12 Euro ab Oktober

Neuer Mindestlohn hat Schattenseite: Negativer Effekt für Millionen Deutsche droht

Der neue Mindestlohn ab Oktober könnte die Inflation weiter antreiben. Das befürchtet das Ifo-Institut und erwartet steigende Preise für Verbraucher.

München – Die Inflation ist in Deutschland ist seit Monaten auf einem ungewöhnlich hohen Niveau. Die Lebensmittelpreise bei Supermärkten und Discountern steigen. Auch die Stromkosten sind trotz Wegfall der EEG-Umlage hoch und bei Heizkosten sieht es nicht besser aus. Das alles könnte jetzt noch teurer werden, warnt das Ifo-Institut.

Bis 1. Juli 20221. Juli 2022 bis 30. September 2022Ab 1. Oktober 2022
Mindestlohn9,82 Euro10,45 Euro12,00 Euro
Minijob-Verdienstgrenze450 Euro450 Euro520 Euro
Midijob-Verdienstgrenze1.300 Euro1.300 Euro1.600 Euro

Steigender Mindestlohn ab Oktober: Änderungen für Mini- und Midijobber

Der Grund dafür sei der steigende Mindestlohn ab Oktober. Der wurde im Juli von 9,82 auf 10,45 Euro je Stunde erhöht. Ab 1. Oktober liegt er bei 12 Euro. Gleichzeitig werden auch die Verdienstgrenzen für Mini- und Midijobs sowie die Sozialversicherungsabgaben geändert.

Geringverdiener sollen durch die Neuerungen entlastet werden, so die Bundesregierung. Davon profitieren deutschlandweit mehr als sechs Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ab Oktober mehr Geld verdienen. Allerdings hat der steigende Mindestlohn auch eine Schattenseite, von der die ganze Bevölkerung betroffen sein wird.

Ifo-Institut rechnet mit steigender Inflation durch neuen Mindestlohn

Als Folge der Mindestlohnänderung müssen viele Unternehmen mit höheren Personalkosten klarkommen. Sie rechnen mit weniger Gewinn und einer geringeren Nachfrage.

Das Münchner Ifo-Institut hat dazu 6.900 Firmen befragt. Fast ein Drittel von ihnen gab an, dass ein Teil ihrer Mitarbeitenden bisher unter 12 Euro verdient habe (mehr Service-News bei RUHR24).

Unternehmen wollen Preise für Produkte anheben, um Mindestlohn auszugleichen

58 Prozent dieser Firmen „planen als Reaktion, ihre Preise hochzusetzen“. Preiserhöhungen sind damit die am meisten genannte Reaktion auf die Anpassung des Mindestlohns. Die Inflation wird auf diesem Weg weiter angekurbelt werden, so die Prognose des Instituts. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen deshalb mit steigenden Preisen rechnen.

Steigende Preise durch Inflation: essen gehen, Lebensmittel und Textilien könnten besonders teuer werden

Weitere Maßnahmen, die Unternehmen planen, sind die Arbeitszeit der Beschäftigten zu verringern oder Sonderzahlungen zu kürzen (18 Prozent) oder Stellen abzubauen (13 Prozent).

In der Gastronomie gibt es besonders viele Angestellte, die bisher unter 12 Euro verdient haben.

Einigen Branchen sind durch den steigenden Mindestlohn besonders betroffen: In der Gastronomie sind es 78 Prozent der befragten Firmen, in der Zeitarbeit 64 Prozent, im Einzelhandel 58 Prozent, in der Textilindustrie 72 Prozent und in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie 61 Prozent. In diesen Bereichen sind deshalb am ehesten (noch weiter) steigende Preise zu erwarten.

Inflationsrate in Deutschland könnte ab Oktober stärker steigen

Im August 2022 liegt die Inflationsrate in Deutschland laut statistischem Bundesamt voraussichtlich bei 7,9 Prozent. Im Juli 2022 hatte die Inflationsrate in Deutschland bei +7,5 % gelegen. In NRW lag sie bei 7,8 Prozent. Das Ifo-Institut erwartet, dass die Inflation stark angetrieben wird. Wie stark genau die Rate weiter steigen könnte, dazu gibt es bisher keine Prognosen.

Rubriklistenbild: © Sven Simon/Imago

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