Faustregeln

Obst und Gemüse schimmeln: Wegschneiden nur in wenigen Fällen eine gute Idee

Schimmel an Obst und Gemüse ist für viele ein Grund, es wegzuschmeißen. Bei einigen Sorten reicht es aber auch, die Stellen großzügig wegzuschneiden.

Dortmund – Wenn Obst und Gemüse nach dem Einkauf falsch gelagert werden, schimmeln sie schnell. Oft haben Gurken, Tomaten, Äpfel oder Karotten dann kleine bis größere schimmelige Stellen. Ob sie trotzdem noch gegessen werden können oder lieber in den Müll gehören, hängt von ihrem Wassergehalt ab.

ProblemSchimmelige Stellen an Obst und Gemüse
UrsacheKontakt mit Feuchtigkeit, z.B. durch falsche Lagerung
VorgehenJe nach Wassergehalt wegwerfen oder vom Schimmel befreien und essen

Gesundheitsschädlicher Schimmel auf Lebensmitteln

Was für den Verbraucher vom Schimmel sichtbar ist, ist der sogenannte Schimmelrasen. Das sind die farbigen, meist weißen oder grauen Stellen auf den Lebensmitteln. Wie weit die Pilzzellen sich aber tatsächlich im befallenen Produkt verbreitet haben, ist für das Auge unsichtbar.

Typische Schimmelpilze auf Nahrungsmitteln können gesundheitsschädlich sein. Sie produzieren krebserregende Gifte, die Mykotoxine. Deshalb sollte man langfristig keine verschimmelten Produkte essen. Kurzfristig kann es zu Vergiftungssymptomen wie Erbrechen und Durchfall kommen, Nieren und Leber können geschädigt werden.

Bei gesunden Menschen bringt das Immunsystem den Schimmel schnell unter Kontrolle. Schwangere, Kinder, Menschen mit Diabetes oder Immundefekten sollten bei Schimmel besonders vorsichtig sein und Lebensmittel im Zweifelsfall lieber wegwerfen.

Gehören Obst und Gemüse mit Schimmel in den Müll?

Beim ersten Anzeichen von Schimmelbefall sollte grundsätzlich aber nicht immer die ganze Frucht oder Großpackung unter Generalverdacht gestellt werden. Anhand einiger Faustregeln kann man herausfinden, ob man das befallene Obst oder Gemüse wegschmeißen muss oder noch essen kann.

Ausschlaggebend dafür ist, wie viel Wasser das Obst oder Gemüse enthält. Denn durch die Feuchtigkeit können sich die Pilzsporen und Giftstoffe besonders schnell und stark ausbreiten.

Selbst wenn der äußere Schimmel entfernt wurde, ist die Wahrscheinlichkeit bei feuchten Lebensmitteln also groß, dass sich weitere Sporen in ihnen befinden.

Schimmel breitet sich schnell aus in Früchten und Gemüse mit hohem Wassergehalt

Nektarinen, Himbeeren und allgemein fast alle Obstsorten gehören also schon beim kleinsten Befall in den Müll. Sie enthalten nämlich grundsätzlich viel Wasser. Das gilt auch für Produkte wie Marmelade oder Gelee (mehr Lifehacks bei RUHR24).

Einzige Ausnahme unter den Obstsorten: Äpfel. Wenn bei ihnen nur das Gehäuse befallen ist, kann man das laut Lebensmittelchemikern großzügig herausschneiden, heißt es beim SWR.

Obst lieber wegwerfen? Schimmelige Früchte in der Großpackung

Befindet sich dagegen eine schimmlige Zitrone oder Beere in der Verpackung, muss laut chip.de nicht gleich der gesamte Inhalt weg. Stattdessen sollte das schimmelige Exemplar entfernt werden und zusätzlich alle Früchte, die damit in Berührung gekommen sind.

Bei Gemüse muss man unterschieden. Wegwerfen sollte man Tomaten, Gurken und ähnlich wasserreiches Gemüse. Auch Einfrieren oder Erwärmen können die Giftstoffe nicht abtöten.

Trockene Gemüsesorten: Schimmelige Stellen wegschneiden oder wegwerfen?

Bei Kartoffeln, Zwiebeln, Blumenkohl oder Karotten gehen die Meinungen auseinander. Das Landwirtschaftsministerium der USA sagt, man kann den Schimmel bei sehr trocknen Lebensmitteln wegschneiden. Dazu gehören laut der Behörde auch harte Gemüsesorten.

Bei Karotten sollten wenn nur leichte Schimmelstellen weggeschnitten werden. Bei einem so schweren Befall gehören sie auf jeden Fall in den Müll.

Das gilt aber nur für kleine Stellen, die sehr großzügig entfernt werden sollten. Aber selbst dann ist nicht garantiert, dass das Gemüse nicht mit Schimmel durchzogen ist. Deshalb raten andere Quellen dazu, das befallene Exemplar lieber grundsätzlich zu entsorgen.

Hier gilt also: Jeder muss das Risiko für sich selbst einschätzen und entscheiden. Alexandra Borchard-Becker von der Verbraucher Initiative e.V. empfiehlt gegenüber NDR, im Zweifelsfall lieber einmal mehr etwas wegzuwerfen als einmal zu wenig.

Schimmelbefall verhindern: Obst und Gemüse richtig lagern

Weil der Schimmelbefall so schwer abzuschätzen ist, sollte eine Schimmelbildung am besten frühzeitig verhindert werden. Dazu Obst und Gemüse nach dem Kauf richtig lagern und möglichst rasch verbrauchen.

Außerdem auf Druckstellen untersuchen und diese abschneiden, weil sich dort besonders leicht Schimmel bildet. Den Kühlschrank und Brotkasten am besten einmal pro Woche mit Essigwasser reinigen.

Rubriklistenbild: © Marius Schwarz/Imago

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