Beauty-Trend auf dem Prüfstand

Öko-Test checkt Mizellenwasser und spricht besondere Warnung aus

Öko-Test prüft Mizellenwasser
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Mizellenwasser im Öko-Test. Viele können überzeugen. (Symbolbild)

Das sogenannte Mizellenwasser ist zu einem echten Beauty-Hype avanciert. Die Produkte versprechen eine besonders gründliche Reinigung. Aber wie gut sind sie wirklich?

Frankfurt – Mizellenwasser ist mittlerweile aus den Kosmetikregalen nicht mehr wegzudenken. Die Produkte werden als echte „Wundermittel“ in Sachen Gesichtsreinigung gefeiert. Aber was ist dran an dem Beauty-Hype? Öko-Test hat in seiner aktuellen Ausgabe 25 Produkte auf den Prüfstand gestellt – mit überraschendem Ergebnis.

Öko-TestVerbrauchermagazin
verkaufte Auflage112.783 Exemplare
ChefredakteurHans Oppermann

Mizellenwasser im Öko-Test: Das versprechen die Hersteller

Mizellenwasser soll laut den Marketing-Versprechen die Haut besonders gründlich reinigen – und zwar ohne, dass zusätzliches Reiben notwendig wäre. Verantwortlich für diesen Effekt sind die Mizellen, die sich aus waschaktiven Substanzen wie Tensiden bilden.

Wenn diese Mizellen auf fettige Substanzen stoßen, ziehen sie diese in ihr Inneres, sodass sie in Wasser gelöst und weggespült werden können, wie Öko-Test verdeutlicht. Dementsprechend halten die Produkte durchaus, was sie versprechen.

Mizellenwasser – keine neue Technologie, sondern eine neue Produktidee

Die Tester verweisen allerdings darauf, dass der „Trick“ grundsätzlich nicht neu sei und im Prinzip jede Seife so arbeite. Denn Mizellen bilden sich immer dann, wenn Tenside auf ausreichend Wasser treffen. Die Technologie sei daher nicht bahnbrechend, sondern lediglich die Produktidee. Neu sei nur die Konzentration.

So wären die Tenside in Mizellenwasser viel stärker verdünnt. Als Fazit kann man daraus ziehen: Mizellenwasser ist im Endeffekt nichts Innovatives - sondern ähnlich wie ein Renigungswasser mit stark verdünnter Seife.

Öko-Test: Die Preisspanne bei Mizellenwasser ist groß

Die Prüfer von Öko-Test haben für ihren Test 25 Mizellenwasser für die Anwendung im Gesicht gekauft – darunter sind Markenprodukte, Eigenmarken und auch einzelne Produkte aus Bio-Läden.

Die Preisspanne ist dabei enorm. Das günstigste Produkt im Test kostet 0,99 Euro pro 200 ml, das teuerste 11,12 Euro für 200 ml – mehr als das Zehnfache! (weitere Testberichte auf RUHR24.de)

Mizellenwasser im Öko-Test – so wurden die Produkte geprüft

Das Gesamturteil basiert insbesondere auf den Inhaltsstoffen. Die Mizellenwasser wurden von Öko-Test im Labor auf bedenkliche Inhaltsstoffe hin untersucht.

Das sind beispielsweise halogenorganische Verbindungen, Formaldehyd/-abspalter, bedenkliche Konservierungsstoffe, PEG/ PEG-Derivate oder synthetische Polymere. Auch nach möglicherweise Allergie auslösenden Duftstoffen wurden die Produkte untersucht.

Öko-Test prüft Mizellenwasser: Zwei Drittel sind „sehr gut“

Das überraschend gute Ergebnis: Drei Viertel aller untersuchten Mizellenwasser erhalten die Note „sehr gut“. Diese Produkte enthalten laut Test keinerlei schädliche Stoffe.

Die Note „gut“ wurde allerdings gar nicht vergeben, denn die Produkte im unteren Drittel enthalten Substanzen, die mindestens als bedenklich gelten.

„Tiefenreinigung“: Warum Schadstoffe in Mizellenwasser besonders problematisch sind

Solche Schadstoffe sind gerade bei Mizellenwasser kritisch. Denn dadurch, dass die Produkte gründlicher reinigen, können auch andere Substanzen tiefer in die Haut eindringen, wie Öko-Test erklärt. Daher werden schädliche Inhaltsstoffe bei Mizellenwasser zu einem Problem. Außerdem sollen die Produkte laut Deklaration auch auf der Haut bleiben und werden nicht abgespült – umso wichtiger also, dass sie schadstofffrei sind.

Bei Mizellenwasser ist es demnach besonders wichtig, penibel auf die Inhaltsstoffe zu achten. Insgesamt erhalten im Test drei Produkte befriedigend, zwei „ausreichend“ und eines sogar „ungenügend“.

Video: Testberichte von Öko-Test und Stiftung Warentest – was taugen sie wirklich?

Hormonelle Wirkung und wahrscheinlich Krebs erregend: Diese kritischen Stoffe wiesen die Prüfer nach

Zu den bedenklichen Stoffen, die im Test gefunden wurden, gehören zunächst PEG und PEG-Derivate. Diese für die Schaumbildung bei Kosmetikprodukten verantwortlich. Sie machen die Haut außerdem auch durchlässiger für Wirkstoffe – aber eben auch für andere Fremdstoffe wie Duftstoffe oder Umweltgifte.

Ebenso wiesen die Prüfer in einigen Produkten den Konservierungsstoff BHT nach. Der Stoff steht im Verdacht, hormonell zu wirken. Der große Verlierer im Test enthält als Problemstoff auch den bedenklichen Konservierer PHMB. Dieser wird offiziell eingestuft als „vermutlich Krebs erzeugend“.

Keine Kaufempfehlung: Das sind die drei Verlierer bei Öko-Test

Die Mizellenwasser, die im Test verlieren, sind allesamt bekannte Markenprodukte:

  • Produkt: Bebe Frischgezaubert Sanftes Mizellenwasser; Note: „ausreichend“; Problemstoffe: BHT, PEG/PEG-Derivate; Preis: 1,50 Euro pro 100 Milliliter
  • Neutrogena Hydro Boost 3-in-1 Mizellenwasser; Note: „ausreichend“; Problemstoffe: BHT, PEG/PEG-Derivate; Preis: 2,48 Euro pro 100 Milliliter
  • L‘Oréal Beruhigendes Mizellenwasser; Note: „ungenügend“; Problemstoffe: PHMB, PEG/PEG-Derivate; Preis: 1,50 Euro pro 100 Milliliter
  • Alle Verlierer und Gewinner im Test gibt es bei Öko-Test (Bezahlartikel).

Dass ausgerechnet der Beauty-Gigant L‘Oréal den letzten Platz belegt, überrascht tatsächlich. Zahlreiche weitere bekannte Markenprodukte sind hingegen empfehlenswert. „Sehr gut“ sind dabei auch viele günstige Eigenmarken. Grundsätzlich empfehlen die Prüfer von Öko-Test aber, Mizellenwasser entgegen der Deklaration stets abzuwaschen.

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