Geplante Schnäppchen-Jagd ade

Drogerie Müller beendet langjährigen Service - auch Preise ändern sich

Sparen! Das ist das Mantra der letzten Monate. Um Kunden zu locken, setzt die Drogerie Müller nun auf eine neue Strategie, verzichtet aber auf einen Service.

Dortmund – Aktuell müssen Verbraucherinnen und Verbraucher oft ganz genau auf ihre Ausgaben achten. Denn die Krisen der letzten Monate und Jahre schlagen sich in höheren Preisen in Supermärkten, Discountern, aber auch in Drogerien nieder. Die Drogeriekette Müller versucht derweil, um Kunden zu buhlen. Mit einer neuen Preis-Strategie.

DrogerieMüller
HauptsitzUlm
GründerErwin Franz Müller
Gründung5. März 1953, Ulm

Drogerie Müller will mit neuer Preisstrategie Kunden locken

Sparen steht derzeit bei Verbraucherinnen und Verbrauchern im Fokus – nicht ohne Grund. Durch Inflation und Gas-Krise wird derzeit gefühlt alles teurer. Nach Benzin und Lebensmitteln kommt auch schon die nächste Preis-Klatsche im Herbst auf die Menschen in Deutschland zu. Mit der geplanten Gas-Umlage müssen Verbraucherinnen und Verbraucher mit weiteren Kosten rechnen.

Und inmitten dieser wahren Preis-Explosion versucht die Drogerie Müller, Kundinnen und Kunden mit einer neuen Preis-Strategie zu locken. Denn anstatt auf Aktionen zu setzen, geht Müller einen anderen Weg. Verbraucherinnen und Verbraucher werden vielleicht schon die rot-weißen Etiketten in den Müller-Gängen bemerkt haben: Hinweise auf Dauerniedrigpreise.

Müller setzt auf Dauerniedrigpreise und nähert sich DM und Rossmann an

Bereits seit Mitte Juli soll der Drogerie-Riese auf Dauerniedrigpreise setzen und bereitet laut Lebensmittel Zeitung (LZ) zudem eine dreimonatige Preisgarantie vor. Diese solle demnach für das gesamte Sortiment gelten.

Mit dem Fokus auf sogenannte Dauerniedrigpreise habe Müller sich laut LZ-Stichproben seinen Konkurrenten DM und Rossmann preislich angenähert. Demnach sei zum Beispiel die Baby-Anfangsmilch Aptamil um einen Euro im Preis gesunken, die L’Oreál Age Perfect-Creme Nacht sei sogar 1,10 Euro günstiger.  

Kunden müssen auf Prospekte der Drogerie Müller verzichten – Aktionen sollen weniger werden

Während sich die orange Drogerie auf dauerhaft niedrige Preise fokussieren möchte, müssen Kundinnen und Kunden allerdings auf einen Service verzichten. Denn Müller gibt den Prospekten einen Laufpass. Bereits seit Mitte Mai soll Müller auf die Handzettel verzichten – daher werde es laut LZ wohl auch weniger Aktionen in der Drogerie geben.

Schon in der heißen Corona-Zeit habe der Drogist auf Prospekte und Aktionen verzichtet. Das zahlt sich aus. Mit der neusten Prospekt-Pause soll Müller mehr als drei Millionen Euro im Monat einsparen. In einer Mitteilung an die Lieferanten hieß es Ende April, dass zwar Aktionen in verschiedenen Warengruppen von Donnerstag bis Samstag geplant seien, die aber lediglich in Radio und TV beworben werden.

Die Drogerie Müller will Kunden locken – verzichtet aber auf einen Service.

Kik, Woolworth und Obi verzichten auf Prospekte – ein endgültiges Ende sehen Experten nicht

Das ausgiebige Stöbern und Markieren in aktuellen Müller-Prospekten fällt für Sparfüchse also erst einmal ins Wasser – zumindest für die meisten Warengruppen. Einzig für Düfte und Schreibwaren gibt es bislang noch Prospekte, auch online.

Und Müller ist mit dieser Strategie nicht allein. Auch Rewe hatte angekündigt, ab 2023 auf Handzettel verzichten zu wollen. Unternehmen wie Kik, Woolworth und Obi haben sich laut Horizont ebenfalls bereits aus dem Prospekt-Geschäft zurückgezogen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Wirkung auf Kundinnen und Kunden gehöre demnach aber nicht dazu, denn die sei weiterhin ungebrochen.

Vielmehr sind es aktuelle wirtschaftliche Lagen, die den Rückzug begründen. Steigende Papierpreise, höhere Löhne, weniger verfügbare Druckereien, Unsicherheiten bei Lieferungen geben einen kleinen Überblick über die Gründe für den Prospekt-Ausstieg. Experten rechnen aber nicht mit einem endgültigen Aus, sondern sehen Szenarien, in denen digitale und analoge Prospekte miteinander koexistieren. Wie die Pläne bei Müller diesbezüglich aussehen, ist nicht bekannt.

Rubriklistenbild: © Arnulf Hettrich/Imago

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