Bild: Martin Schutt/ZB/dpa

Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert wie das Thema Impfen. Sollen wir uns und unsere Kinder impfen lassen – ja oder nein?“ Manch einer ist ein entschiedener Befürworter, andere sind strikte Gegner des Impfens. Wieder andere wissen kaum, wie sie sich entscheiden sollen.

Viele Eltern, aber auch Jugendliche sind durch die vielen Mythen und Vorurteile die im Netz kursieren, verunsichert. Wir haben die häufigsten Behauptungen gesammelt und hinterfragt – und klären mithilfe des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin und des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) in Langen auf, ob sie stimmen oder nicht.

1. Mythos: Die Wirksamkeit von Impfungen wurde niemals belegt

Dieser Mythos ist falsch. „Nach geltendem Arzneimittelrecht erhält ein Impfstoff nur dann eine Zulassung, wenn nachgewiesen ist, dass er auch wirksam und verträglich ist“, sagen die beiden Institute.

In Deutschland muss der Hersteller diesen Nachweis vorab in klinischen Prüfungen bei dem Paul-Ehrlich-Institut als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel erbringen.

2. Mythos: Impfungen schützen nicht langfristig, sondern müssen ständig wiederholt werden

Dieser Mythos ist nur teilweise korrekt. Hierbei kommt es auf den Impfstoff an. Wenn ein Kind bei der sogenannten Grundimmunisierung zweimal eine Kombinationsspritze gegen Masern, Mumps und Röteln erhält, kann man davon ausgehen, dass der Schutz zumindest gegen Masern und Röteln tatsächlich ein Leben lang währt.

Die Impfung gegen Tetanus, Diphterie, Polio und Keuchhusten bietet fünf bis zehn Jahre Schutz. Danach sollte sie wiederholt werden. Die Impfung muss bei gefährdeten Personen sogar jedes Jahr erneuert werden, weil sich der Erreger sehr schnell verändert.

3. Mythos: Man kann trotz Impfung erkranken

Dieser Mythos ist wahr. Keine einzige Impfung kann ausnahmslos alle Geimpften schützen, ebenso wie kein Medikament bei sämtlichen Patienten wirkt. Ein gewisses Restrisiko besteht immer. Es steht aber fest, dass Impfungen die Wahrscheinlichkeit deutlich senkt, diese Krankheit zu bekommen.

4. Mythos: Viele Eltern haben als Kinder diese Krankheiten auch durchgemacht und gut überstanden

Dieser Mythos ist wahr, es kann jedoch auch anders kommen. Es stimmt, dass viele Infektionen folgenlos ausheilen. Sonst wären die betroffenen Eltern heute vermutlich tot oder hätten noch mit den Folgen der Krankheit zu kämpfen.

Es gibt aber auch viele Kinderkrankheiten, die drastisch verlaufen können. Ende der 1940er Jahre, als es noch keine Impfungen gab, starben in Deutschland pro Jahr mehrere tausend Menschen an typischen Kinderkrankheiten wie Diphterie, Keuchhusten oder Kinderlähmung. Allein in der BRD starben 1949 insgesamt 1122 Personen an Diphterie.

5. Mythos: Impfungen schaden mehr, als das sie nutzen

Im Netz kursieren diesbezüglich verschiedene Mythen: Dass Impfungen genau die Erkrankung verursachen, gegen die sie schützen sollen, dass sie Allergien fördern oder unkalkulierbare Nebenwirkungen hervorrufen. Diese Mythen stimmen größenteils nicht.

Nur sehr wenige Impfstoffe würden abgeschwächte, noch lebende Erreger enthalten. Diese können krankheitsähnliche Symptome hervorrufen. Eine voll ausgeprägte Erkrankung entwickelt den beiden Instituten zufolge praktisch nie. Eine Impfung verhindere zwar nicht die Infektion, aber ihre schwersten Verläufe, sagt das RKI.

Ausnahme: Als es noch eine Schluckimpfung gab, sind vermehrt Fälle von Kinderlähmung aufgetreten. Seitdem gibt es die Impfung mit dem Lebendimpfstoff nicht mehr, bei dem die Erkrankungen aufgetreten sind.

Was das Thema Allergien betrifft, so steht fest, dass es heute ganz allgemein sowohl mehr Impfungen, als auch mehr Allergien gibt. Dass Impfungen Allergien fördern ist wissenschaftlich nicht belegt. Vielmehr zeigen Untersuchungen, dass Impfungen das Risiko verringern, eine Allergie zu entwickeln.

6. Mythos: Die meisten Krankheiten, gegen die geimpft wird, treten in Deutschland gar nicht mehr auf

Dieser Mythos ist wahr, allerdings bedeutet das nicht, dass man auf das Impfen jetzt verzichten kann. Denn: Dass viele Krankheiten, wie Kinderlähmung oder Diphterie in Deutschland kaum noch auftreten, ist bereits das Ergebnis der Impfprogramme.

Durch die Impfungen sind viele Krankheiten bereits nahezu ausgerottet. Wenn sich nun immer mehr Eltern dazu entscheiden, ihre Kinder nicht impfen zu lassen, könnten wieder neue Epidemien, also Seuchen, entstehen.

Selbst wenn nicht alle Menschen geimpft sind, sorgt die sogenannte Herdenimmunität oder auch Herdenschutz genannt, dafür, dass sich eine Krankheit nicht ausbreitet.

Wenn also langfristig 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind, sind auch die Menschen vor einer Ansteckung geschützt, die nicht geimpft werden können wie zum Beispiel Säuglinge. Das erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Der eigene Impfschutz trägt also gleichzeitig zum Schutz der Gemeinschaft bei. 

7. Mythos: Impfungen sind überflüssig, weil die Krankheiten zum Beispiel mit Antibiotika behandelt werden können

Dieser Mythos stimmt so leider nicht. Bis heute gibt es keine Medikamente, die gegen Viren so wirksam sind wie Antibiotika gegen Bakterien. Gegenüber Viren wirken Antibiotika nämlich nicht.

Außerdem stellen Resistenzen gegen Antibiotika ein immer größeres Problem dar. Dadurch, dass heutzutage immer mehr Menschen vorschnell ein Antibiotikum nehmen, gibt es bereits Bakterien die dagegen resistent sind. Das bedeutet, dass die Bakterien durch das Antibiotikum oftmals nicht mehr abgetötet werden. Krankheiten werden so immer schwerer zu behandeln.

Auch heute noch sind einige bakterielle Erkrankungen schwer zu behandeln. So können zum Beispiel Tetanus-Infektionen, bakterielle Hirnhautentzündungen und Keuchhusten selbst unter modernen Behandlungsbedingungen zum Tod führen.

Impfung und Therapie sind zudem keine gegensätzlichen Optionen, sondern Teil derselben Schutzkette.

8. Mythos: Mit Impfungen will die Pharmaindustrie nur Geschäfte machen.

Dieser Mythos stimmt nicht. Zwar stimmt es, dass Unternehmen wie die Pharmaindustrie mit ihren Produkten selbstverständlich Geld verdienen wollen, allerdings investiert die Pharmaindustrie deutlich mehr Geld in Arzneimittel. Allein durch die Impfstoffe wird die Pharmaindustrie also nicht reich.

„Von den knapp 194 Milliarden Euro, die die Gesetzliche Kranken­ver­si­che­rung (GKV) im Jahr 2014 ausgegeben hat, entfielen 33 Milliarden Euro (17 Prozent) auf Arzneimittel und lediglich etwas mehr als 1 Mrd. Euro (0,65 Prozent) auf Impfstoffe“, sagt das RKI.

Ein Grund dafür ist, dass Medikamente etwa von chronisch Kranken ein Leben lang eingenommen werden müssen, während Impfstoffe in der Regel nur wenige Male verabreicht werden.