Bekannte Marke fällt auf

Gefahr für Kinder? Öko-Test testet Modeschmuck

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In Modeschmuck finden sich häufig Nickel, Blei und Cadmium. (Symbolfoto)

Günstiger Schmuck? Öko-Text hat Modeschmuck unter die Lupe genommen und darin giftige Stoffe wie Blei und Nickel gefunden. Es besteht Gefahr für Kinder. 

  • Modeschmuck glänzt und glitzert und ist zudem schön günstig.
  • Allerdings werden oft Schadstoffe wie Blei, Cadmium und Nickel bei der Schmuck-Herstellung verwendet.
  • Öko-Test warnt vor Gift - besonders Kinder seien in Gefahr. 

Dortmund/Frankfurt - Nicht alles was glänzt, ist auch Gold, heißt es - und darin liegt viel Wahres. Denn gerade der günstige Modeschmuck, den es bei Bijou Brigitteclaire's oder H&M zu kaufen gibt, hat mit Edelmetall nicht viel zu tun, wie RUHR24.de* berichtet.

Öko-Test beanstandet Blei, Nickel und Cadmium: Gift in Schmuck gefunden

Eigentlich wäre das kein Problem, wenn die Hersteller nicht giftige und krebserregende Stoffe in den Ketten, Ringen und Ohrringen einsetzen würden. Regelmäßig kritisieren Verbraucherschützer und Behörden zu viel Blei, Nickel, Cadmium und andere Schadstoffe. Öko-Test spricht von Gift in Modeschmuck.

Wie die Tester berichten, landen einige Hersteller in den letzten Jahren immer wieder im Europäischen Schnellwarnsystem für Verbraucherprodukte (RAPEX). Darin werden verschiedene Konsumgüter erfasst, die die Behörden der EU-Länder als gefährlich oder potenziell gefährlich einstufen.

Öko-Test: Erneut zu viel Nickel im Schmuck von Bijou Brigitte

Laut Öko-Test fiel beispielsweise der Schmuckhändler Bijou Brigitte seit 2017 viermal mit erhöhten Nickelwerten auf. Nickel kann allergische Reaktionen verursachen, wenn es über einen längeren Zeitraum Kontakt mit der Haut hat. Allergien gegen den Stoff sind weit verbreitet.

In dem Zeitraum zwischen 2015 und 2019 hat das EU-Schnellwarnsystem rund 60 Mal zu viel Blei beanstandet. Mehr als die Hälfte der Produkte stammt ursprünglich aus China. Blei ist ein schädliches Schwermetall - es kann sich im Körper ansammeln und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Blei kann sogar das Nervensystem und ungeborene Kinder schädigen.

Besonders Kinder sind durch Cadmium und Blei in Schmuck gefährdet

Zu hohe Werte des krebserregendes Schwermetalls Cadmium wurde im gleichen Zeitraum insgesamt 150 Mal gemeldet. Rund 80 Prozent des beanstandeten Modeschmucks stammt aus der Volksrepublik China. Auch Cadmium kann sich im Körper ansammeln und Nieren sowie Knochen schädigen.

Zwar ist die Giftigkeit der Schwermetalle Cadmium und Blei nicht akut, allerdings wird davor gewarnt, die Schmuckstücke versehentlich zu verschlucken - dann kann der Körper die Metalle aufnehmen. Die Gefahr besteht besonders für Kinder. So empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), dass Kinder keinen Modeschmuck tragen sollten:

"Modeschmuck, auch der für Kinder, kann Blei enthalten. Dabei besteht die Gefahr, dass Kinder den Schmuck in den Mund nehmen, daran lutschen, knabbern und auch nur kleinste Teile verschlucken können."

Öko-Test: Grenzwerte für Cadmium und Blei in Modeschmuck überschritten

Wie das Verbrauchermagazin Öko-Test, das kürzlich auch Schadstoffe in Baby-Beißringen gefunden hat, erläutert, sind die Metalle Cadmium und Blei nicht verboten, dennoch werden sie stark reglementiert. Das EU-Chemikalienrecht sieht Höchstwerte von 0,01 Prozent bei Cadmium und 0,05 Prozent bei Blei vor. Trotz der Vorgaben werden diese Grenzwerte regelmäßig überschritten.

Im vergangenen Jahr 2019 veröffentlichte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Ergebnisse des "Bundesweiten Überwachungsplans", dabei wurden besonders niedrigpreisiger Modeschmuck von Märkte und fliegende Händler untersucht.

Februar 2020: Schmuck von H&M, Primark und weiteren Händlern getestet

Von den getesteten Schmuckstücken überschritten rund 8 Prozent die jeweiligen Grenzwerte für Blei und Cadmium. Besonders erschreckend: Bei einigen lag der ermittelte Cadmium- und/oder Blei-Wert bei über 90 Prozent. Der Schmuck besteht somit fast komplett aus giftigen Stoffen.

Und auch der SWR Marktcheck wurde erst im Februar 2020 fündig: Die Reporter haben 15 Schmuckstücke, unter anderem von H&M, Zara, Primark und claire's im Labor untersuchen lassen. Das Ergebnis ist wenig beruhigend.

Erneut ist Bijou Brigitte mit Modeschmuck negativ aufgefallen

Neben Nickel, Blei und Cadmium fanden die Tester auch krebserregende PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) und hormonaktive Weichmacher. In jedem vierten Schmuckstück kamen die bedenklichen Stoffe vor.

Wieder negativ aufgefallen ist Bijou Brigitte: In einem Herrenarmband fanden die SWR-Tester vier verschiedene Weichmacher - zwei davon sind ab Juli 2020 verboten. Bijou Brigitte will das Produkt vom Markt nehmen.

Zeeman und Action fallen mit giftigen Schadstoffen auf

Auch Händler wie Zeeman und der Discounter Action sind negativ aufgefallen. In den Schmuckstücken wurde Cadmium und das unter Krebsverdacht stehende Naphthalin gefunden. Beide Hersteller berufen sich allerdings darauf, dass sie sich an die vorgegeben Grenzwerte halten.

Insgesamt sei das Ergebnis laut SWR aber positiv zu bewerten: Denn von 15 getesteten Produkten kamen elf Produkte ohne giftige Schadstoffe aus. Dennoch weist der Südwestrundfunk darauf hin, dass es immer wieder schwarze Schafe unter den Händlern gibt und rät zu Schmuck aus Edelmetallen.

Die Stiftung Warentest hat kürzlich Balsamico-Essig getestet. Das Ergebnis dürfte den einen oder anderen Kunden überraschen. 

Video: Jeans im Öko-Test - 15 von 21 Hosen enthalten krebsverdächtigen Stoff

Öko-Test empfiehlt beim Kauf von Schmuck, besonders für Kinder, den Händler des Vertrauens oder ein Fachgeschäft aufzusuchen. Die bessere - aber natürlich auch teurere - Alternative sei Modeschmuck, der möglichst regional und mit einem höheren Anteil von Edelmetallen hergestellt wurde. 

Wer Modeschmuck vom Markt oder von fliegenden Händlern kauft, kann sich nicht sicher sein, ob die geltenden Grenzwerte für Blei, Nickel und Cadmium eingehalten werden. Auch Schmuck aus dem Internet oder dem EU-Ausland sei oft bedenklich.

mai

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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