Jedes achte Produkt verunreinigt

Nutella und Knorr: Foodwatch fordert Rückruf nach alarmierender Entdeckung

Nutella, Knorr und sogar Alnatura – die Verbraucherorganisation Foodwatch findet europaweit in unzähligen bekannten Marken-Produkten gesundheitsschädliches Mineralöl.

Deutschland – Wie die selbst ernannten „Essensretter“ aktuell mitteilen, habe man in Labortests erneut bedenkliche Mengen an sogenannten aromatischen Mineralölen (MOAH) nachgewiesen, die als gesundheitsgefährdend gelten. Insgesamt waren 152 Produkte bekannter Marken aus Europa im Test. Das Ergebnis: Jedes achte ist belastet.

Foodwatchdeutscher gemeinnütziger Idealverein
Gründung2002
SitzBerlin

Foodwatch-Labortest: Gefährliches Mineralöl in Brühwürfeln, Schokocreme oder Margarine

Für den aktuellen Test hat Foodwatch nach eigenen Angaben Produkte aus Deutschland, Österreich, Belgien, Frankreich und den Niederlanden in zwei verschiedenen Laboren untersuchen lassen. In 19 Produkten (12,5 Prozent) seien Mineralölrückstände nachgewiesen worden, erklärt die Organisation.

Zu den Produkten, die europäischen Ländern mit Mineralöl kontaminiert waren, zählen beispielsweise die folgenden:

  • Milky Way cacao and milk duo creme (Schokoaufstrich, Österreich)
  • Lindt Lindor Milch (Schokoladenkugeln, Österreich)
  • Alnatura Bio Hühner Bouillon (Hühner-Bouillon, Österreich)
  • Fruit D’Or Oméga 3 (Margarine, Frankreich)

Mineralöl in Lebensmitteln: In Deutschland sind Nutella, Nusspli und Knorr-Produkte verunreinigt

Von den getesteten Produkte, die in Deutschland verkauft werden, sind laut Foodwatch die folgenden mit bedenklichem Mineralöl belastet:

  • Nutella,
  • Nusspli Nuss-Nougat-Creme,
  • Brühwürfel (Fette Brühe) von Knorr
  • sowie Bratensauce (Bratensaft Basis) von Knorr.
Gefährliche Mineralöl-Verbindung: Diese 19 europäischen Produkte sind verunreinigt.

Ein Produkt, das in deutschen Supermärkten erhältlich ist, war auch der traurige Spitzenreiter bei den Belastungswerten: Der Knorr Bratensaft Basis habe 82 mg/kg MOAH enthalten, kritisiert Foodwatch. Auch die Knorr-Bouillonwürfel des Herstellers Unilever seien in mehreren Chargen in den fünf Ländern stark mit MOAH kontaminiert.

Bei Nutella sei eine Charge aus Deutschland mit 2,3 mg/kg Mineralöl verunreinigt gewesen – Nutella aus anderen europäischen Ländern war aber unauffällig.

Lebensmittel-Skandal in Deutschland? Verbraucherschützer fordern Rückrufe

Saskia Reinbeck von Foodwatch meint dazu: „Die Testergebnisse zeigen, dass es zwar viele Hersteller mittlerweile schaffen, Produkte ohne krebsverdächtige Mineralöle herzustellen, einige jedoch nicht. Knorr-Produkte von Unilever sind in allen untersuchten Ländern teils enorm hoch mit krebsverdächtigen Mineralölen belastet – sie müssen sofort aus den Verkaufsregalen verschwinden.“

Und weiter: „Nutella-Hersteller Ferrero hat offenbar ein Problem mit seiner Qualitätssicherung, sonst dürfte keine einzige Nutella-Charge MOAH enthalten.“

Grundsätzlich fordert Foodwatch, dass sämtliche Produkte, bei denen die Kontamination mit MOAH über der Grenze von 0,5 mg/kg liegt, zurückgerufen werden (Rückrufe auf RUHR24). Die Essensretter betonen, ihre Testergebnisse seien ein echter „Skandal“, insbesondere deshalb, weil das Problem bereits seit Langem bekannt sei.

Tatsächlich weist auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schon jahrelang auf die Mineralöl-Kontamination von Lebensmitteln hin. Und auch das Verbrauchermagazin weist in seinen regelmäßigen Testberichten immer wieder Mineralöl in verschiedensten Lebensmitteln nach – beispielsweise in Erdnüssen, in Sonnenblumenöl oder auch in Margarine.

Mineralöl in Lebensmitteln kann sich im Körper anreichern

Die Kontamination von Lebensmitteln werde dabei durch zwei Arten von Mineralölen verursacht, verdeutlicht Foodwatch:

  • aromatische Mineralöle (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons, MOAH)
  • und gesättigte Mineralöle (Mineral Oil Saturated Hydrocarbons, MOSH)

Sämtliche Mineralölbestandteile, die mit der Nahrung aufgenommen werden, können sich im menschlichen Körperfett anreichern. Insbesondere in Leber, Herzklappen und Lymphknoten könnten sich Ablagerungen bilden, erklärt das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) Niedersachsen.

Mineralöl in Nutella und Knorr-Produkten – so gefährlich ist MOAH

MOSH kommen dabei in Lebensmitteln grundsätzlich häufiger vor als MOAH. Die „aromatischen Mineralöle“ (MOAH), die Foodwatch jetzt in zahlreichen Produkten nachweist, gelten aber als noch gefährlicher.

Laut der Europäische Lebensmittelbehörde EFSA können (MOAH) als „genotoxische Karzinogene wirken“. Mit anderen Worten: Potenziell können diese Stoffe sowohl die DNA schädigen als auch Krebs auslösen.

Grundsätzlich seien Kontaminationen von Lebensmitteln mit Mineralöl aufgrund der Gesundheitsgefahr unerwünscht, erklärt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Die ganz genauen gesundheitlichen Auswirkungen seien aufgrund der unzureichenden Datenlage dabei noch unklar.

Das BfR erklärt: Mineralöl gelangt über die Verpackungen in Lebensmittel

Solche MOAH können ungewollt bei der Produktion in Lebensmittel gelangen, verdeutlicht das LAVES Niedersachsen auf seiner Webseite – beispielsweise aus Recyclingverpackungen, Druckfarben oder Maschinenöl.

Wie BfR erklärt, seien insbesondere Kartons betroffen, die aus recyceltem Druckerpapier hergestellt würden. Daher sei besonders bei trockenen Lebensmitteln wie beispielsweise Mehl, Grieß, Reis, Semmelbrösel oder Frühstückszerealien ein Übergang der Mineralöle aus der Verpackung auf die Lebensmittel zu erwarten. Wie die aktuellen Labortests von Foodwatch zeigen, sind aber allem Anschein nach auch zahlreiche weitere Lebensmittel in Europa verunreinigt.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa, Foodwatch; Collage: RUHR24