Mobbing während der Videoschalte

Internet-Mobbing nimmt zu: Experten geben Tipps gegen Hass im Netz

Die Corona-Pandemie bringt auch bislang wenig bekannte Folgen mit sich. Da Kinder deutlich häufiger online sind, nehmen auch Hass und Cyber-Mobbing im Netz zu.

Deutschland – Das Internet sicherer machen und aktiv gegen Cyber-Mobbing vorgehen: Das ist das Ziel des Safer Internet Days, der seit 2004 jährlich am 9. Februar stattfindet. Experten sehen allerdings aktuell eher eine gegenläufige Tendenz.

Cyber-Mobbingauch: Cyber-Bullying oder Internet-Mobbing
FormenVerleumdung, Belästigung, Beleidigung, Nötigung, Beschimpfung
Mediensoziale Medien, Internetplattformen, Chats, WhatsApp und viele mehr

So fördere die Corona-Pandemie Internet-Mobbing derzeit mehr denn je, da insbesondere Kinder sich deutlich mehr im Internet aufhielten als sonst. Für Kinder kann Mobbing im Netz schwere psychische Folgen haben – und Eltern fühlen sich der Situation oft hilflos ausgeliefert.

Studien zeigen: Corona-Pandemie begünstigt Cyber-Mobbing im Internet

Laut Statista lag der Anteil der Jugendlichen, die Erfahrung mit Cyber-Mobbing haben, also entweder selbst gemobbt wurden oder jemanden kennen, der gemobbt wurde, im Jahr 2019 bei rund 30 Prozent. Experten sind sich sicher, dass die Lockdown-Situation im Zuge der Corona-Pandemie die Lage noch verschärfen wird.

So ergaben europaweite Studien, die zwischen März und November 2020 durchgeführt wurden, dass Kinder nicht nur deutlich häufiger das Internet nutzen, sondern dass auch Mobbing im Netz zugenommen hat.

Eltern fühlen sich der Situation oft hilflos ausgeliefert, denn gerade beim digitalen Lernen können sie ihren Kindern derzeit nicht ständig über die Schulter blicken.

Während es zahlreiche Initiativen und Möglichkeiten gibt, um das Surfen für Kinder im Internet sicherer zu machen – zum Beispiel, indem man Seiten sperrt – ist die Hetze durch Gleichaltrige schwer abzustellen. Einmal Opfer, geraten Kinder oft in einen Kreislauf, der schwere psychische Folgen mit sich bringen kann.

Cyber-Mobbing nimmt im Lockdown zu – neue Formen von Hetze im Netz

Dass Kinder oder Jugendliche sich in Gruppen einen Außenseiter suchen, den sie piesacken können, ist kein neues Phänomen. Das gab es immer. Während sich Kinder früher aber aus den Situationen herausziehen konnten, indem sie zum Beispiel einfach nach Hause gingen, begleitet sie der Hass auf dem eigenen Handy oder heimischen PC dauerhaft.

Auch für die „Täter“ ist es im Internet leichter geworden, zu ärgern oder zu beleidigen. Sie können dabei sogar anonym bleiben.

Cyber-Mobbing kann auf verschieden Weisen passieren. So wird beispielsweise in Chats oder WhatsApp-Gruppen über das Opfer gelästert. Auch direkt an das Opfer gerichtete Beleidigungen oder sogar Bedrohungen kommen vor.

Ebenso kommt es immer wieder dazu, dass Fotos oder Videos hochgeladen werden, die bestimmte Kinder oder Jugendliche diffamieren. Oftmals werden dabei auch Unwahrheiten verbreitet.

Schüler-Mobbing während der Videoschalte: Experte fordert schulische Interneterziehung

Eine ganz neue, traurige Form hat sich beim Distanzlernen entwickelt. So berichten Lehrer gegenüber Zeit Online von Kindern, die andere während der Videokonferenz mit der Klasse beleidigen. Auch käme es vor, dass Schüler oder Lehrer in unvorteilhaften Positionen mitgeschnitten würden und die Videos dann im Netz verbreitet.

Experten fordern mittlerweile bereits, dass es auch für Distanzunterricht eine Ordnung geben müsse, ebenso wie es auch eine Schulordnung gibt.

So sagt beispielsweise Christian Scherg, Experte für Online-Krisenkommunikation und Cybermobbing, eine „wirksame Kontrolle“ sei derzeit „nahezu unmöglich“. Christian Scherg fordert daher im Stern-Interview eine schulische Interneterziehung mit Abschluss ähnlich „wie bei der Fahrradprüfung“.

Betroffen von Cyber-Mobbing? Bundesregierung bietet Hilfe für Kinder und ihre Eltern

Betroffene Eltern finden beim Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend hilfreiche Informationen zum Thema Cyber-Mobbing. Eltern werden hier unter anderen folgende Tipps genannt, was im Falle von Cyber-Mobbing zu tun ist:

  • Eltern sollten sich stets aktiv als Ansprechpartner anbieten. Gerade ältere Kinder kommen vielleicht nicht von selbst auf ihre Eltern zu.
  • Wichtig ist dabei, dass Eltern ihren Kindern dabei keine Vorwürfe machen, sondern ihnen stets beratend gegenüberstehen und Hilfe anbieten.
  • Findet Cyber-Mobbing statt, sollte zunächst hinterfragt werden, ob die Täter bekannt sind, dann sollten deren Eltern ggf. gezielt angesprochen werden. Dabei aufpassen: Es ist Eltern nicht erlaubt, anderen Kindern selbst die Schranken zu weisen.
  • Eltern können sich auch an die Betreiber von Internetplattformen wenden, wenn beleidigende oder peinliche Inhalte gelöscht werden sollen.
  • In schlimmen Fällen ist es sogar ratsam, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Straftatbestände sind zum Beispiel neben Beleidigung, übler Nachrede oder Verleumdung die unrechtmäßige Verwendung von Bildern oder das Verletzen des allgemeinen Persönlichkeitsrechtes der Opfer.
  • Hilfreich ist es dabei, Beweise zu sammeln: Man sollte sich daher immer Datum und Uhrzeit der Nachrichten notieren, Mails aufbewahren oder auch Screenshots machen.
  • Cyberexperte Christian Scherg verdeutlicht zudem gegenüber dem Stern, dass Eltern aufmerksam werden sollten, sobald Kinder ängstlich auf eingehende Nachrichten reagieren, nicht über ihre Online-Aktivität reden möchten oder sich generell zurückziehen. Auch körperliche Symptome wie Bauch- oder Halsschmerzen können Hinweise sein.

Safer Internet Day 2021: LEGO setzt sich für gemobbte Kinder ein

Eltern kleinerer Kinder finden in diesem Jahr auch bei LEGO Hilfe. Der Spielzeughersteller engagiert sich zum diesjährigen Safer Internet Day 2021 gegen Hass im Netz unter Kindern. Gemeinsam mit Schauspielerin Emilie Schüle und Entertainer Riccardo Simonetti hat es sich das Unternehmen zum Ziel gesetzt, das digitale Selbstvertrauen von Kindern zu stärken.

Karen Pascha-Gladyshev, Geschäftsführerin der LEGO GmbH, sagt dazu, man möchte „einen offenen Dialog zu Themen wie Cyber-Mobbing und digitalem Mitgefühl starten und insbesondere Eltern dabei unterstützen, mit ihren Kindern spielerisch und kindgerecht über Herausforderungen und einen sicheren Umgang im digitalen Raum zu sprechen.“

Tatsächlich kann es Eltern kleiner LEGO-Fans vielleicht helfen, wenn sie ihre Kinder auf diese Weise an das Thema heranführen. Gemeinsam mit UNICEF hat LEGO daher Tipps für Eltern entwickelt, um ihre Kinder im Umgang mit sozialen Medien zu stärken.

Cyber-Mobbing im Internet nimmt zu – Folgen sind gravierend

Das Engagement zum Safer Internet Day ist dieses Jahr dabei wichtiger denn je. Bei einer von UNICEF durchgeführten Umfrage gaben drei von vier Kindern an, in diesem Jahr mehr online unterwegs zu sein als letztes Jahr.

Cyber-Mobbing könne dabei zu schweren psychischen Folgen wie Verlust des Selbstwertgefühls oder sozialer Isolierung führen. Oftmals werden auch ehemalige Opfer selbst zu Tätern. Im schlimmsten Fall kann die dauerhafte psychische Belastung durch Cyber-Mobbing bis hin zum Selbstmord führen.

Rubriklistenbild: © Martin Schutt

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