Schadstoffe in Säuglingsmilch

Milchpulver für Babys im Test: Bedenkliche Stoffe in Pre-Nahrung – nur zweimal „sehr gut“

Öko-Test hat in der Juni-Ausgabe Säuglingsmilch getestet. Wie bereits in den letzten Tests wurde wieder in zahlreichen Milchen Mineralöl gefunden – und nicht nur das.

Deutschland – Das allerletzte Lebensmittel, in dem Schadstoffe etwas zu suchen haben, ist wohl Pre-Nahrung. Denn diese Produkte sind speziell für die Bedürfnisse von Säuglingen entwickelt und werden ab dem Tag der Geburt gefüttert. Waren in vergangenen Tests von Öko-Test noch sämtliche Produkte verunreinigt, bekommen aktuell immerhin zwei die Bestnote „sehr gut“. Dennoch sind immer noch die meisten mit Schadstoffen belastet (mehr Testberichte auf RUHR24).

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Pre-Nahrung im Test: Hersteller versuchen, die Muttermilch „nachzubauen“

„Muttermilch ist das Beste für Ihr Kind“ – diesen gut gemeinten Satz kennt wohl jede Mama. Denn richtigerweise werden Mediziner und Hebammen nicht müde zu erwähnen, dass Muttermilch das Neugeborene bestmöglich versorgt. Auch die WHO empfiehlt Müttern, ihr Baby in den ersten sechs Monaten zu stillen.

Dennoch ist das Stillen nicht immer möglich. Ein Grund dafür kann unter anderem sein, dass die Mutter einfach nicht genug Milch produziert. Manchmal lässt sich das Stillen auch nicht mit dem Berufsalltag vereinbaren.

Wie Öko-Test erklärt, lässt sich Muttermilch auch nicht einfach „nachbauen“. Dennoch gelinge die Annäherung an die Muttermilch aber so gut, dass die Kleinen gut versorgt seien.

Mineralöl in 12 von 16 Säuglingsmilchen – Öko-Test sieht immer noch ein großes Problem

Problematisch sind allerdings weiterhin die Rückstände von Schadstoffen in den Produkten. So weisen die Tester in dem von Öko-Test beauftragten Labor wieder in unfassbaren 12 von 16 Produkten Mineralölkohlenwasserstoff (MOSH) nach.

Die Substanz könne sich im Körper ansammeln – die Langzeitfolgen seien noch unklar. Wie Öko-Test erklärt, könnte MOSH über die Verpackungen oder durch Schmierfett an Maschinen in das Pulver gelangt sein.

Ein bekanntes, höherpreisiges Produkt enthält neben MOSH auch noch aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH). Diese gelten als noch bedenklicher, da darunter auch krebserregende Verbindungen sein können. Dass Pre-Nahrung mit Mineralöl belastet ist, bemängelt übrigens nicht nur Öko-Test – auch Foodwatch warnt davor.

Fettschadstoffe, Desinfektionsmittel – einige Produkte sind zu stark belastet

In einem weiteren namhaften Produkt finden die Prüfer einen anderen bedenklichen Stoff – es ist mit Glycidylfettsäureester verunreinigt. Zwar liege der Gehalt unterhalb des gesetzlichen Grenzwertes, bemerken die Tester, dennoch habe dieser Fettschadstoff nichts in Babynahrung verloren. Denn er könne im Körper Glycidol freisetzen, das ebenfalls wahrscheinlich krebserregend ist.

Eine Bio-Anfangsmilch enthält überdies Rückstände des Desinfektionsmittels Perchlorat. Dieses kann auf die Dauer die Jodaufnahme der Schilddrüse hemmen.

Schadstoffe in Anfangsmilch: Hersteller verbessern sich – das sind die Testsieger

Trotz dieser ärgerlichen Funde: Einige Hersteller haben im Vergleich zu älteren Tests nachgebessert. So erhalten von den insgesamt 16 getesteten Anfangsmilchen immerhin drei die Note „gut“. Zweimal gibt es sogar „sehr gut“. Das sind die drei Testsieger bei Öko-Test:

  • Produkt: Aptamil Profutura Anfangsmilch Pre; Anbieter: Milupa; Preis pro 500 g: 13,09 Euro; umstrittene Stoffe: MOSH in Spuren, Chlorat in Spuren, Fettschadstoffe in Spuren, Gesamtnote: sehr gut
  • Produkt: Nestlé Beba Pre; Anbieter: Nestlé ; Preis pro 500 g: 9,03 Euro; umstrittene Stoffe: MOSH in Spuren, Chlorat in Spuren, Fettschadstoffe in Spuren, Gesamtnote: sehr gut
  • Produkt: Babydream Anfangsmilch Pre; Anbieter: Rossmann; Preis pro 500 g: 4,60 Euro; umstrittene Stoffe: MOSH in Spuren, Chlorat in Spuren, Fettschadstoffe in Spuren, Gesamtnote: gut

Was auffällt: Selbst die als „sehr gut“ bewertete Pre-Nahrung ist nicht frei von Schadstoff-Spuren. Es handelt sich aber um so geringe Mengen, dass die Tester sie nicht als bedenklich einstufen.

Erhöhte Schadstoffwerte: drei Produkte fallen durch, Bio überzeugt bei Babymilch nicht

Von insgesamt drei bekannten Produkten raten die Tester aufgrund der erhöhten Schadstoffwerte dringend ab. Sie erhalten „mangelhaft“, beziehungsweise „ungenügend“ – die weiteren landen im Mittelfeld. Alle Gewinner und Verlierer gibts bei Öko-Test (Bezahlartikel).

Erwähnenswert: Öko-Test bewertet Produkte in Bio-Qualität grundsätzlich oft besser als konventionelle Produkte – so beispielsweise auch im aktuellen Senf-Test. Das ist allerdings bei Säuglingsmilch anders. Keines der Bio-Produkte ist gut – zwei gehören sogar zu den Testverlierern.

Rubriklistenbild: © Fred Dufour/afp

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