Tester prüfen Fläschchen

Babyflaschen im Öko-Test: Glas und Plastik im Vergleich

Babyflaschen im Öko-Test
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Öko-Test stellt Babyfläschchen auf den Prüfstand. (Symbolbild)

In der aktuellen April-Ausgabe hat Öko-Test Fläschchen für Babys auf den Prüfstand gestellt. Das Ergebnis ist überraschend gut.

Deutschland – Ein derart gutes Testergebnis ist wirklich selten. Die Frankfurter Prüfer können sämtliche der getesteten Fläschchen empfehlen – alle erhalten die Noten „gut“ oder sogar „sehr gut“. In ihrem Fläschchentest gehen die Prüfer von Öko-Test allerdings auch darauf ein, ob Eltern lieber Babyflaschen aus Kunststoff oder Glas verwenden sollten. Dabei bleiben noch einige Fragen offen (mehr Testberichte auf RUHR24.de).

Öko-TestVerbrauchermagazin
ChefredakteurHans Oppermann
verbreitete Auflage113.248 Exemplare

Fläschchen im Öko-Test: Sämtliche der Produkte erhalten „gut“ oder „sehr gut“

Die gute Nachricht für Eltern: Öko-Test kommt insgesamt zu dem Ergebnis, dass sich die Fläschchen-Qualität im Vergleich zu früheren Tests verbessert habe.

So habe man die Babyflaschen „umfangreich“ auf mögliche Schadstoffe hin getestet. Dabei habe man keinerlei Lösemittel oder Weichmacher im Material gefunden – auch kein Bisphenol A (BPA). 

Gefahr durch BPA in Babyflaschen? Bedenklicher Stoff ist mittlerweile verboten

Die separate Erwähnung dieses Stoffes ist damit zu erklären, dass Bisphenol A im Verdacht steht, bei Kindern die sogenannten „Kreidezähne“ zu verursachen. Diese Störung äußert sich durch weiße Flecken auf den Zähnen (daher die Bezeichnung „Kreide“). Die Krankheit macht den Zahnschmelz porös, wodurch die Zähne nicht nur sehr empfindlich, sondern auch anfällig für Karies werden.

Einige Forscher gehen von einem Zusammenhang zwischen Bisphenol A und Kreidezähnen aus. Andere Experten – darunter auch das Bundesinstitut für Risikobewertung – zweifeln dieses aber an. Dennoch ist die Verwendung von BPA bei der Herstellung von Babyflaschen mittlerweile verboten.

Wie Öko-Test erklärt, ist Bisphenol A ein Grundstein für den Kunststoff Polycarbonat, der früher für die Produktion von Babyflaschen verwendet wurde. Alle von Öko-Test geprüften Kunststoffflaschen wurden allerdings nicht mehr aus Polycarbonat, sondern aus Polypropylen gefertigt. Dieser sei – was Schadstoffe angeht – empfehlenswert, bemerken die Tester.

Babyflaschen im Öko-Test: Günstige Drogerie-Produkte erreichen Bestnoten

Dementsprechend können die Prüfer aus Frankfurt die Babyflaschen aus Kunststoff ebenso empfehlen wie solche aus Glas. Die absoluten Gewinner des Testes sind die folgenden Fläschchen:

  • Produkt: Babydream Die Glasflasche 0+ Monate, S, 230 ml; Testergebnis: sehr gut; Anbieter: Rossmann; Preis: 3,49 Euro; Material Flasche / Sauger laut Anbieter: Glas / Silikon
  • Produkt: Babydream Die Klassische Weithalsflasche M, 300 ml, 0+; Testergebnis: sehr gut; Anbieter: Rossmann; Preis: 2,99 Euro; Material Flasche / Sauger laut Anbieter: Polypropylen / Silikon
  • Produkt: Babylove Weithalsflasche von Geburt an M, 280 ml; Testergebnis: sehr gut; Anbieter: Dm; Preis: 2,65 Euro; Material Flasche / Sauger laut Anbieter: Polypropylen / Silikon
  • Alle Verlierer und Gewinner im Test gibt es bei Öko-Test (Bezahlartikel).

Bei den genannten Produkten handelt es sich um vergleichsweise günstige Produkte von Drogerie-Eigenmarken. Dementsprechend lässt sich feststellen, dass Eltern bei Babyflaschen nicht unbedingt zu den teureren Marken greifen müssen. Zahlreiche der getesteten Flaschen waren mit rund sieben bis dreizehn Euro deutlich teurer als die oben gelisteten Testsieger.

Babyflaschen im Öko-Test: Gefahr durch Mikroplastik?

Trotz der erfreulich guten Ergebnisse lässt der aktuelle Öko-Test auch einige Fragen offen. Denn wie die Frankfurter Prüfer selbst bemerken, wurde ein Punkt gar nicht geprüft: ob und wie viel Mikroplastik sich aus den getesteten Fläschchen ablöst. So geben die Tester an: „Öko-Test hat in diesem Test nicht auf Mikroplastik untersucht.“

Als Grund geben die Prüfer an, dass ein entsprechender vergleichender Test nicht so einfach sei. Ebenso sei es derzeit nicht möglich, die Auswirkungen solcher Mikroplastik-Partikel zu bewerten, wenn diese gefunden würden. Außerdem gehe das Bundesinstitut für Risikobewertung nach aktueller Datenlage nicht davon aus, dass Plastikpartikel in Lebensmitteln gesundheitliche Risiken bergen.

Mikroplastik in Babyfläschchen: Experten ohne abschließende Risikobewertung

Auch hier gibt es allerdings Studien, die zu anderen Ergebnissen kommen. So zeigte ein Forscherteam aus Dublin im Jahr 2020 in einer Studie, dass Babyfläschchen aus Polypropylen unter Hitze große Mengen Mikroplastik abgeben. Beim Sterilisieren, durch Erhitzen in der Mikrowelle oder durch Einfüllen von heißem Wasser sind Fläschchen solchen Temperaturen ständig ausgesetzt. Die Forscher testeten dazu verschiedene der häufig gekauften Babyflaschen aus Polypropylen.

Sie kommen zu dem Schluss, dass Säuglinge bis zu einer Million winzigste Partikelteilchen pro Tag zu sich nehmen könnten. Bei den Erwachsenen seien es lediglich rund 600.000 pro Tag. Aktuell warnt Greepeace aber auch davor, dass sich weiterhin zuviel Mikroplastik in Kosmetik befände.

Video – Erschreckende Studie: Weltweit verbreitete Babyflaschen geben zu viel Mikroplastik ab

Die Studie ist bei Nature Food erschienen. Wissenschaftler gehen zwar bislang davon aus, dass die Partikel größtenteils wieder ausgeschieden werden, über die Auswirkungen solcher Partikel im menschlichen Körper weiß man aber noch nicht genug, um das Risiko abschließend zu bewerten. Zu diesem Schluss kommt übrigens auch das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Babyfläschchen im Öko-Test: Glas wird wieder häufiger verwendet

Auch die Frage, ob man lieber Glas- oder Kunststofffläschchen wählen sollte, lässt sich demnach nicht abschließend beantworten. Die meisten Flaschen bestehen mittlerweile aus Kunststoff und nach dem aktuellen Öko-Test sind diese auch empfehlenswert.

Dennoch bleibt das eventuelle Risiko durch Mikroplastik, das aktuell vom Bundesinstitut für Risikobewertung nicht final bewertet werden kann. Auch Öko-Test findet daher, es sei „schön, dass es inzwischen wieder mehr Alternativen zu Kunststoffflaschen“ gebe.

Babyflaschen: Die Vor- und Nachteile von Produkten aus Glas

Glasflaschen seien auch hygienischer, da sie weniger anfällig für Kratzer sind, weshalb sich keine Keime in Rissen ansammeln könnten. Außerdem ist es natürlich auch umweltfreundlich.

Glas als Material für Babyflaschen hat allerdings auch Nachteile. So können die Flaschen leichter zerbrechen, was ein Risiko für Babys darstellen kann. Außerdem sind sie deutlich schwerer und damit unhandlicher. Ein weiteres Problem: Im Dekor (außen) dreier Glasfläschchen fanden die Tester Blei, ein Stoff, der als Nervengift gilt. Die Farbe käme aber nicht mit dem Flascheninneren in Kontakt, weshalb die betroffenen Flaschen dennoch ein „gut“ erhalten.

Eine neue Alternative: Fläschchen aus Edelstahl

Neben Glas- und Kunststofffläschchen gibt es mittlerweile auch Edelstahlflaschen. Diese werden von Öko-Test ebenfalls als gut befunden.

Denn Edelstahl ist leichter als Glas und sehr robust. Noch haben diese Produkte aber einen entscheidenden Nachteil: Sie sind mit rund 20 Euro pro Fläschchen deutlich teuer.

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