Besonders Bio kann nicht überzeugen

Tomatenmark im Öko-Test 2021: Gefährlicher Schimmelpilz häufig entdeckt

Richtig fruchtig wird‘s mit Tomatenmark. Allerdings kann es damit auch richtig eklig werden. Öko-Test hat genauer hingesehen und wenig Appetitliches gefunden.

Dortmund – Tomatenmark ist wohl der Alleskönner in der Küche. Ob für Suppen oder die gute alte Bolognese, ein Spritzer Tomatenmark gibt die Extraportion Fruchtigkeit – lecker! Nicht so lecker ist allerdings das Testergebnis von Öko-Test.

VerbrauchermagazinÖko-Test
ChefredakteurHans Oppermann
HauptsitzFrankfurt

Tomatenmark im Test: Öko-Test findet Schimmelpilze in fast jedem zweiten Produkt

20 tomatige Produkte hat Öko-Test getestet, darunter ein-, zwei- und dreifach konzentriertes Tomatenmark. Das bittere Ergebnis: Fast jedes zweite Produkt ist mit Schimmelpilzen belastet.

Dieses unappetitliche Ergebnis erinnert stark an den Öko-Test zu passierten Tomaten. Wie auch beim aktuellen Test hatten vor allem Bio-Produkte Probleme mit Schimmelpilzen. Auch ein Bio-Mehl ist aktuell von einem Rückruf genau wegen solcher Schimmelpilze betroffen.

Öko-Test untersucht Tomatenmark: Gleiches Problem wie bei den passierten Tomaten

Die Testergebnisse zu den passierten Tomaten erklärten die Bio-Hersteller mit dem Verbot von Fungiziden, da diese nicht gespritzt werden dürften, sei es schwierig, die Schimmelpilzbelastung zu minimieren. Für Öko-Test nur eine faule Ausrede, immerhin hätten es auch andere Hersteller geschafft, die Schimmelpilzbelastung gering zu halten. Verdorbene Tomaten müssten dann eben per Hand oder elektronisch aussortiert werden.

Interessant: Die Hersteller der passierten Tomaten und des Tomatenmarks sind oft identisch, wie Öko-Test schreibt. Ob die Hersteller sich allerdings wieder mit dem Verbot der Fungizide herausreden wollten, ist nicht bekannt.

Schimmelpilze in Tomatenmark: Stoffe können der Gesundheit schaden

Klar ist aber, dass die Tester in fast der Hälfte der getesteten Produkte Schimmelpilze in einer Höhe feststellen konnten, die als „erhöht“ oder sogar als „stark erhöht“ bewertet wurde. Genau handelt es sich um Alternariatoxine, speziell Alternariaol und Tenuazonsäure (TeA).

Die EU-Kommission arbeitet zurzeit an Richtwerten, die aber laut Öko-Test freiwillig sind. Echte Grenzwerte gibt es für die Stoffe nicht. Und das, obwohl sie potenziell Gesundheitsschädlich sein können (mehr Testberichte bei RUHR24).

Alternariaol und Tenuazonsäure (TeA) sind bedenklich. Alternariaol wirkt „in vitro genotoxisch“, schreiben die Tester in der aktuellen Öko-Test-Ausgabe (08/2021). Das bedeutet, dass der Stoff in Zellstudien Erbgut beschädigt hat. Tenuazonsäure kann zu Organschäden führen, indem es die Bildung körpereigener Proteine hemmt. Das wurde in Tierversuchen nachgewiesen.

Öko-Test hat Tomatenmark untersucht und hat Schimmelpilze gefunden.

Tomatenmark bei Öko-Test: Die drei Verlierer im Test 2021

Alternariatoxine stecken in einer Höhe in drei Bio-Produkten, die die geplanten Richtlinien der EU sprengen würden. Daher schneiden sie auch entsprechend ab:

  • Alnatura Tomatenmark 2-fach konzentriert: Mangelhaft
  • Dm Bio Tomatenmark 2-fach konzentriert: Mangelhaft
  • Ener Bio Tomatenmark 2-fach konzentriert (Rossmann): Mangelhaft

Immerhin: In keinem der Produkte wurden Pestizide gefunden. Denn das ist der zweite große Kritikpunkt von den Öko-Testern, die auch Mineralwasser untersucht hatten. In fünf Tomatenmark-Sorten wurden besonders bedenkliche Pestizide nachgewiesen, darunter das bienentoxische Imidacloprid und das in Deutschland bereits verbotene Chlorfenapyr.

Tomatenmark bei Öko-Test 2021: Es gibt auch gute Nachrichten für Verbraucher

Aber Öko-Test sieht nicht nur rot, immerhin schneiden vier Bio-Produkte mit „Sehr gut“ ab. Und auch bei den konventionellen Tomatenmark-Sorten können Verbraucher gerne zugreifen. Drei schneiden mit „Sehr gut“ und zwei mit „Gut“ ab – darunter auch sehr günstige Produkte.

Weitere gute Nachricht: Fast alle verwendeten Tomaten stammen auch wirklich aus Italien. Das sollten sie auch, wenn die Verpackung des Tomatenmarks mit italienischen Flaggen und Bezeichnungen wirbt. Denn die Verwendung der italienischen Nationalfarben sind laut EU-Verordnung nur erlaubt, wenn die Tomaten tatsächlich aus Italien stammen oder auf der Verpackung steht, dass dem eben nicht so ist. 

Rubriklistenbild: © Victoria Maiwald/RUHR24

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