Stufen-Plan vorgestellt

Corona-Lockdown in NRW: Wie die Schulen im Januar wieder starten sollen

Für viele Eltern ist es DIE Frage seit dem Lockdown: Wie wird es in den Schulen weitergehen? NRW legt jetzt einen Plan vor – der Worst Case wird ignoriert.

NRW – Das Ministerium für Schule und Bildung hat die Schulen in Nordrhein-Westfalen jetzt in einer Mail über den Plan für die Wiederaufnahme des Unterrichtsbetriebs ab dem 11. Januar 2021 informiert. Darin aufgenommen sind drei Szenarien, wie es – je nach Infektionsgeschehen – weitergehen soll.

Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen Landesministerium
Adresse Völklinger Str. 49, 40221 Düsseldorf
Gründung 1946
Ministerin Yvonne Gebauer

Schulstart nach den Weihnachtsferien in NRW – Präsenzunterricht nicht sicher

Tatsächlich ist derzeit aufgrund der kritischen Corona-Lage noch nicht klar, ob es ab 11. Januar mit dem angepassten Schulbetrieb mit entsprechenden Hygienemaßnahmen weitergehen kann. Dazu heißt es in der Schulmail, das müsse sich „Anfang Januar 2021 im Lichte des dann zu beobachtenden Infektionsgeschehens erweisen.“

Die konkrete Entscheidung zur Ausgestaltung des Schulstarts soll, so Schul- und Bildungsministerin Gebauer, unmittelbar nach dem 5. Januar getroffen werden. Für dieses Datum ist eine Sitzung der Regierungschefinnen und Regierungschefs mit der Bundeskanzlerin geplant. Auf Basis der Beratungsergebnisse will die Landesregierung bis zum 7. Januar 2021 entscheiden, wie der Schulbetrieb ab dem 11. Januar 2021 ausgestaltet werden wird (alle Entwicklungen zur Corona-Pandemie in NRW bei RUHR24.de)

Wiederaufnahme des Schulbetriebs – Stufenplan der Schul- und Bildungsministerin

Um auf den Fall vorbereitet zu sein, dass das Infektionsgeschehen eventuell keinen regulären Präsenzunterricht zulässt, veröffentlich das Landesministerium folgenden Stufen-Plan, der verschiedene Szenarien berücksichtigt:

  • Stufe 1, angepasster Schulbetrieb: Präsenzunterricht unter Berücksichtigung der bekannten und strengen Hygieneregeln. Nur in Einzelfällen können Schulleiterinnen und Schulleiter nach Maßgabe der Distanzlern-Verordnung (DistanzlernVO) Distanzunterricht einrichten. Und zwar nur dann, wenn das Angebot an Präsenzunterricht an der Schule sonst nicht aufrechterhalten werden kann.
  • Stufe 1+, angepasster Schulbetrieb in Hotspots: Erweiterungen im Rahmen der in Nordrhein-Westfalen gültigen Hotspot-Strategie für besonders vom Infektionsgeschehen betroffene Schulen in Kommunen mit einer 7-Tages-Inzidenz oberhalb von 200. Die Ordnungsbehörden in den Kreisen oder kreisfreien Städten können durch Allgemeinverfügung schulspezifische Einschränkungen des Schulbetriebs anordnen – in Abstimmung mit dem Arbeitsministerium und dem Schulministerium. Das kann u.a. ein Wechselmodell von Präsenz- und Distanzunterricht ab der Jahrgangsstufe 8 (mit Ausnahme von Abschlussklassen) sein. 
  • Stufe 2, landesweit eingeschränkter Schulbetrieb: Der Schulbetrieb wird landesweit eingeschränkt. Ab einschließlich Klasse 8 kann Distanzunterricht im Wechsel von Präsenz- und Distanzbetrieb (mit Ausnahme der Abschlussklassen) vorgesehen werden. Zudem kann eine generelle Maskenpflicht verordnet werden. Bei besonders kritischer Infektionslage können auch weitere Einschränkungen beschlossen werden. Die Klassen 1 bis 7 sollen weiter Präsenzunterricht haben, wann immer es möglich ist. Für einen solchen landesweit eingeschränkten Schulbetrieb bedarf es einer Grundsatzentscheidung der Landesregierung.

NRW-Stufenplan für den Schulbetrieb in Corona-Zeiten:

NRW informiert: Stufen-Plan für den Schulstart

Weitere Infos zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs nach den Weihnachtsferien

Ministerin Gebauer informiert bereits jetzt über weitere Neuigkeiten für den Schulstart im Januar. So sollen alle Lehrkräfte und das weitere Personal an den Schulen mit FFP-2-Masken ausgestattet werden.

Zudem sollen die Schulen und Schulträger von der Möglichkeit eines gestaffelten Unterrichtsbeginns in der Zeit von 7 bis 9 Uhr Gebrauch machen. Denn gerade auf dem Schulweg, z.B. in überfüllten Bussen, sehen Experten ein hohes Infektionsrisiko.

Mit dem Stufenplan will das Schulministerium den Schulen die Möglichkeit geben, sich auf verschiedene Entwicklungen der Corona-Fallzahlen einzustellen. Klar ist zum jetzigen Zeitpunkt aber auch: Was die genauen Abläufe angeht, müssen Lehrer und Eltern sich noch etwas gedulden (alle aktuellen News zum Coronavirus im Live-Ticker auf RUHR24.de).

Stufen-Plan vernachlässigt den Worst-Case – Schulen auf den schlimmsten Fall nicht vorbereitet

Mit dem vorliegenden Plan bleiben allerdings zahlreiche Fragen offen. Unklar ist beispielsweise die Situation in Grundschulen und in den unteren Klassen. Wird am Präsenzunterricht für die Klassen 1 bis 7 auch weiter festgehalten, wenn das Infektionsgeschehen weiter derart kritisch ist?

Überhaupt sind die Pläne eher optimistisch. So äußert sich auch Ministerin Gebauer, dass es noch eine „weitere Eskalationsstufe“ gebe, die aber hier bewusst nicht aufgeführt sei. Mit anderen Worten: Es gibt scheinbar ein Konzept für den schlimmsten Fall, dass die Infektionen noch weiter steigen. Darüber werden Eltern und Lehrer aber noch nicht informiert.

Entsprechend äußert sich laut WAZ-Bericht auch Maike Finnern, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): „Es verfestigt sich der Eindruck, dass das Ministerium den Ernst der Lage ignoriert.“

Auch die Verlängerung der Winterferien bis Ende Januar lehnt Gebauer weiterhin ab. Viele Experten wie die GEW oder SPD-Politiker Karl Lauterbach fordern daher dringend, die strengeren Empfehlungen des RKI für Schulen endlich umzusetzen. Auch viel Eltern empfinden es als sehr fragwürdig, dass der oft befolgte Rat des RKI ausgerechnet in der Schulpolitik in großen Teilen ignoriert wird.

Pläne zum Schulstart in NRW – bislang geteilte Resonanz

Dass die Ministerin nun doch endlich alternative Modelle zulässt – wie Wechsel- oder Distanzunterricht, findet hingegen viel Zustimmung. Dieses war aber auch durch den immer stärker werdenden Druck sowie die steigenden Corona-Fallzahlen fast unvermeidbar – und überfällig. Einige Schulen aus NRW hatten Gebauer bereits im November für das Festhalten am Präsenzunterricht kritisiert.

Lob erntet die Ministerin auch dafür, dass die Mail an die Schulen so frühzeitig kam – sogar noch vor Weihnachten. Zumindest für den Fall, dass die Corona-Lage in NRW sich bis dahin hoffentlich gebessert hat, können die Schulen auf Basis des Stufenplans Vorbereitungen treffen.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

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