Ärger für Streaming-Fans

Netflix schmeißt Serien oft nach wenigen Staffeln raus – das steckt dahinter

Netflix schmeißt viele seiner Serien bereits nach zwei oder drei Staffeln wieder aus dem Programm. An mangelndem Erfolg liegt das aber nicht. Wir verraten die wahren Beweggründe.

Deutschland – Einigen Netflix-Usern wird es bereits aufgefallen sein: Die meisten Serien werden trotz guter Zuschauerzahlen bereits nach wenigen Staffeln wieder abgesetzt. Nur wenige Shows, darunter Hits wie „Stranger Things“ oder „Elité“, bekommen eine vierte oder gar fünfte Staffel. Denn Netflix hat überraschende Kriterien, die darüber entscheiden, ob eine Serie verlängert wird oder nicht.

StreamingdienstNetflix
User in Deutschland11,9 Millionen (2020)
Bekannte Serien in EigenproduktionStranger Things, Elité, Haus des Geldes

Netflix: Gute Einschaltquoten reichen nicht aus, damit Serien um neue Staffeln verlängert werden

An neuen Serien mangelt es bei Netflix nicht: Jeden Monat erscheinen beim Streamingdienst dutzende neue Staffeln. Doch nur in den wenigsten Fällen handelt es sich dabei um Verlängerungen bereits bekannter Formate. Stattdessen hagelt es Neuerscheinungen (mehr digitale News auf RUHR24).

Für Serienfans ist die Vorgehensweise von Netflix frustrierend, vor allem weil viele der schnell abgesetzten Serien eine große Fanbase haben. Doch das allein reicht dem Streamingdienst nicht aus – genauso wie gute Einschaltquoten.

Verlängerung von Netflix-Serien: Die Messwerte der Zuschauer müssen stimmen

Viel mehr kommt es Netflix auf die folgenden drei Messwerte an, wie der Konzern dem britischen Parlament verriet:

  • Zahl der Haushalte, die eine Serie überhaupt anfangen
  • Haushalte, die eine Serie bis ganz zum Ende schauen
  • Gesamtzahl aller Zuschauer

Wie man anhand dieser Messwerte sehen kann, ist es also völlig egal, ob eine Serie viele Fans hat oder nicht. Für Netflix sind einzig und allein die oben genannten Zahlen wichtig. Und die werden regelmäßig ausgewertet: einmal sieben Tage nach Start einer neuen Staffel und dann noch einmal nach vier Wochen.

Heißt konkret: Sollten nach 28 Tagen zu wenige Zuschauer eine neue Netflix-Staffel zu Ende geschaut haben, dann sieht es schlecht aus für eine Verlängerung. Demnach tragen also auch User, die Serien zwar mögen, diese aber besonders langsam gucken und mehr als vier Wochen für die Vollendung brauchen, dazu bei, dass die Staffel nicht verlängert wird.

Netflix: Produktionskosten für Serien sind beim Streamingdienst besonders hoch

Hinter der Vorgehensweise von Netflix steckt wirtschaftliches Kalkül: Damit sich die Produktion einer neuen Staffel auch lohnt, muss sie ausreichend Zuschauer haben. Die Messung nach sieben beziehungsweise 28 Tagen scheint sich für die Abschätzung wohl am besten zu eignen, wenn es nach der Einschätzung des Konzerns geht. So würden echte Fans eine neue Staffel wohl binnen kürzester Zeit durchschauen. Bei Personen, die für wenige Folgen bereits mehr als vier Wochen brauchen, bleibt es fraglich, ob sie die Staffel überhaupt zu Ende bringen.

Die Gründe für Netflix‘ radikale Vorgehensweise liegen auf der Hand: Anders als bei TV-Produktionen oder beim Streaming-Konkurrenten Amazon Prime bestellt Netflix keine Pilotfolge, sondern direkt ganze Staffeln. Dadurch kann vorab schlecht getestet werden, ob eine Serie laufen wird oder nicht.

Im Gegensatz zu Amazon Prime bestellt Netflix gleich ganze Staffeln, weshalb das wirtschaftliche Risiko besonders hoch ist.

Serien-Staffeln bei Netflix: Nach der zweiten Staffel explodieren die Kosten für Schauspieler und Sets

Dazu kommt die finanzielle Mehrbelastung: TV-Sender und Produzenten teilen sich in der Regel die Produktionskosten für Serien. Netflix zahlt jedoch alles alleine und muss zudem auf Einnahmen aus Lizenzen verzichten, denn die Eigenproduktionen werden nicht an andere Sender verkauft.

Die zusätzlichen Kosten können durch weitere Staffeln oder durch höhere Kosten für die Abos kaum reingeholt werden, denn nach der zweiten Staffel steigen die Produktionskosten für Serie stark an und werden in der dritten Staffel noch höher. Die Gründe dafür: Die Verträge mit den Schauspielern gelten meist nur für zwei Staffeln und müssen danach neu verhandelt werden. Ist eine Serie besonders erfolgreich, dann können die Darsteller natürlich noch mehr Gage verlangen. Nach der zweiten Staffel kommen aber kaum noch neue Fans dazu, die die Mehrkosten ausgleichen könnten.

Rubriklistenbild: © Jenny Kane/dpa

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