Großer Sprudel-Test

Mineralwasser-Test: Bekannte Top-Marke reagiert auf Note „mangelhaft“ im Öko-Test

Öko-Test nimmt aktuell Mineralwasser unter die Lupe. Das gute: Jedes zweite ist empfehlenswert. Aber einige eben auch nicht.

Update, Freitag (16. Juli), 19.39 Uhr: Nachdem das Mineralwasser „Marius Quelle Classic, Sachsenheim“ von Öko-Test mit der Note mangehaft aufgrund des Vorkommens von Bor bewertet wurde, hat das Unternehmen reagiert. Gegenüber RUHR24 gibt das Unternehmen an:

VerbrauchermagazinÖko-Test
ChefredakteurHans Oppermann
HauptsitzFrankfurt

Mineralwasser im Öko-Test: Top-Marke bekommt „mangelhaft“ - Unternehmen wehrt sich

„In unserem Produkt Marius Quelle Classic sind 0,56 mg/l Bor enthalten. Dieser Wert liegt weit unter den von der deutsche Mineral- und Tafelwasser-Verordnung sowie der Trinkwasserverordnung vorgegebenen Grenzwerten und ist deswegen unbedenklich.“

Laut dem Unternehmen lege die deutsche Mineral- und Tafelwasser-Verordnung in der Trinkwasserverordnung einen Grenzwert in Höhe von 1 mg/l fest. Diesen würde das Unternehmen nach eigenen Angaben deutlich unterschreiten.

Erstmeldung, Freitag (25. Juni), 12.58 Uhr: Dortmund – Flasche auf und Durst löschen: Wasser ist so ein simples und doch wichtiges Produkt im Alltag, gerade bei Hitze. Auch wenn es scheint, als könne man dabei nicht viel falsch machen, lohnt sich als Verbraucher ein genauer Blick. Öko-Test hat 50 Sorten Mineralwasser getestet. Dabei handelt es sich um klassisches Sprudelwasser, welches auch oft unter dem Beinamen „Classic“ geführt wird.

Mineralwasser bei Öko-Test: Viele sind empfehlenswert

Die gute Nachricht vorweg: Laut Öko-Test ist jedes zweite Mineralwasser der 50 Sorten mit der Note „sehr gut“ ausgezeichnet worden und damit empfehlenswert. Allerdings ist auch Mineralwasser dabei, das mit Schwermetall belastet ist oder in deren Quellen Abbauprodukte von Pestiziden vorgedrungen sind.

Aber was genau macht Mineralwasser aus? Laut Gesetz hat natürliches Mineralwasser seinen „Ursprung in unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen“. Wer Mineralwasser abfüllt, darf dieses kaum aufbereiten.

Wie Öko-Test in der neuen Ausgabe (7/2021) erklärt, handelt es sich letztlich um Regenwasser, das durch Gesteinsschicht bis zur Quelle fließt. Bei dieser Reise kann es vorkommen, dass auch unerwünschte Stoffe einfließen. Beispielsweise Chromat, Uran oder Bor. Das Gleiche gilt für Pestizide, die durch Acker ins Wasser gelangen können. Im vergangenen Jahr hat Öko-Test ebenfalls Wasser getestet und gefährliche Stoffe entdeckt.

Öko-Test findet Uran in Mineralwasser: Das ist der Grund

Bei der Untersuchung von Öko-Test (Bezahlartikel) wurde Chromat (auch Chrom VI) in drei Mineralwassern nachgewiesen. Chromat wird in der EU-Chemikalienverordnung als krebserregend eingestuft. Gesundheitliche Beeinträchtigungen seien zwar bei den festgestellten Werten unwahrscheinlich, Mineralwasser, das frei von Chromat ist, sei aber die bessere Wahl.

Uran wurde einmal im Test nachgewiesen, Bor zweimal. Beide Stoffe kommen zwar natürlicherweise im Boden und Gesteinsschichten vor. Allerdings sind sie dadurch nicht automatisch harmlos für Verbraucher. Uran gilt als leicht radioaktives Schwermetall. In geringen Konzentrationen, wie sie in Wasser vorgefunden werden, steht die chemische Toxizität gegenüber der Strahlenwirkung im Vordergrund.

Bedenkliche Stoffe in Mineralwasser: die Verlierer bei Öko-Test

Für Menschen vielleicht bedenklich: Aus einer Studie aus dem Jahr 1998 geht vorher, dass regelmäßige Aufnahme von Uran über Trinkwasser zu Nierenfunktionsstörungen führen kann. Aktuelle Studien können diese Hypothese aber nicht bestätigen. Allerdings gäbe es Hinweise darauf, dass Kinder empfindlicher auf Uran reagieren als Erwachsene.

Bor ist ein giftiges Halbmetall und hat in Tierstudien eine entwicklungs- und fortpflanzungsschädliche Wirkung gezeigt. Unter anderen im weltbekannten Mineralwasser von San Pellegrino wurden die kritischen Stoffe gefunden:

  • Chromat: San Benedetto mit Kohlensäure versetzt (Note: mangelhaft)
  • Bor: Marius Quelle Classic, Sachsenheim (Note: mangelhaft)
  • Uran: San Pellegrino (Note: ausreichend)

Pestizide und Süßstoff in Mineralwasser – Öko-Test zweifelt Reinheit an

In immerhin neun Mineralwassern im Test wurden Abbauprodukte von Pestiziden nachgewiesen. Sie wirken nicht mehr wie Pestizide, zeigen aber zumindest an, dass diese einmal im Einsatz waren. Von ihrer Aufnahme geht keine Gefahr aus. Öko-Test verstehe unter dem Kriterium „ursprünglicher Reinheit“ aber „etwas anderes“.

Die Reinheit trübe auch der Süßstoff Acesulfam K, der ebenfalls zweimal gefunden wurde. Er könne ein Hinweis dafür sein, dass Haushaltsabwässer das Mineralwasser verunreinigen. Süßstoffe können allerdings auch aus dem Abfüllungsprozess stammen, wenn an der gleichen Anlage vorher beispielsweise Limo abgefüllt wurde (mehr Testberichte bei RUHR24).

Video: Mineralwasser kann dick machen?

Mikroplastik im Mineralwasser: Öko-Test macht die Stichprobe

Wer regelmäßig Mineralwasser trinkt, legt möglicherweise Wert auf die Verpackung. Öko-Test hat überprüft, ob es einen eindeutigen Unterschied zwischen in PET- und Glasflaschen abgefülltes Wasser gibt. Steckt in einem von beiden mehr Mikroplastik? Stichenprobenartig wurden zu dieser Frage zehn Sorten untersucht.

Das Ergebnis lässt hier allerdings kein eindeutiges Urteil zu: Mikroplastik wurde in beiden Verpackungsformen nachgewiesen. In Wasser aus Glasflaschen haben die Laborexperten zwar weniger PET-Partikel analysiert, dafür aber einen höheren Anteil von anderem Mikroplastik. Ein Rezept, Mikroplastik komplett zu meiden, gibt es laut Öko-Test aktuell übrigens nicht: Es scheint allgegenwärtig zu sein. 

Rubriklistenbild: © Hazem Bader/AFP; Collage: RUHR24

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