Verwirrender Nutri-Score

Nestlé-Kakao ist „gesund“: Verbraucherzentrale warnt vor Schönrechnerei

Ein Kakao von Nestlé besteht zu 70 Prozent aus Zucker und ist laut Nutri-Score dennoch „gesund“. Wie kann das sein, hat sich die Verbraucherzentrale gefragt. Hier die Antwort.

Dortmund/Hamburg – Dass der Nutri-Score, das Ampelsystem, das über gesunde Lebensmittel aufklären soll, seine Schwächen hat, ist längst klar. Aber dass nun Trinkschokolade von Nestlé gesund sein soll, macht die Verwirrung für viele Kunden perfekt. Die Verbaucherzentrale Hamburg hat sich die kuriose Auszeichnung mal genauer angesehen.

Nutri-ScoreSystem zur Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln
EinführungSeit 11.2020 (freiwillig für Unternehmen)
SymboleEine Skala A (sehr gut) bis E (ungesund) gibt Aufschluss über die Nährwerte

Kakao von Nestlé ist laut Nutri-Score gesund: So funktioniert die Nährwertskala

Am 6. November 2020 ist in Deutschland der Nutri-Score offiziell in Kraft getreten. Das Problem: Für Unternehmen ist er weiterhin keine verpflichtende Angabe, sondern kann freiwillig auf die Produkte gedruckt werden. Dort soll er aber Aufschluss über die Nährwerte von Lebensmitteln geben.

Das tiefgrüne A steht dabei für sehr gesund, das dunkelrote E für ist ernährungsphysiologisch nachteilig, sprich ungesund. Bei der Bewertung werden Proteine, Ballaststoffe, Obst und Gemüse oder gesunde Fette positiv bewertet. Negativ wirken sich laut Informationen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft Zucker, Salz, gesättigte Fettsäuren oder ein niedriger Energiegehalt aus.

Verwirrung um Nutri Score: Nesquik-Kakao ist gesund

Klingt eigentlich logisch. In der Realität sieht das oftmals aber ganz anderes aus. Scheinbar gesunde Produkte sind mit mittelmäßigen Buchstaben ausgezeichnet, augenscheinlich ungesunde Dinge haben ein A aufgedruckt. Das sorgt für Verwirrung. So auch bei dem Kakao „Nesquik“ von Nestlé.

Die Trinkschokolade trägt den Nutri-Score B, obwohl es zu mehr als 70 Prozent aus Zucker besteht. Aufgrund einiger Hinweise von Kunden hat sich die Verbraucherzentrale Hamburg gefragt, wie das sein kann. Sie haben sich die Bewertung des zuckersüßen Kakaos einmal genauer angesehen und Erstaunliches festgestellt (mehr Warnungen und Rückrufe bei RUHR24)

Kakao von Nestlé enthält viel Zucker und ist trotzdem „gesund“: Das ist der Hintergrund

Wie die Verbraucherschützer herausgefunden haben, spielen bei der guten Bewertung der Nesquik-Schokolade gleich mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen wird der Kakao als Milchprodukt eingeordnet und nicht als Getränk. Zum anderen ist die Grundlage für die B-Auszeichnung die fertig zubereitete Trinkschokolade und nicht das reine Schoko-Pulver.

Genau deshalb schneidet der Nestlé-Kakao im Gesundheitscheck gut ab. Denn für die Bewertung wird davon ausgegangen, dass die Schokolade mit Milch angerührt wird. Und Laut Nutri-Score gilt Milch als gesund, denn sie enthält im Gegensatz zu anderen Getränken viele Nährstoffe. Auf der Skala bekommt die reine Milch ein A – allerdings nur wenn sie fettarm ist.

Die Trinkschokolade von Nestlé ist laut Nutri-Score „gesund“, sie ist mit einem B ausgezeichnet.

Diese Bewertung hat sich auch Nestlé zunutze gemacht und gibt auf der Nesquik-Packung folgende Empfehlung für die Zubereitung an: Für 100 Milliliter Kakao sollte man 95 Milliliter fettarme Milch mit rund sechs Gramm Schokopulver mischen. Die Trinkschokolade würde dann etwa fünf Gramm Zucker enthalten.

Nesquik-Kakao laut Nutri-Score gesund: Nestlé betreibt Schönrechnerei

Nestlé hat vermutlich die fettarme Milch gewählt, weil sie die Schokolade besser dastehen lässt. Würde man nämlich den Kakao mit Vollmilch anrühren, würde das Produkt nur ein C bekommen, da Vollmilch mehr Kalorien und gesättigte Fettsäuren enthält.

Mit dem Hintergrund, dass in Deutschland deutlich mehr Menschen Vollmilch statt fettarmer Milch nutzen, übt die Verbraucherzentrale Kritik an Nestlé und wirft im vor, die Angaben schön zu rechnen.

„Gesunder“ Kakao von Nestlé: Verbraucherschutz übt Kritik

Ein weiterer Kritikpunkt der Verbraucherschützer setzt an anderer Stelle an: So ist die Bezugsgröße für den Nutri-Score immer eine Menge von 100 Milliliter. Nestlé empfiehlt für seinen Kakao aber eine Portionsgröße von mindestens 200 Milliliter. Bewertet wird dennoch nur die kleine Größe, dadurch hinkt der vermeintlich gute Nutri-Score für den Nestlé Kakao ebenfalls.

Die Verbraucherzentrale aus Hamburg gibt daher zu bedenken, dass der Nutri-Score bei Getränken an seine Grenzen kommt und mitunter wenig aussagekräftig ist. Das Kakao-Pulver würde nämlich eigentlich ein D bekommen, was für wenig Nährwerte spricht. Nur durch den Zusatz der fettarmen Milch wird das Produkt aufgewertet.

Kunden und Schoko-Fans sollten sich daher bewusst machen, dass Nesquik viel Zucker enthält und der Kakao daher keineswegs als Durstlöscher geeignet ist oder in großen Mengen getrunken werden sollte.

Rubriklistenbild: © Andrew Burton/AFP, Patrick Pleul/dpa, Collage: RUHR24

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