Nicht drin, was drauf steht

Gefälschte Naturkosmetik: Wie man echte nachhaltige Siegel und Produkte erkennt

Naturkosmetik und Nachhaltigkeit liegen im Trend, doch nicht jedes Siegel ist aussagekräftig. Es gibt Tipps, wie man echte Öko-Pflege erkennt.

NRW - Nachhaltigkeit und Naturkosmetik liegen im Trend: Viele Verbraucher wollen genau wissen, was in ihrer Pflege steckt oder verlassen sich beim Einkauf auf bestimmte Siegel. Aber nicht immer garantieren diese auch, dass die Kosmetik einwandfrei ist.

Naturkosmetik ist kein geschützter Begriff

Denn "wo Naturkosmetik draufsteht, ist auch zertifizierte Naturkosmetik drin", ist ein Irrglaube, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet. Der Begriff "Naturkosmetik" ist nämlich nicht gesetzlich geschützt, dementsprechend dürfen Hersteller grundsätzlich jedes Produkt als Naturkosmetik anpreisen.

Das bedeutet: Auch Pflege, die beispielsweise Mikroplastik enthält und eben nicht aus natürlichen und besonders umweltverträglichen Stoffen besteht, könnte als Naturkosmetik vermarktet werden.

Verbraucherzentrale warnt: Hersteller tricksen bei Naturkosmetik beim Marketing

Die Verbraucherzentrale warnt außerdem vor verwirrenden Verpackungen von scheinbarer Naturkosmetik: "Kosmetik mit Abbildungen von Pflanzen oder Früchten auf der Packung kann trotzdem überwiegend aus chemisch-synthetischen Substanzen wie Kunststoffen oder Silikonöl bestehen."

Naturkosmetik sei demnach nicht zwangsläufig auch aus biologischem Anbau. Wer Bio-Kosmetik will, solle eher in der Liste der Inhaltsstoffe nach entsprechenden Kennzeichnungen suchen. Bei echter Naturkosmetik sollten gleich mehrere Stoffe nicht enthalten sein (mehr Ratgeber auf RUHR24.de).

Naturkosmetik muss einige Kriterien erfüllen, um zertifiziert zu werden

Denn wer seine Produkte als "zertifizierte Naturkosmetik" vertreiben und ein gängiges Siegel auf seiner Packung haben will, muss mehrere Kriterien erfüllen. Diese Inhaltsstoffe dürfen dann nicht enthalten sein:

  • Erdöl und Stoffe, die darauf basieren
  • Silikone
  • Mineralöl
  • Mikroplastik
  • Konservierungsstoffe

Insgesamt sind nur wenige chemisch hergestellte Stoffe erlaubt, darunter etwa Pigmente und naturidentische Konservierungsstoffe. Je nach Siegel muss ein Teil der Zutaten außerdem aus Bioanbau stammen.

Siegel sind bei Naturkosmetik ein Anhaltspunkt, aber nicht immer vertrauenswürdig

Wer beim Kauf von Naturkosmetik sicher gehen will, könne sich laut Verbraucherzentrale an entsprechenden Siegeln orientieren. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. So kritisiert die Verbraucherzentrale, dass einige Labels sehr „lasche Kriterien“ hätten. Andere Unternehmen erfinden hingegen eigene Label, damit die Produkte sich besser verkaufen.

Als vertrauenswürdig und besonders etabliert gelten beispielsweise Natrue und BDIH (Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen).

Einige Zutaten aus chemischen Rohstoffen sind auch bei Naturkosmetik erlaubt, etwa Pigmente.

Diesen Siegeln können Verbraucher bei Naturkosmetik vertrauen

Die Kriterien des Labels Natrue sind laut Verbraucherzentrale recht streng. Beispielsweise ist es als Hersteller nicht möglich, ein einziges Produkt zertifizieren zu lassen. Stattdessen wird immer die gesamte Produktserie berücksichtigt. Nur, wenn mindestens 75 Prozent davon dem Label-Standard entsprechen, darf das Siegel verwendet werden.

Außerdem müssen die Inhaltsstoffe zu 100 Prozent natürlich, naturnah oder naturidentisch sein, Gentechnik ist nicht erlaubt. Das Siegel erlaubt drei verschiedene Zertifizierungen: als Naturkosmetik, Naturkosmetik mit organischem Anteil (mehr als 70 Prozent biologische Inhaltsstoffe) oder als Biokosmetik (mehr als 95 Prozent biologische Inhaltsstoffe).

Naturkosmetik: Tierversuche sind seit 2013 verboten

Beim BDIH-Siegel hingegen müssen pflanzliche Rohstoffe aus zertifiziertem, ökologischen Ausgangsmaterial stammen. Tierische Rohstoffe sind in Naturkosmetik mit diesem Siegel nicht erlaubt, wenn sie von lebenden Tieren stammen. Das betrifft beispielsweise Honig und Milch. Außerdem erlaubt das Siegel nicht den Einsatz von organisch-synthetischen Farbstoffen, künstlichen Duftstoffen, Silikonen und Erdölprodukten bei Naturkosmetik-Produkten.

Übrigens: Für Tierversuche gelten laut der Verbraucherzentrale bei einigen Siegeln strengere Regelungen, als es das Tierschutzgesetz vorschreibt. Grundsätzlich dürfen seit 2013 in der gesamten Europäischen Union aber keine Kosmetika mehr verkauft werden, die selbst oder deren Bestandteile an Tieren getestet worden sind. Ausnahmen sind nur durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates möglich.

Rubriklistenbild: © Daniel Karmann/dpa

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