Energiekrise

Nestlé reagiert auf Gas-Krise: Kunden droht Verzicht auf Süßigkeit

Wegen der Verschärfung der Gas-Versorgungskrise muss sich auch Nestlé auf harte Zeiten einstellen. Einige Produkte könnten in Zukunft verschwinden.

NRW – Die Gas-Krise hat die deutsche Wirtschaft fest im Griff. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) haben jüngst die Verbraucherinnen und Verbraucher auf eine schwere und vor allem lang anhaltende Versorgungskrise eingestellt. Beim Einkaufen in Supermärkten und Discountern bei Aldi, Lidl oder Edeka könnten beispielsweise Nestlé-Produkte aus den Regalen verschwinden.

Nestlé S.A., kurz NestléWeltgrößter Nahrungsmittelkonzern und größtes Industrieunternehmen der Schweiz
Umsatz87,1 Milliarden CHF (2021)
HauptsitzVevey, Schweiz

Gas-Krise: Lebensmittelhersteller Nestlé stellt sich auf schwierige Zeiten ein – mit Folgen für Kunden

Wie die Lebensmittel Zeitung (LZ) berichtet, stelle der laut dem tageblatt weltgrößte Nahrungsmittelkonzern „seine deutschen Werke darauf ein, mit einem Mangel an Gas umzugehen“. Ein möglicher Stopp russischer Gaslieferungen und eine Gas-Knappheit könne nicht nur für Städte und Kommunen, sondern auch in der Lebensmittelindustrie fatale Folgen haben.

Schließlich sei ein „Einbruch der Wirtschaftsleistungen zwischen sechs und 12 Prozent“ denkbar, prognostizieren Institute laut dem Handelsblatt. Angesichts solcher Zahlen trifft Nestlé Vorbereitungen – und hat klare Forderungen an die Politik.

Gas-Krise: Nestlé fordert von der Politik schnellere Genehmigungen für Umrüstung auf Öl

Geht es nach dem Konzern, sollten die Behörden flexibler sein und Bürokratie übergangsweise abgebaut werden. Denn wenn das Gas tatsächlich abgeschaltet werden sollte, könnte die Produktion von Gas auf Öl als Kraftstoff umgestellt werden.

In diesem Fall sollten „Genehmigungsverfahren etwa für die technische Umrüstung von Gas- auf Ölbrenner“ beschleunigt, behördliche Auflagen erleichtert und bürokratische Hürden abgebaut werden, so Nestlé-Manager Jörg Schmitt gegenüber der LZ. Nestlé-Konkurrent Mondelez hatte laut der LZ bereits angekündigt, seine Milka-Produkte notfalls ohne Gas herstellen zu wollen.

Gas-Krise: Nestlé will weiterhin produzieren – Fokus liegt aber auf bestimmten Produkten

Schließlich wolle sich Nestlé in Krisenzeiten „flexibler und schneller auf die neue Situation“ einstellen, so Schmidt weiter. Konkret plane Nestlé laut der LZ im Falle eines Gasmangels lebensnotwendigeren Artikeln den Vorrang gegenüber anderen Produkten einzuräumen.

Auf RUHR24-Anfrage wollte Nestlé allerdings dazu noch keine Angaben machen. Man habe „die Situation genau im Blick“ und prüfe für die jeweiligen Produktionsstandorte „verschiedene Handlungsoptionen“, teilte der Konzern mit. Ob Kunden also künftig auf Produkte verzichten müssen und wenn ja, auf welche, ist aktuell noch unklar. Klar ist aber, die Gas-Krise werden Kunden von Aldi, Lidl, Edeka und Co. nicht nur im eigenen Geldbeutel zu spüren bekommen, sondern auch gegebenenfalls aufgrund von leeren Supermarktregalen.

Gas-Krise: Alarmstufe des dreistufigen Gas-Notfallplans ausgerufen

Sollte die dritte und damit die Notfallstufe ausgerufen und damit die Gaskrise verkündet werden müssen, werde die Bundesnetzagentur entscheiden, wer noch mit Gas beliefert werde und wer nicht. Laut dem Focus würden „geschützte Kunden“ wie private Haushalte, Krankenhäuser, Feuerwehr und Polizei dabei Vorrang bekommen.

In diesem Fall werde Nestlé „Produktionslinien im Sinne der kritischen Infrastruktur“ priorisieren, so Schmitt gegenüber der LZ. Doch welche Produkte dann konkret einen Vorzug erhalten könnten, ließ das Unternehmen bisher noch offen. Kundinnen und Kunden müssen sich also gedulden.

Nestlé befürchtet, in Zeiten von Gas-Knappheit nicht ausreichend berücksichtigt zu werden.

Gas-Krise hat womöglich Einfluss auf Süßigkeiten – Schokokekse nicht systemkritisch

Die Sorge des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns, sich im Falle einer Gasabschaltung seitens Russland eher hinten anstellen zu müssen, erscheint nicht unbegründet. Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur, kündigte an, in einem solchen Fall Produzenten notwendiger Lebensmittel gegenüber der Süßwarenindustrie zu priorisieren.

Wie Food Service berichtet, löste seine Aussage, dass Schokoladenkekse „wohl“ nicht systemkritisch seien, große Sorgen um die Gasversorgung in Teilen der Lebensmittelbranche aus. Laut dem Nachrichtenportal watson kritisierte daraufhin eine Sprecherin des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie, dass „Müller den Empfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK) widersprechen würde“.

Gas-Krise: BKK empfiehlt Kekse im Notvorrat – Nestlé macht keine Angaben zur Priorisierung

Die Behörde hatte Verbraucherinnen und Verbrauchern nahegelegt, auch Kekse mit in den Notvorrat mit aufzunehmen. Ob Verbraucher für ihren Notvorrat dann auch Schokokekse von Nestlé kaufen können, ist angesichts der verworrenen Situation zwar zumindest fraglich, jedoch nicht ausgeschlossen.

Die vom BKK ausgesprochene Empfehlung, dass auch Kekse Teil eines Notvorrats sein können, und die ausbleibenden Angaben von Nestlé dazu, sollten nun allerdings nicht als Aufruf zum Hamstern verstanden werden. Schließlich polarisiert diese, von einigen als egozentrisch und raffgierig eingestufte, umstrittene Praxis nach wie vor.

Rubriklistenbild: © Karl F. Schöfmann/imageBROKER/Imago; Rainer Weisflog/Imago; Collage: Sabrina Wagner/RUHR24

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