Verbraucherzentrale sauer

Nivea-Creme plötzlich teurer – und keiner sollte es merken

Die blaue Dose von Nivea hat jeder schon einmal gesehen. Doch wie gut ist die Creme der Marke wirklich? 
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Die blaue Dose von Nivea hat jeder schon einmal gesehen. Doch wie gut ist die Creme der Marke wirklich? 

Nivea ist wohl eine der beliebtesten Kosmetikmarken der Deutschen. Eine dreiste Preiserhöhung für eine Creme hat nun aber viele Kunden verärgert.

Dortmund/Hamburg – Beiersdorf, der Hersteller von Nivea, hat das Design bei der „Nivea Hand Creme Intensive Pflege“ verändert – und dabei klammheimlich den Preis erhöht. Kunden reagierten verärgert auf den Preissprung – denn am Inhalt hat sich nichts geändert. Doch das ist längst nicht alles.

MarkeNivea
HerstellerBeiersdorf AG
Markteinführung1911
ProduktlinienU.a. Handcreme, Seife, Bodylotion, Duschgel, Kosmetik, Sonnencreme

Nivea-Creme plötzlich teuerer: Kunden werden hinters Licht geführt

Die Verbraucherzentrale Hamburg kürt in regelmäßigen Abständen dreiste Mogelpackungen. Sprich: Wenn Unternehmen mit fiesen Tricks die Kunden hinters Licht führen wollen und versuchen Preiserhöhungen durch neues Design oder Werbeversprechen zu verschleiern.

Im April hat es Nivea getroffen, denn Beiersdorf hat gleich auf mehreren Ebenen versucht, die Kunden auszutricksen. Ein angepasster Name, eine neue Verpackung und ein vermeintliches Gratisangebot sollten über eine Preiserhöhung hinwegtäuschen. Einigen Kunden ist das allerdings aufgefallen und sie haben sich bei der Verbraucherzentrale beschwert.

Nivea-Creme kostet mehr: Neues Design, gleicher Inhalt, höherer Preis

So hatte Beiersdorf die Verpackung für die Nivea-Creme geändert. Statt der abgerundeten Tube, gibt es die „Hand Creme Intensive Pflege“ ab sofort in einer Kopfsteher-Tube zu kaufen. Und auch der Name hat sich laut Verbraucherzentrale Hamburg geändert: Statt „Intensive“ heißt die Handcreme jetzt „Intensive Pflege“.

So weit, so gut. Neue Designs und Namensänderungen sind durchaus bei Produkten von Zeit zu Zeit üblich. Das Problem bei Nivea: Die Handcreme wird nur noch mit 75 statt wie bisher 100 Milliliter Inhalt verkauft – kostet aber wie bisher 1,85 Euro. Das ist ein Preisanstieg von 33 Prozent.

Verbraucherzentrale vergleicht die Preise für die Nivea-Creme – und ist schockiert

Laut Angaben von Beiersdorf ist das neue Design seit September 2020 auf dem Markt. Noch lässt sich die Nivea-Creme vereinzelt mit der alten Packung im Handel finden – unter anderem in einer Edeka- und einer Aldi-Nord-Filiale.

Die Verbraucherzentrale hat zum Beweis diese miteinander verglichen und festgestellt: Das Produkt kostet nach wie vor 1,85 Euro – allerdings mit weniger Inhalt. Bei Rossman war die „neue“ Handcreme sogar zeitweise 40 Prozent teurer.

Das ist übrigens nicht die erste Watsche, die Beiersdorf für seine Kosmetika kassiert. Bei einem Produkttest schnitten Pflegeprodukte von Nivea äußerst schlecht ab. Grund für die schlechten Ergebnisse war die mangelnde Qualität der Creme. Und auch bei Stiftung Warentest wurden im Gesichtscreme-Test die hinteren Ränge mit Nivea-Produkten belegt (mehr Testberichte auf RUHR24).

Die Handcreme von Nivea wird nur noch mit 75 statt wie bisher 100 Milliliter Inhalt verkauft – kostet aber wie bisher 1,85 Euro. Das ist ein Preisanstieg von 33 Prozent.

Nivea: Dreistes Werbeversprechen soll Preiserhöhung verschleiern

Besonders dreist: Nivea wirbt aktuell im Rahmen von Sonderaktionen mit 100-Milliliter-Tuben und dem Zusatz „+33% gratis“ für die Handcreme. Die Verbraucherzentrale ist jedoch der Meinung, dass es sich dabei nicht mehr als um eine dreiste Werbemasche handelt.

Denn immerhin betrug die alte Füllmenge der Nivea-Creme standardmäßig 100-Milliliter. Das Gratisversprechen greift hier also nur bedingt. Und die Liste der Vorwürfe geht noch weiter.

Nivea verspricht neue Rezeptur: Auf dem Papier hat sich jedoch nichts geändert

Denn als ob es nicht schon genug wäre, dass Kunden mit einem neuen Design über einen erhöhten Preis hinweggetäuscht werden sollen, verspricht Nivea auf der kleinen Packung auch noch eine verbesserte Rezeptur. Doch auch hier hat die Verbraucherzentrale einmal genauer hingesehen.

Die vermeintlich neue Creme wird mit dem Zusatz „vegane Formel“ beworben. Ein Vergleich mit der alten Rezeptur zeigt jedoch: Auch die alte Creme war schon vegan, ohne dass das besonders hervorgestellt wurde. Außerdem findet sich seit Neustem der Hinweis, dass in der Handlotion nicht nur Mandelöl, sondern auch Shea-Butter enthalten sei. Ein Blick auf die Inhaltsliste der alten Creme verrät jedoch: Neu ist das nicht.

Video: Verbraucherschützer schlagen Alarm: Achtung, Corona-Mogel-Packungen

Wie merkur.de* berichtet, ist Beiersdorf übrigens nicht das einzige Unternehmen, das mit dem neuen Design für die Nivea-Creme eine Preiserhöhung verschleiern will. Die Verbraucherzentrale konnte im Zuge von Corona bei zahlreichen anderen Produkten einen höheren Preis trotz gleichbleibendem Inhalt feststellen.

Nivea: Verbraucherzentrale fühlt Beiersdorf auf den Zahn - und erhält ausweichende Antwort

Die Verbraucherzentrale hat bei Beiersdorf nachgefragt und das Unternehmen mit der verschleierten Preiserhöhung konfrontiert. Sie wollten wissen, wie hoch die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) vor und nach dem Relaunch war. Der Nivea-Hersteller hat darauf reagiert und indirekt die Preiserhöhung bestätigt, allerdings ohne mit offenen Karten zu spielen.

„Im Rahmen eines Relaunches unseres Basishandpflegesortiments im September 2020 wurden zum Teil die Formeln sowie die Umverpackung unserer Produkte überarbeitet. Diese Änderungen haben zu höheren Kalkulationen beigetragen.“

Sprecherin der Beiersdorf AG gegenüber der Verbraucherzentrale Hamburg

Auf die veränderte Rezeptur ging die Sprecherin der Beiersdorf AG jedoch nicht ein. Ob und was sich an der Rezeptur tatsächlich geändert hat, bleibt also weiterhin unklar. Klar ist jedoch: Transparent für den Kunden ist das nicht. *Merkur ist ein Angebot des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA