Ergebnisse überraschen

Milch im Öko-Test: Bio-Produkte auf dem Prüfstand – Ergebnis überrascht

Kühe in Stall
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Bio-Milch im Öko-Test: In puncto Tierwohl muss noch nachgebessert werden. (Symbolbild)

In seiner aktuellen Ausgaben hat Öko-Test Bio-Milch auf den Prüfstand gestellt. Die Ergebnisse der Tester sind wirklich überraschend.

Frankfurt – Wie gut ist Bio-Milch? Dieser Frage sind die Öko-Tester für ihre Februar-Ausgabe auf den Grund gegangen. Dazu kauften die Prüfer 20 verschiedene Bio-Vollmilchen aus Supermärkten und Bio-Läden ein und stellten sie auf den Prüfstand. Da die Preise für Bio-Milch deutlichen über denen von konventioneller Milch liegen (teilweise sogar doppelt so hoch), wollten die Prüfer wissen, ob sich diese Mehrausgaben lohnen (alle Testberichte auf RUHR24.de).

VerbrauchermagazinÖko-Test
ChefredakteurHans Oppermann
Verkaufte Auflage112.783 Exemplare

Öko-Test prüft Bio-Milch: „Bio“ ist in der Lebensmittelbranche ein geschützter Begriff, der Mindeststandards definiert

Ob sich ein Lebensmittel „Bio“ nennen darf, ist EU-einheitlich in der entsprechenden Verordnung geregelt. Nach der EG-Ökoverordnung müssen mindestens 95 Prozent der verwendeten Zutaten eines Produkts aus ökologischer Bewirtschaftung stammen, damit das Produkt als „Bio“ verkauft werden darf.

Und auch die Vorschriften für die ökologische Bewirtschaftung sind genau vorgegeben. Beispielsweise sind bestimmte Pflanzenschutzmittel verboten und die Futtermittel dürfen nicht gentechnisch verändert sein. Kühe müssen außerdem regelmäßig nach draußen dürfen und im Stall mindestens sechs Quadratmeter Platz pro Tier haben. Das EU-Siegel legt dabei allerdings nur derartige Mindeststandards für die ökologische Landwirtschaft fest. Daneben gibt es Verbände wie Demeter, oder Naturland, die noch viel strengere Kriterien festlegen. Wie ökologisch ist also die Bio-Milch, die wir im Supermarkt kaufen?

Bio-Milch im Öko-Test – so wurde die Milch getestet

Zur Beantwortung dieser Frage wurde die zuvor gekaufte Bio-Milch im Test-Labor von Öko-Test auf verschiedene Dinge getestet. Geprüft wurde zunächst, ob sie Rückstände von chlorhaltigen Reinigungsmitteln oder Mineralölkohlenwasserstoffen enthält. Zudem wurde getestet, ob die Milch mikrobiologisch einwandfrei ist – und auch nachdem sie abgelaufen ist noch schmeckt.

Außerdem haben die Prüfer von Öko-Test bei ihrem Test von Bio-Milch auch einen Fokus auf das Tierwohl gelegt. So wurde beispielsweise getestet, wie viel Gras oder Heu die Tiere zu Fressen bekommen haben. Die Tester erklären, dieses könne man an dem Gehalt an grünfuttertypischen Omega-3-Fettsäuren feststellen. Weitere Punkte, mit denen das Tierwohl getestet wurde, waren unter anderen:

  • Rückverfolgbarkeit zu den einzelnen Höfen
  • Weidegang und Platz im Stall
  • Kuhgebundene Kälberaufzucht
  • Boxen zum Abkalben und Krankenabteilungen für die Kühe
  • Anbindehaltung
  • Externe Tierwohlkontrollen in den Höfen
  • Enthornung
Bio-Milch im Öko-Test: In puncto Tierwohl muss noch nachgebessert werden. (Symbolbild)

Bio-Milch im Öko-Test – Ergebnisse insgesamt überraschend gut, Tierwohl verbesserungswürdig

Tatsächlich erhält keine der getesteten Milch-Sorten die Note „mangelhaft“ oder „ungenügend“ – sämtliche der geprüften Produkte sind also mindestens „ausreichend“. Insgesamt können die Tester 13 von 20 Bio-Produkten empfehlen.

Bei den mittelmäßigen Produkten, die Öko-Test nicht empfiehlt, waren es Tierwohl und Transparenz, die zu einem (teilweise sehr deutlichen) Notenabzug führten. So verweisen die Tester darauf, dass längst nicht jede Kuh, die Bio-Milch produziert, auch eine glückliche ist. Viele werden beispielsweise angebunden oder haben nicht ausreichend Platz zur Verfügung.

Hinsichtlich Haltbarkeit und Geschmack konnte die Bio-Milch hingegen insgesamt überzeugen. Auch Schadstoffe waren kein großes Problem im Test. In zwei Produkten wurden allerdings Keime gefunden.

Bio-Milch bei Öko-Test auf dem Prüfstand – das sind die Testsieger

Trotz einiger Missstände kommen die Tester daher zu dem Ergebnis, dass Bio-Milch (fast) immer eine „gute Wahl“ sei. Zweimal geben sie sogar die Bestnote „sehr gut“. Die Testsieger sind:

Daneben erhalten weitere elf Produkte die Note gut, die insgesamt empfehlenswert sind. Für die artgerechte Haltung der Kühe könnte hier aber noch mehr getan werden. Dennoch kommen die Prüfer zu einem eindeutigen Fazit: Bio-Milch ist auf jeden Fall ihren Preis wert.

Video: Wegen Corona-Krise – so hat sich das Essverhalten verändert

Bio-Branche erlebt einen Boom, auch wegen Corona: Worauf man bei Bio achten muss

Immer mehr Verbraucher setzen auf Bio: Laut Statista ist der Umsatz mit Bio-Produkten in Deutschland in den vergangenen Jahren auf rund zwölf Milliarden Euro gestiegen. In der Corona-Krise hat sich das Bewusstsein für nachhaltig produzierte Lebensmittel dabei noch einmal erhöht. Auch Lebensmittel aus regionalem Anbau erleben derzeit einen Boom.

Umso wichtiger ist es, dass sich Verbraucher auch darauf verlassen können, dass auch Bio drin ist, wo Bio draufsteht. Das ist nicht immer so eindeutig, wie bei Milch. Denn durch den boomenden Markt wird auch immer mehr Bio-Ware in Discountern verkauft. Geschützt ist der Zusatz „Bio“ dabei nur im Lebensmittelbereich, nicht aber etwa bei Kosmetik oder Putzmitteln. Und auch von Lebensmittelherstellern wird mit ähnlich klingenden Begriffen wie „natürlich“ oder „kontrollierter Anbau“ Marketing betrieben, die eigentlich keine Aussage haben.

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