Giftstoffe im Spielzeug

Öko-Test: Knete für Kinder mit gefährlichen Inhaltsstoffen belastet - fast jede zweite fällt durch

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Nicht jede Knete ist zu empfehlen - einige fallen bei Öko-Test durch.

Mit Knete können Kinder kreativ spielen und ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Doch laut Öko-Test ist nicht jedes der Produkte zu empfehlen.

  • Öko-Test hat Knete für Kinder auf ihre Inhaltsstoffe untersucht.
  • Das erschreckende Ergebnis: Mehr als die Hälfte der getesteten Kneten sind mit Mineralöl belastet.
  • Nicht jede Knete konnte den Test bestehen: 7 Produkte fielen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch.

Frankfurt am Main - Es gibt sie in vielen verschiedenen Farben und in verschiedenen Formen sowieso: Knete! Für Kinder ist sie ein ideales Spielzeug, um kreativ zu spielen, Formen zu entdecken und die Feinmotorik zu trainieren. 

Knete kann mehr: Springen, zerfließen, reißen

Inzwischen ist Kinderknete auch nicht einfach nur noch Knete - es gibt sie in verschiedenen Ausführungen. Feste Knete, weiche Knete oder sogenannte Hüpfknete soll die lieben Kleinen beschäftigen.

Hüpfknete "springt wie ein Ball, sie dehnt sich wie ein Kaugummi, sie zerfließt wie Brei, sie lässt sich wie Papier reißen", bewirbt ein Hersteller sein Produkt. Andere versprechen leuchtende Knete oder solche, die die Farbe wechseln kann. Der Fantasie sind beim Angebot genau wie beim Kneten keine Grenzen gesetzt.

Öko-Test muss von sieben Kneten abraten - sie fallen durch

Zwar bietet Knete den Kindern viel Spaß, allerdings leider auch viele Inhaltsstoffe, die laut Öko-Test sehr bedenklich sind. Das Verbrauchermagazin hat 20 Kneten untersucht - mehr als die Hälfte ist mit "mangelhaft" oder sogar "ungenügend" durch den Test gefallen.

Unter den getesteten Kneten sind einige bekannte Marken wie Staedler, Eberhard Faber, Herlitz und Play-Doh. Insgesamt konnten nur fünf Produkte mit "sehr gut" überzeugen. Von sieben Kneten muss Öko-Test abraten. 

Knete im Becher kann überzeugen - Hüpfknete hingegen gar nicht

Bei den Testsiegern, die mit "sehr gut" bewertet wurden, handelt es sich um Knete im Becher. Knete in Stangenform konnte hingegen nicht überzeugen. Einer der Testsieger ist "ÖkoNorm Soft mit vier Knetbechern".

Besonders schlecht haben die fünf getesteten Hüpfkneten abgeschnitten - sie sind allesamt mit "ungenügend" oder "mangelhaft" durchgefallen. Darunter sind Marken wie "Craze Magic Dough magische Superknete" sowie "Intelligente Knete Galaxy". Das gesamte Testergebnis ist auf oekotest.de zu finden.

Öko-Test zieht Punkte für krebserregende Stoffe ab

Inhaltsstoffe wie MOAH, Bor und freies oder abspaltbares Formaldehyd haben laut Öko-Test nichts in Kinderknete zu suchen. Auch wenn die Stoffe nur im Bereich des Erlaubten in der Knete vorhanden waren, gab es massiven Punktabzug und somit auch schlechtere Noten für die Anbieter.

In über der Hälfte der getesteten Kneten konnte das von Öko-Test beauftragte Labor MOAH (Mineralölkohlenwasserstoffe) nachweisen. Darin können sich krebserregende Stoffe befinden, die über die Haut aufgenommen werden können. Und leider ist der Schadstoff nicht nur Knete, sondern auch immer wieder in Lebensmitteln zu finden. Zuletzt hatte Öko-Test Mineralöl bei einem Test in Müsliriegeln gefunden.

Diesen Stoff konnte Öko-Test auch schon in Duschgel für Männer feststellen. Wie die Stoffe in die Knete gelangen, ist nicht endgültig geklärt. Zu den Verunreinigungen kommen kann es über Rohstoffe wie Wachs oder auch durch Verunreinigungen bei der Produktion.

Öko-Test findet Stoffe, die die Fruchtbarkeit beeinflussen können

Neben MOAH hat Öko-Test auch Bor in Knete gefunden. Besonders in Hüpfknete ist der Stoff vermehrt zu finden. Durch ihn kann die zähe Konsistenz der Knete erreicht werden - außerdem ist er mit der Grund für die schlechte Bewertung.

Auch wenn Bor in Spuren lebensnotwendig für den Menschen ist, kann es in großen Mengen die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. In sechs Kinderkneten konnte Öko-Test auffällige Bor-Werte verzeichnen. 

Öko-Test: Bor-Werte sollten so niedrig wie möglich sein

Zwar liegen die Mengen immer im gesetzlichen Rahmen und auch beim Verschlucken größerer Mengen sei nicht mit akuten gesundheitliche Schäden zu rechnen. Dennoch sollten die Gehalte von Borsäure laut Öko-Test und auch laut Bundesinstitut für Risikobewertung "grundsätzlich so niedrig wie mit vernünftigem technischen Aufwand erreichbar" sein.

Somit haben die Tester Knete, die Borsäure enthält, nicht besser als "befriedigend" bewertet - egal ob die Hersteller den gesetzlichen Rahmen nur zu einem Drittel oder zur Hälfte ausgenutzt haben. 

Video: Erkältungsbäder im Öko-Test - über die Hälfte der Produkte fällt durch

Der dritte große Kritikpunkt ist zu viel freies oder abspaltbares Formaldehyd. Der Stoff kann schon in geringen Mengen die Schleimhäute reizen, Allergien auslösen und krebserregend sein. Zwar wurden die gesetzlichen Rahmenbedingungen immer eingehalten, dennoch bewertet Öko-Test die Kneten mit dem Inhaltsstoff streng.

Außerdem kritisiert das Verbrauchermagazin die mangelnde Transparenz bei den Herstellern. Nur zwei von ihnen haben während des Tests Auskunft über ihre Konservierungsstoffe gegeben. Seit Jahren fordert Öko-Test eine Kennzeichnungspflicht für Knete - bisher erfolglos.

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