Milligramm pro Kilogramm (mehr Testberichte auf RUHR24).

Öko-Test: Nahezu alle Kurkuma-Gewürze mit Mineralöl verunreinigt

In dem Produkt „Edora Kurkuma gemahlen ‚Indischer Safran‘“ wurden sogar die laut Öko-Test „völlig unerwünschten aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) nachgewiesen“. Diese werden laut foodwatch „als potenziell krebserregend, erbgutverändernd und hormonstörend eingestuft.“

Alle Verlierer und Gewinner im Test, Tipps und Tricks zum Kauf und Lagern des Kurkuma-Gewürzes sowie Informationen dazu, wie die Schadstoffe in die Gewürze gelangt sind, gibt es bei Öko-Test (Bezahlartikel). Während nur eine Kurkuma-Sorte mit „sehr gut“ abschneiden konnte, wurden zwei Produkte mit „befriedigend“ und dreizehn mit „mangelhaft“ bewertet. Ganze fünfmal hagelte es das Ergebnis „ungenügend“, darunter fällt auch ein Bio-Produkt. Drei der fünf Verlierer sind:

  • Alnatura Kurkuma gemahlen, Anbieter: Alnatura, Preis pro 50 g: 1,91 Euro, Herkunft: Indien, Mineralölbestandteile: stark erhöht, Pestizidbelastung: 1 Pestizid erhöht, weitere bedenkliche Inhaltsstoffe: nein Testergebnis Inhaltsstoffe: ungenügend, weitere Mängel: ja, Testergebnis weitere Mängel: befriedigend, Anmerkungen: mehr als 0,01 mg/kg eines Pestizids (hier: MCPB)  
    Gesamturteil: ungenügend
  • Bio Kurkuma gemahlen Anbieter: Aldi Nord/Aldi Süd (Merschbrock-Wiese), Preis pro 50 g: 1,99 Euro, Herkunft: Indien, Mineralölbestandteile: stark erhöht, Pestizidbelastung: 1 Pestizid erhöht, weitere bedenkliche Inhaltsstoffe: nein, Testergebnis Inhaltsstoffe: ungenügend, weitere Mängel: nein, Testergebnis weitere Mängel: sehr gut, Anmerkungen: /, Gesamturteil: ungenügend
  • Sonnentor Kurkuma gemahlen, Anbieter: Sonnentor, Preis pro 50 g: 2,99 Euro, Herkunft: Indien, Mineralölbestandteile: stark erhöht, Pestizidbelastung: nein, weitere bedenkliche Inhaltsstoffe: Benzo[a]pyren und PAK-4 über Grenzwert, Testergebnis Inhaltsstoffe: ungenügend, weitere Mängel: ja, Testergebnis weitere Mängel: gut, Anmerkungen: Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Laut Anbieter wird zudem die betroffene Charge (DFI21053101F01) aus dem Verkehr gezogen, da die gesetzlichen Grenzwerte für PAK-4 und Benzo[a]pyren überschritten werden, Gesamturteil: ungenügend

Öko-Test: Kurkuma-Gewürz enthält potenziell krebserregenden Stoff – Anbieter reagiert

Das von Sonnentor in den Handel gebrachten Kurkuma-Gewürz enthält die teils krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) und fiel deshalb „bei der Laboruntersuchung völlig aus dem Rahmen“. Laut dem Bundesamt für Risikobewertung (BfR) besitze das Krebsgift PAK „gesundheitsschädliche Eigenschaften“, sie könnten „nachweislich krebserzeugend sein.“

Der Hersteller habe die betroffene Charge nach Veröffentlichung der Analyseergebnisse umgehend aus dem Verkehr gezogen, teilt Öko-Test mit – nicht das erste Mal, dass Kurkuma wegen gefährlicher Inhaltsstoffe aus den Verkaufsregalen verschwindet. Auch die zahlreichen Nachweise hoher Pestizidwerte, welche die Tester vor allem bei drei Bio-Produkten erstaunten und verärgerte, sorgten für mehrere Notenabzüge.

Das Kurkuma-Gewürz erfreut sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit.

Öko-Test: Anbieter arbeiteten an „Minimierungsstrategien“ gegen Kurkuma-Verunreinigungen

Wenigstens bei den Untersuchungen auf Schimmelpilzgifte und Blei seien laut Öko-Test gute Ergebnisse herausgekommen. Außerdem konnten keine Hinweise auf giftiges Bleichromat, das 2019 noch in Ansätzen bei Kurkuma-Pulver aus Bangladesch gefunden wurde, nachgewiesen werden.

Dies sei „trotz der vielen schlechten Ergebnisse eine gute Nachricht“, urteilten die Tester. Über die überwiegend katastrophalen Analyseergebnisse des großen Kurkuma-Cheks darf das aber nicht hinwegtäuschen. Auf Nachfrage teilten etliche Anbieter Öko-Test mit, dass man sich der Verunreinigungen im Kurkuma-Gewürz bewusst sei und an „Minimierungsstrategien“ arbeiten würde.

Rubriklistenbild: © Westend61/Imago

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