Geschichtlicher Hintergrund

Ist Muttertag wirklich eine Erfindung der Nazis?

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Stecken die Nazis hinter dem Muttertag?

Am Sonntag (9. Mai) ist Muttertag. Doch woher stammt der Brauch des Ehrentags der Mutter überhaupt? Und was haben die Nationalsozialisten damit zu tun?

NRW - Was, oder besser gesagt, wen wir am Muttertag feiern, ist klar. Aber nur die wenigsten kennen den Ursprung des Ehrentags aller Mamas. Immer wieder wird im Volksmund behauptet, dass hinter der Einführung des Muttertags ausgerechnet die Nationalsozialisten stecken. Stimmt das wirklich?

AnlassMuttertag
DatumZweiter Sonntag im Mai
UrsprungUSA
Erster Muttertag in Deutschland 13. Mai 1923

Muttertag 2021: Was ist der Ursprung des Ehrentags der Mütter?

Am Sonntag (9. Mai) ist Muttertag: Für viele eine schöne Gelegenheit, ihrer Mama eine Freude zu machen, zum Beispiel mit Blumen, einem gemeinsamen Frühstück oder einem Muttertags-Spaziergang in der Sonne bei milden Temperaturen. In der Corona-Pandemie ist es selbst kontaktlos möglich, seine Mutter an Muttertag zu überraschen, zum Beispiel mit lustigen Grüßen und Sprüchen via WhatsApp.

Andere finden hingegen, es braucht keinen extra „Feiertag“, um seine Mutter zu ehren. Viele halten den Muttertag deshalb lediglich für eine kommerzielle Erfindung der Blumenhändler. Ist da etwas dran? Und wann wurde der Muttertag zum ersten Mal gefeiert?

Muttertag: Geschenke und Blumen - Ursprung als Erfindung der Blumenhändler?

Tatsächlich wird der Muttertag bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland gefeiert - und hat seinen Ursprung wirklich im Blumen-Gewerbe. Anfang der 20er Jahre wurde der Muttertag in Deutschland nämlich erstmals vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber mit Plakate, auf denen „Ehret die Mutter“ stand, in Schaufenstern beworben.

Am 13. Mai 1923 wurde der Muttertag dann mit kleinen Werbekampagnen und Veranstaltungen in ganz Deutschland erstmals offiziell gefeiert und ab diesem Tag jedes Jahr am zweiten Sonntag im Mai wiederholt - wie heutzutage auch noch (mehr Ratgeber- und Service-Themen bei RUHR24).

Muttertag im Nationalsozialismus: Feiertag hatte anderen Zweck als heutiger Ehrentag der Mütter

1933, zu Beginn der Herrschaft der Nationalsozialisten, wurde der Muttertag dann als offizieller Feiertag eingeführt. Der Tag hatte damals jedoch recht wenig mit dem Muttertag gemein, den wir heutzutage feiern, denn: Den Nationalsozialisten diente der „Muttertag“ hauptsächlich zu Propaganda-Zwecken.

Video: Muttertag: Last-Minute-Geschenke

Der Tag sollte an das Pflichtbewusstsein junger Frauen erinnern, ihre „Gebärleistung“ auch in Zukunft weiter zu führen, um viele „arische Kinder“ für das nationalsozialistische Deutschland zu gebären. Gleichermaßen wurde auch das Mutterkreuz eingeführt: Eine besondere Auszeichnung für Frauen, die mehr als vier Kinder zur Welt gebracht hatten.

Der Journalist Jan Feddersen schrieb deshalb im Mai 2005 in der taz anlässlich des Muttertags: „Die Nazis wollten Frauen als Kameradinnen, noch lieber aber als Gebärmaschinen. Die Mutter war eine Heilige im völkischen Wahn, geehrt zum Muttertag, dem zweiten Sonntag im Mai. Warum wird er heute noch gefeiert, allem Feminismus zum Trotz?“

Ursprung Muttertag: Erstmals 1907 in den USA von Anna Marie Jarvis gefeiert

Vielleicht, weil der Ursprung des Muttertags, wie wir ihn heute kennen, sich sogar noch weiter zurückverfolgen lässt und eigentlich gar nichts mit den Nationalsozialisten zu tun hat.

Im Jahr 1907 sorgte eine Gedenkveranstaltung der US-Amerikanerin Anna Marie Jarvis für ihre verstorbene Mutter für Aufsehen: Jarvis und ihre Mutter waren weit über ihre Heimat Virginia bekannt, da sie im Bürgerkrieg Wohltätigkeitsveranstaltungen organisiert und sich mit anderen Müttern um die Verwundeten des Kriegs gekümmert hatten.

Sonnenschein am Phoenix-See – am Muttertag wird es warm in NRW. (Symbolbild)

Die Gedenkveranstaltung wurde anschließend von vielen zum Vorbild genommen und bereits ab 1909 jährlich im Mai im ganzen Land gefeiert. 1914 wurde der Muttertag in den USA dann sogar zum amerikanischen Feiertag ernannt.

Muttertag 2021 am 9. Mai: Nicht überall auf der Welt wird der Tag am zweiten Sonntag im Mai gefeiert

Übrigens: Nicht überall in der (westlichen) Welt wird der Muttertag am zweiten Sonntag im Mai begangen. Im Vereinigten Königreich oder Irland feiern Kinder ihre Mütter bereits im März. In Anlehnung an den von König Heinrich III. im 13. Jahrhundert eingeführten „Mothering Day“ werden die britischen Mütter jedes Jahr bereits am vierten Sonntag der Fastenzeit gefeiert.

Aber ob man seine Mutter nun im März, im Mai, oder an jedem anderen beliebigen Tag im Jahr feiert - wichtig ist doch, seiner Mama einfach mal seine kleine Freude zu machen und seine Dankbarkeit auszudrücken.